Warum hat der HAPPY CAT ein langes Mittelschwert und nicht Finnen unter den Rümpfen?

Kurz gesagt:
• SCHWERT: Wenn beste Segelleistung, viel Höhe Fahren, wenig Abdrift, genaues trimmen für jede Situation, höchste Geschwindigkeiten und maximale Robustheit erwünscht/wichtig ist!

• FINNEN: Wenn Segelleistung egal, wenig Höhe Fahren, wenig Seitlicher Halt im Wasser = viel Abdrift, kein Trimmen möglich ist und keine Langlebigkeit/Robustheit nötig ist.

 

Bereits unsere Vorgängerfirma SEMPERIT – maßgeblich der geniale Konstrukteur Eduard Heuzonter – experimentierte in den 80er Jahren mit Finnen an den Rümpfen statt Schwerter. Auch wir bauten und testeten bereits 1987 Katamaran Prototypen mit Rumpf-Finnen.
Jetzt wieder Finnen an Katamarane zu bauen wäre ein Rückschritt in der Entwicklung, denn diese haben viele gravierende Nachteile:

• Umständliche Befestigung an den Rümpfen + Beschädigungsgefahr

• Das Boot steht an Land ständig auf den Finnen, das gesamte Gewicht drückt auf die Finnen. Wenn man sich auf den Kat setzten möchte oder ein Zelt auf den Rahmen geben möchte, müssen die Finnen immer umständlich abmontiert und zum Segeln wieder angebracht werden. Daher gibt es eine große Beschädigungsgefahr und Reklamationsanfälligkeit.

• Umständliches ins Wasser lassen des Katamaran und problematisches Anlanden. Wenn steiniges Ufer ist und man mit erhöhter Geschwindigkeit anlandet können die Finnen schnell beschädigt werden.

• Die Idee die Finnen bei Flachwasser besser verwenden zu können ist ein Irrglaube. Das Ruder des Kats steht trotzdem tiefer ins Wasser – genau so tief wie es auch ein Mittelschwert tun würde. Das Ruder schräg zu stellen, sodass es nicht so tief ins Wasser steht, würde zu einem unglaublich hohen Ruderdruck führen und den Kat unkontrollierbar machen. Abgesehen davon kann ein Mittelschwert getrimmt und schräg gestellt werden, dass es weniger Tiefgang hat.

 

• DAS WICHTIGSTE
Mit kurzen, nur sehr wenig ins Wasser reichenden Rumpffinnen kann nicht so viel Höhe gefahren werden, wie mit einem Profil-Schwert das tief ins Wasser reicht. Das haben unsere Testfahrten EINDEUTIG ergeben. Die Folge daraus ist, dass mit Finnen viel häufiger gekreuzt werden muss, um gegen den Wind eine Strecke zu fahren, als wie mit einem Schwert. Bei ablandigem Wind kann das sogar gefährlich werden!

 

• GRUND FÜR MEHR HÖHE SEGELN MIT SCHWERT:
Ein guter Vergleich dazu sind die Flügel eines Segelflugzeugs. Diese haben eine sehr kurze Tiefe, dafür aber eine große Länge (Spannweite). Je länger die Flügel sind, umso mehr Auftrieb wird erzeugt und das Segelflugzeug wird effizienter. Genau so verhält sich auch ein Schwert bei einem Segelboot. Je tiefer/länger das Profilschwert ins Wasser geht, umso mehr Druck erzeugt es durch das am Profil vorbeiströmende Wasser. Je schneller der Kat fährt umso höher wird auch die Effizienz des Schwerts. In tieferem Wasser sind die Strömungswirbel der Rümpfe nicht mehr vorhanden und die Wirkung ist noch besser. Bildlich gesprochen „beißt“ sich das Schwert je tiefer es ist und je schneller das Boot fährt, besser im Wasser fest und dadurch kann mehr Höhe gesegelt werden.

schwert katamaran aluminium grabner happy cat mittel finnen

• GRUND FÜR WENIGER ABDRIFT MIT SCHWERT:
Ein Schwert oder Finnen sollen die Abdrift des Kats verhindern. Je weiter unten (tiefer im Wasser) dieser Punkt ansetzt, desto größer ist dieser Effekt. Deshalb ist ein Schwert viel effektiver um die Abdrift zu verhindern.
Umgekehrt, wenn sehr böiger Wind ist, kann das Schwert kalkuliert schräg gestellt werden, um den Kat absichtlich seitlich mehr versetzen zu lassen. Durch diese Seitliche „Abfederung“ der Böen wird das Fahrverhalten weicher und der Kat nimmt etwas mehr Fahrt auf.

• GRUND FÜR GENAUES TRIMMEN MIT SCHWERT:
Das Schwert ist das effektivste Mittel um den Druckpunkt jeder Zeit genau auf den aktuellen Kurs und die Situation einstellen zu können. Bei am Wind Kursen kann das Schwert komplett senkrecht gestellt werden, um die höchste Wirkung zu erlangen. Dabei erhöht sich auch der Ruderdruck, auch gefühlter Druck auf der Pinne, was sehr wichtig ist um gut Höhe segeln zu können. Bei langen Halbwindstrecken unter moderaten Windbedingungen kann das Schwert zB 20° schräg gestellt werden. Dabei verringert sich der Ruderdruck und höhere Geschwindigkeiten werden erreicht. Bei Vorwindkursen kann das Schwert noch weiter aus dem Wasser genommen werden, um den Widerstand zu minimieren.

• ERKLÄRUNG FINNEN:
Finnen die nur wenig ins Wasser stehen und kein Strömungsprofil haben sondern flach sind, erzeugen keinen Druck sondern Wirbel an den Kanten und bringen daher kaum Leistung. Dazu kommt, dass im unmittelbarem Bereich unter den Rümpfen Strömungswirbel entstehen und dadurch die Wirkung der Finnen weiter reduziert wird. Der Punkt an dem die Abdrift verhindert werden soll liegt sehr hoch (nicht tief im Wasser) und hat dadurch nur eine sehr geringe Wirkung.

Footer Top