bommern6

Kentern und Aufrichten

  • 08.08.2015
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Hallo Zusammen,
ich habe seit 10 Jahren einen Topcat K3 und überlege, mir einen HC zu kaufen. Zur Frage der Kenteranfälligkeit habe ich schon eine Frage in einem anderen Beitrag gestellt. Deshalb will ich an dieser Stelle nur mal berichten, wie ich das Aufrichten des K3 in einer Segelschule gelernt habe und welche Hilfsmittel ich habe. Was in jedem Fall mit anderen Beiträgen übereinstimmt, ist, dass es auf Gewicht und Größe des Seglers ankommt. Wenn es da mit bspw. 70 kg mangelt, muss man nachhelfen.

Ich habe einen sogt. „Kentersack“. Das ist ein ca. 30 L fassender Nylonsack, der oben mit zwei Trageschlaufen offen ist wie ein Eimer. Dieser ist an der Kenterleine befestigt, die bei Topcat auch am Mastfuß befestigt wird. Nach einer Kenterung steigt man also auf den unteren Rumpf, schmeißt die Kenterleine samt Sack über den oberen und taucht den Sack ins Wasser. Ich habe dann in die Kenterleine, die bei mir nur 6 oder 8mm hat, einen Block eingebaut. Ich ziehe dann den Sack am Rücken auf Höhe der Schultern hoch und lehne mich dann nach draußen. Sobald das Segel hochkommt, muss ich eben schnell ziehen. Also ganz normal. Mit dem Sack wird aus einem 70kg Männchen ein 100 kg Brocken. Wenn man dann wieder auf dem Trampolin ist, muss man natürlich den Sack aus dem Wasser ziehen, sonst hat man einen Treibanker. Ich muss jetzt allerdings fairerweise sagen, dass ich erst 2x auf dem Veluwemeer gekentert bin, was stehtief ist und da habe ich den Sack nicht gebraucht. Ich habe das Aufrichten allerdings zigmal im stehtiefen Wasser geübt und es hat funktioniert. Mag sein, das im tiefen Wasser mit viel Wind und entsprechender Hektik oder auch Angst das Ganze nicht so einfach geht.

Eine weitere Sache habe ich anders gelernt und zwar das“ in den Wind drehen“ (sonst funktioniert das Aufrichten nicht). Wir mussten uns vorne im Bereich der Bugspitzen hinstellen, nach außen lehnen (wie beim Aufrichten). Die Topcats gingen dann relativ schnell in eine Drehbewegung über und zwar in den Wind. Man selbst ist dann auf dem unteren Rumpf in Richtung Mitte geschlingert und hat sich an der Kenterleine weiter nach oben gezogen. Teilweise hat sich der Topcat dann aus der Drehbewegung aufgerichtet, meistens ist man jedoch während des Schlingerns ins Wasser gefallen. Aber beim nächsten Versuch lag der Cat dann im Wind und man konnte ganz normal mittig den zweiten Versuch starten. Hat das einer beim HC auch schon mal versucht? Wahrscheinlich muss man vorher das Mittelschwert lösen und anheben.

Eine weitere Sache ist ebenfalls gleich, nämlich dass beim gekenterten Cat das Trampolin als Segel funkioniert und das Ding schnell wegtreibt. Das dürfte beim HCE noch gravierender als bei K3 sein, da bei fast gleicher Tarmpolingröße der HCE wesentlich leichter ist. Wer dann noch ein Bugtrampolin hat, muss wirklich immer ein Schot in der Hand haben. Sonst dürfte das Ding weg sein. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die HC angeblich schnell durchkentern. Bei dieser „Trampolinsegelfläche“ drückt der Wind den Cat ja nicht nur nach hinten, sondern über das teilweise mit Wasser bedeckte Segel auch nach unten. Oder liege ich da falsch?

Gruß bommern6

  • Klabautermann

    Re:Kentern und Aufrichten

    • 08/08/2015

    Hallo,

    beim Grabner Segler Treffen gab es Kentervorführungen mit dem neuen HC Evo – zuerst mit und danach ohne Grabner Kenterkissen. Die Vorführungen fanden bei Flaute und ohne Wellengang statt. Es zeigte sich deutlich, dass es ohne Kenterkissen viel schwieriger ist, den Kat wiederaufzurichten. Die standen dann zu zweit mit Kenterleinen auf dem Rumpf im Wasser. Der neue Evo-Mast ist leider recht schwer geworden. Ohne Aufrichthilfe kenterte der Evo in der Tat schnell durch. Wegen der Flaute auch ohne jeden Winddruck!
    Das Kissen soll übrigens auch mal später auslösen, wenn der Kat schon durchgekentert ist.

    Trampoline mit Netz- und Gitterstrukturen verringern Windwiderstand und Abdrift des gekenterten Kats. Andererseits wird die Besatzung mit solchen Trampolinen während der Fahrt schneller naß. Diese Dinge muß ein Hersteller neben den Kosten gegeneinander abwägen.

    Schnelles Durchkentern kann für einen über Bord gegangenen Einhandsegler ein Sicherheitsaspekt sein, zumindest wenn das Gewässer tief ist und das Aufrichten auch aus dieser schwierigen Position heraus zuverlässig funktioniert.

    Ich habe schon mal über eine kombinierte Kenterball und Lifebelt Lösung nachgedacht. Aber egal wo man die Leine festmacht, nach der Kenterung wird der Zugpunkt in der Praxis immer ungünstig hinter einem Want liegen.

    Ralph