icherkei

Spinnacker: Schotführung und Bergung

  • 12.09.2016
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Moin,
ich installiere gerade auf meinem Vision einen Spinnaker. Bei unseren gummi-roten “glücklichen Katzen” sind ja weder Gennaker noch Spinnaker so ganz dem Handbuch der Seemannschaft entsprechend – kein variabler Klüwer, symmetrisches Spi wird nicht mittig oder über Baum sondern lee-seitig versetzt gefahren.
Ich überlege, den Spi-Hals nicht vom Bugspriet her zu befestigen, sondern rein über die Schoten. Die Luv-Schot müsste dann jeweils geklemmt sein und die andere minimiert den Zug auf die führende Hand anhnad des Snatch-Blockes.
Irgendwelche weiterführenden Idden, Hinweise oder Bedenken dazu?
Zum Bergen wäre eine Trompete oder einfach ein Bergesack eine vorzügliche Hilfe – hat da jemand schon Erfahrungen auf HC bzw. mit etwas rumexperimentiert?
Gruß auf die Wässer Europas..

  • Klabautermann

    Re:Spinnacker: Schotführung und Bergung

    • 24/08/2016

    Hallo,

    falls ich Dich richtig verstanden habe, verfolgst Du das Konzept eines nur am Mast angeschlagenen Spinnakers. Tut mir Leid, aber das wird nicht oder jedenfalls nicht gut funktionieren.

    Beim Gennaker hast Du die Nock des Bugspriets, beim Spinnaker hast Du die Nock des Spibaums als zweiten Anschlagspunkt. Beide Segel werden über die genannten Anschlagpunkte stabilisiert. Beim Spinnakerbetrieb ohne Spiere, nur über Achterholer und Spischot, wird das Segel mittig in sich zusammenfallen. Denn welche Kraft könnte Schothorn und Halshorn gegen den Winddruck auseinanderhalten? Der Spi ist ein zweidimensionales Segel und keine sich selbst stabilisierende Lenkmatte.

    Auch wenn Du versuchen würdest, das Vorsegel zu bergen, etwas anzuluven und das Spisegeln auf raumen Wind zu beschränken, hättest Du keinen Gewinn. Dann hättest Du zwar das Vorstag als stabilisierendes Element gewonnen. Aber dann macht der bauchige Spi hinten zu und Du hättest außer Abdrift nichts gewonnen. Fierst Du auf, um das Problem zu vermeiden, wird das Segel wiederum anfangen, in sich zusammenzufallen.

    Eine weitere Idee wäre, Schothorn und Hals mit einer Spiere zu verbinden. Jede Nock müßte über jeweils zwei Schoten angesteuert werden. Eine Schot ginge zunächst nach unten an einen Block auf dem Bug, die andere direkt zurück ins Cockpit, ggf. über Snatchblöcke. Das bedeutet eine Doppelschot auf jeder Seite. Diese Lösung hätte zumindest den Nachteil, dass Du das Unterliek und die Bauchigkeits des Spis nicht trimmen kannst. Und schon bei leicht raumem Wind wird sich das Segel unerwünscht verwinden und nicht ausreichend trimmbar sein.

    Mit dem Gebrauch einer Trompete habe ich keine Erfahrungen. Und das was man so hört, konnte ich bislang nicht selber überprüfen.
    Die Bergesacklösung ist mir bekannt und taugt m.E. allenfalls auf Fahrten mit einem routinierten Vorschoter.
    Besser für einen Gennaker finde ich eine Rollvorrichtung mit Endlosleine. Das Bergen des Gennakers funktioniert über das Ende der Endlosleine mitten auf dem Trampolin sicher und schnell. Vor allem wenn es bei auffrischendem Wind darauf ankommt! Sollte die dünne Wurst des eingerollten Spituchs unter bestimmten Regattabedingungen trotzdem stören, kann man den Gennaker über das Fall recht schnell bergen.

    Ralph

    http://www.plauer-segelwoche.de

    • icherkei

      Re:Spinnacker: Schotführung und Bergung

      • 10/09/2016

      Danke für die ausführliche Antwort und die Hinweise.
      Was aber ist, wenn es keinen Hals mehr gibt (da ja auf das Halsliek aus dem Bugspriet verzichtet wird), sondern stattdessen an die beiden gegenüberliegenden Punkte jeweils ein Schotende angeknüpft wird? Dann müsste sich das Segel (unter Wind) auf Vorwindkursen durch den Winddruck füllen, da es ja durch die beien Holepunkte an Steuer- und Backbord auseinandergahlten und durch den Druck stabilisiert würde. M.E. müsste dann wie bei einem Spi mit Baum, die Abdeckung durch das Groß minimert werden..

  • Klabautermann

    Re:Spinnacker: Schotführung und Bergung

    • 12/09/2016

    Hallo,

    wenn das Unterliek des Spis optimal der Entfernung der Holepunkte entspricht, wird das solange einigermaßen funktionieren, wie Du vor dem Wind segelst und die Schotenlängen über den Holepunkten kurz bleiben. Je länger die Schoten werden, also der Spi höher gesetzt wird, desto spitzer wird das Profil des Segels werden. Der gleiche Effekt wird eintreten, wenn Du ein wenig anluvst. Der Spi wird selten zufriedenstellend stehen. Es fehlt an ausreichenden Trimmöglichkeiten. Der Druck reicht zur Stabilisierung nicht aus, weil die Verhältnisse mit Lenkmatte und Fallschirm nicht zu vergleichen sind.

    Ralph