ANTARKTIS JANUAR 2006

Boot: GRABNER XR TREKKING

Fotos: Martin Flückinger CH 8634 Hombrechtikon  Lützelstr.21

Text: Konrad Kiesewetter D 86150 Augsburg Fuggerstr. 7

Mutterschiff:
Stahlsloop - SANTA MARIA -18 t, 14,8m

Skipper und Eigner: Wolf Kloss, seit 14 Jahren zwischen Kap Horn und der Antarktis unterwegs. (mit mehr als 200 000sm Erfahrung) Deutsch-Chilene

Crew: 7 Personen ( 1x Neuseeland, 3x Schweiz, 2x Deutschland, 1x Deutsch-Chilene)

 

 

2 Jan. 2006 Abflug in München.

Als Alleinreisender mit 84 kg Gepäck nach einer. 22 Stundenreise über Paris - Buenos Aires int. - Buenos Aires loc. nach Ushuaia, ohne Verlust irgendeines Gepäckstücks! Ushuaia, die südlichste Stadt der Erde liegt etwa  54.5° südl. Breite, hat ca.50 000 Einwohner und gehört zu Argentinien.

Nach einer Woche Patagonien und Feuerland, wo ich das XR-TREKKING so richtig bei Wind und Wellen testen konnte, ging´s dann zur SANTA MARIA, auf der schon ein Teil der Crew auf mich wartete. Nun musste der Proviant für 7 Personen, Bedarf für 5 Wochen eingekauft werden. - In der Antarktis gibt es keinerlei Möglichkeiten irgendwo irgendwas zu kaufen! - So füllten sich unsere Laderäume schnell mit allerlei Lebensmittel.

Das bedeutet: 245x Frühstück, 245x Mittagessen bzw. Imbiss und 245x Abendessen.

Nicht zu vergessen Trinkwasser, Wein und das Bier.

Und trotzdem fand sich für das 21-kg Päckchen des XR-TREKKING noch genügend Platz.

So voll geladen stachen wir in See, oder genauer in den Beagle-Kanal Richtung Südost. Nach ca. 100sm (ca.185 km) passierten wir das Kap Horn und hatten dann die Drakestrasse, d.h. 550 sm (ca.1000 km) offenes Wasser mir extremen Wetterverhältnissen vor uns.

 

Nach 3 ½ Tagen erreichten wir Deception Island, eine noch tätige Vulkaninsel, die zu den Südshetlandinseln gehört. Hier war Putz- und Flicktag, die Schlauchboote wurden aufgeblasen und gleich ging´s zu den dampfenden Uferzonen. Nach 2 ruhigen Nächten segelten wir weiter in den kalten Süden zu den Walen, Robben und Pinguinen.

Durch die Bransfieldstraße in die Gerlachstraße und weiter in die Enterpricebucht.

Hier konnten wir an einem alten, auf Grund gelaufenen, Walfängerschiff (MS Enterprice) die SANTA MARIA sturmsicher festmachen.

Jetzt begann der aufregende Teil der Reise. In der Bucht schwammen etwa 8 bis 10 Buckelwale und waren mit ihrer Nahrungsaufnahme beschäftigt.

Die Annäherung mit dem Paddelboot empfanden die ca. 15 bis 20 m großen Meeressäuger als unbedrohlich und sie tauchten oft nur wenige Meter von uns entfernt auf oder ab. Das Schlauchboot mit Außenborder wurde respektvoll gemieden.

Die meisten Menschen, die diese Fotos gesehen haben, fragten, ob das nicht sehr gefährlich sei - ich kann darauf nur antworten: Die Wale schwammen teilweise direkt auf uns zu, oder atmeten direkt unter meinem 4m langen XR-TREKKING so gewaltig aus, dass das Boot regelrecht absackte, aber sie brachten mich kein einziges Mal zum Kentern. Im Gegensatz zu mir wusste die Wale anscheinend immer wo ich mich befand - manchmal hatten wir den Eindruck, sie spielten mit meiner Nussschale - aber ganz vorsichtig.

 

Bei einer Wassertemperatur so um die 0° Celsius trugen wir zur Sicherheit Trockenanzüge und bei diesem Boot ist es relativ einfach vom Wasser aus über das Heck oder den Bug wieder zurück ins trockene Boot zu klettern, was man vorher vielleicht mal üben sollte!

Aber nicht nur Wale, auch Robben auf großen Eisschollen ließen sich von mir nicht aus der Ruhe bringen. Zusammen mit 5 erwachsenen Robben ließ ich mich auf einer ca. 40m großen Scholle einige Stunden im Lemaire-Kanal treiben. Funkgerät und GPS gehören bei einem solchen Unternehmen selbstverständlich mit ins Boot.

Für all diese Aktionen, bei denen oft auch der Wind übel mitspielte wäre ein Boot mit größeren Schläuchen wesentlich ungünstiger gewesen und trotzdem hatten wir auch unseren Spaß, als wir z.B. aus ca.6m Höhe von einem Eisberg wie beim Schlittenfahren, wieder und wieder ins Wasser schossen. Wir Erwachsenen waren wie die Kinder und das Boot hat alles ganz brav mitgemacht.

 

Zum Abschluss noch einige Reiseinformationen:

Buchung über Segelreisen Hering-info(a)segelreisen-hering.de

Wolf Kloss war von dem XR-TREKKING derart begeistert, dass er es mir abkaufte und zukünftig den Gästen zur Verfügung stellen kann. Er hat im Herbst 2005 ein zweites Schiff gekauft und will auch dieses mit solchen Booten ausrüsten.

 

Wichtig-wichtig-wichtig - wenn ein Leser dies oben geschilderte nachvollziehen will -..bitte  an Trockenanzug denken!!!!  Dann viel Spaß!

der autor: konrad kiesewetter