andreashenke

Kenterung und Aufrichten beim Hurricane

  • 14.08.2020
  • 3

Hallo in die Runde und speziell an die Hurricane-Fahrer,
nach 11 Jahren Happycat habe ich es erstmals geschafft, meinen Kat auf die Seite zu legen. Bilderbuchkulisse vor der Westküste der Insel Hiddensee,max. 4 Bft, aber drehende Böen.
Die große Hobie-Boje hat sehr gut funktioniert, der Fahrradschlauch im oberen Mastsegment ebenso und so trieb ich in sicherer Lage Richtung Usedom… Aufrichten war mir (75kg) nicht möglich und bevor 2 Segelfreunde helfen konnten, war die Wasserschutzpolizei zur Stelle und hat den Kat ins Lot gebracht. Auch hier danke an die beiden Männer.

Wie sieht es bei euch aus? Wer schafft es mit etwa gleichen Voraussetzungen?
Ich fahre auch größere Distanzen und war der Meinung, es auch beim neuen HUR zu schaffen. Nun habe ich eine Sorgenfalte auf der Stirn, denn vor den Augen eines Rettungsbootes oder mit Freunden zu kentern, ist nicht der Alltag.

Das Großsegel lag nicht einmal vollständig im Wasser. Die Fock werde ich beim nächsten Mal in aller Ruhe einrollen, denn mit der Boje trägt der Mast sehr gut. Ebenso würde ich von dieser Position die Schoten lösen und die Kenterleine über den Rumpf werfen.
Bei dieser denke ich, ist die Befestigung am Mastfuß nicht optimal, weil der Kat nicht „verkantet“, sondern parallel zum Wasser hochgezogen wird und damit kann der Ansaugeffekt nicht richtig verhindert werden.
Der Benziner mit 17 kg befand sich unten, wirkt damit kaum.
Mir scheinen 2 Kenterleinen, jeweils an der Öse am Rahmen für die Wanten günstiger.
Dort könnte man auch eine Öse einbinden, wo man einen Wassersack mit Flaschenzug einhängen kann.

Es gibt nur ein Ziel: Es MUSS gelingen.

Ich bin offen für alle Infos und Erfahrungen.

Danke, Andreas

    • Cappyhat

      Re: Kenterung und Aufrichten beim Hurricane

      • 18/08/2020

      Hallo Andreas,
      ich hab nur 2 Jahre Segelerfahrung mit dem Hurricane, bin aber schon zwei Mal auf der Ostsee gekentert. Das letzte mal… heute… Das erste Mal ohne Kenterball und der Hurricane ist sofort gnadenlos durchgekentert. Windstärke 2-3, eine Böe hat mich umgeworfen. Und das bei meiner zweiten Fahrt, grrr. Eine viel zu schwache Kenterleine, was soll ich sagen, hat tschüss gesagt und ich lag wieder im Wasser. Ein Motorboot hat mich dann wieder aufgerichtet. Lehrjahre sind keine……. Jetzt hab ich eine starke Kenterleine und den Grabner Kenterball am Mast. Ich habe im Internet schon viel darüber gelesen, dass der Kenterball von Grabner den Hurricane nicht vor dem Durchkentern abhalten soll. Bei meinem Hurricane funktioniert er wunderbar. Bei fast Windstille hab ich den HC mal probeweise umgeworfen und war erstaunt wie leicht er wieder aufzurichten war. Kenterleine über den Rumpf geworfen, etwas richtung Heck auf dem Rumpf stehend (der im Wasser liegt :-)) die Leine über den Rücken und nach hinten legen. Erst langsam und dann immer schneller steht der HC wieder. Mit aufgerollter Fock und ausgeklinktem Segel geht’s noch schneller. Da ich das Bugnetz montiert habe, stecke ich die Kenterleine ein paar Zentimeter durch den Schlitz in Richtung Wasser. Bei einer Kenterung kommt man so schnell an die Leine. Einen Schlauch habe ich nicht im Mast. Der Kenterball hält alles schön über Wasser, wie ich heute bei Wind (Ca. 4) feststellen konnte. Ein wichtiger HINWEIS, NIEMALS das Boot bei einer Kenterung loslassen. Auch nicht ganz kurz. Das Trampolin eines nicht durchgekenterten HC ist ein wunderbares Segel und der HC Segelt so auch ohne Segler ganz wunderbar. Habe ich heute auch festgestellt. Keine Chance mit Schwimmbewegungen hinterher zu kommen. Ich war zum Glück in Ufernähe, hatte meine Schwimmflügel um und ein netter Motorbootfahrer hat mein HC wieder eingefangen. Jetzt wie schon bei der Übung beschrieben in die Kenterleine gelegt und der HC richtete sich auf……. und legte sich gleich auf die andere Seite. Na ja die Leute sollen ja auch was davon haben. Diesmal habe ich das Boot natürlich NICHT losgelassen. Also wieder rauf aufs Boot, Rollfock aufgerollt und Segel ausgeklinkt. In die Leine gelegt und der HC stellt sich brav auf seine Füße (Schwimmer). Applaus von den hilfsbereiten Leuten auf ihren Motorbooten die sich mittlerweile angesammelt haben. Die Heimfahrt ging dann ohne Probleme. Ich kann den Kenterball empfehlen. Einen durchgekenterten HC aufrichten ist deutlich schwerer, hab ich selber aber noch nicht ausprobiert. Bei meiner ersten Kenterung musste ein größeres Motorboot aber ganz schön Gas geben um den HC aufzurichten. Ach ja, ich habe die Kenterleine am Mastfuß befestigt und sehe dabei keine Probleme.
      So Kentern kann ich jetzt, als nächstes lerne ich Segeln 😊

    • andreashenke

      Re: Kenterung und Aufrichten beim Hurricane

      • 18/08/2020

      Ich habe im oberen Mastsegment einen dicken Fahrradschlauch (gibt es geteilt) mit französischem Ventil (schaut oben heraus) eingesetzt und das sind nochmals knapp 2 Liter Auftrieb).
      Die Kenterboje trägt und wenn der Mast untergeht, dann weil sich die Leute daran festgehalten haben.

      Ich verwende eine Kajak-Schwimmweste mit SicherheitsVerschluss und im Gurt sitzt ein 50er Ring oder Karabiner von der Kenterleine. Damit bleibe ich am Boot.
      Dennoch glaube ich, dass 2 außen fixierte Kenterleinen besser sind.

    • KP.Riemer

      Re: Kenterung und Aufrichten beim Hurricane

      • 19/08/2020

      Hallo Andreas, ich habe das mit einem Kollegen besprochen, der hat mal Physik studiert. Er hat mir was von Schwerpunkten und Abstand zum Drehpunkt erzählt. Einfach gesagt meinte er, viel Gewicht möglichst weit außen vom Drehpunkt aufbringen. Der Drehpunkt ist der Schwimmer, auf dem Du stehst. Einen Schwerpunkt bildest Du, den anderen das Boot. D.h. Du musst möglichst schwer sein (oder werden, das mit dem Wassersack ist ja schon auf FB thematisiert) und dein Gewicht so weit wie möglich nach außen, also weg vom Boot, bringen.
      Das würde aber auch bedeuten, dass es egal ist, wo die Leine festgemacht ist. Schlauch im Mast und Kenterboje helfen unter Wasser da sie durch den Auftrieb das Boot leichter machen. Dieser Effekt fällt aber weg sobald der Mast an der Wasseroberfläche ist. Wenn der Mast waagerecht liegt ist das wohl eh der kritischste Moment da durch die Länge des Mastes der Schwerpunkt des Bootes weiter weg vom Drehpunkt wandert. Bei Hobie Cats gibt oder gab es wohl mal eine Wantenverlängerung die man im Fall einer Kenterung auslößt und die dafür sorgt, dass der Rahmen mit den Rümpfen etwas mehr in Deine Richtung kippt wenn der Mast auf dem Wasser liegt. Das verschiebt den Schwerpunkt des Bootes dichter zum Drehpunkt und macht die Sache einfacher.
      Vielleicht hilft Dir das ja ein wenig weiter … Ich habe das Szenario am Wochenende auf der Kieler Förde übrigens auch das erste Mal geübt, mit einem ja deutlich leichterem Neo und ca. 90 KG Gewicht meinerseits war das Boot aus dem durchgekenterten Zustand nach höchsten zwei Minuten wieder „auf den Beinen“ …