Bootsfahrt auf der unteren Steyr

(vom Kraftwerk Klaus bis zur Haunoldmühle bei Obergrünburg)

Im Rahmen eines Schulsportprojekts befuhren im Frühsommer 2003 fünf Schüler und ein Lehrer der Höheren technischen Bundeslehranstalt Linz, Paul-Hahn-Straße (LITEC - Linzer Technikum) mit Wildwasserkajaks die "untere Steyr". Durch aufbauende Kurse vorbereitet und mit dem entsprechenden Sicherheitsequipment der "WasserSportSchmiede Grabner" ausgestattet, wurden unterhalb der Staumauer des Kraftwerkes Klaus die Boote zu Wasser gelassen. 55m misst die gewaltige Betonbarriere in der Höhe. Hoch genug, mit einem elastischen Seil an den Fußgelenken, den Sprung in die Tiefe zu wagen. Für Wildwasserneulinge ist jedoch die Befahrung dieses Steyrabschnittes Herausforderung genug und vor allem naturverbundener.

Bei einem Pegelstand von 150 cm (der Pegel Klaus kann über die Internetseite www.kajak.at abgerufen werden) präsentiert sich der Fluss bereits mit einem ansprechenden Wasserstand. Auf der Fahrt bis zur Brücke Frauenstein sind einige Schwälle zu durchfahren. Besonders hervorzuheben ist das "S" kurz vor der Autobahnbrücke.  Wildwasserneulinge kommen hier erstmals so richtig mit dem Flusswasser in Berührung und bereits der kleinste technische Fehler wird augenblicklich aufgezeigt.

Im Mündungsbereich der Krummen Steyrling trifft man wieder auf mehr Menschen. Eine breite Kiesbank lädt zum Verweilen, zur verdienten Jause oder zum kurzen Sonnenbad ein. An warmen Sommerwochenenden ist hier große Betriebsamkeit und die unterschiedlichsten Wassersportgeräte liegen am Ufer.  Leider trifft man immer wieder Leute, die wesentliche Grundsätze der Sicherheit unbeachtet lassen. Egal mit welchem Gefährt man unterwegs ist, Helm und Schwimmweste sollte jeder tragen - besonders die mitfahrenden Kinder!

Da die Fahrt bereits sehr lange dauert, kann die Pause nicht allzu lange ausgedehnt werden. Noch begleitet der Wanderweg am rechten Ufer den Fluss, doch bei Erreichen der hohen Konglomeratwände verlieren sich auch die begleitenden Wanderer. Ihnen begegnet man erst wieder beim Natur-denkmal der "Rinnenden Mauer". Grundwasser sprudelt auch in trockenen Sommermonaten fingerdick aus den verdichteten Schotterablagerungen der Eiszeit. Einzigartig auch die Flora, die sich dadurch entwickelt. Da sich an dieser Stelle der Fluss in drei Arme aufteilt, kann durch Einfahrt ganz rechts dieses Schauspiel vom Boot aus betrachtet werden, ohne dass dabei die Moose und Farne zertrampelt werden. Bei der Vereinigung der Flussarme wird das Wasser ordentlich verpresst und die Durchfahrt bedarf größerer Aufmerksamkeit.

Obwohl noch mehrere Schwälle und einige Engstellen sich auftun, wird das Bachbett wieder etwas breiter. Ausreichend Platz für die Graureiher, die bei jeder möglichen Gefahr auffliegen und über dem Schluchtrand in der Thermik kreisend die Störenfriede beobachten.  Nach einem ruhigen Flussabschnitt kommt in einer leichten Linkskurve die letzte schwierige Stelle. Durch einen großen Felsblock links und einer mächtigen Schotterbank rechts wird das Wasser stark eingeengt und schießt mit großer Wucht und viel Weißwasser durch einen natürlichen Kanal. Am Gasthaus Priller (die ehemalige Bootsfahrerherberge an der niedrigsten Straßenstelle ist als urige Gaststätte wieder in Betrieb) vorbei geht es Richtung Haunoldmühle. Vor der Brücke muss rechts angelandet werden. Um der Querung der Straße auszuweichen werden die Boote unter der Brücke durch über einen Karrenweg zum Parkplatz getragen. Nach 4 Stunden reiner Fahrzeit harte Knochenarbeit. Trotzdem ein unvergessliches Erlebnis.

Mag. Friedrich Kunze (Leibeserzieher am LITEC)

Ab der Frauensteiner Brücke merkt man bereits den Rückstau des Kraftwerkes Steyrdurchbruch. Während der mühsamen Paddlerei bleibt genügend Zeit, sich zu unterhalten oder ganz einfach die Natur zu genießen. Das Kraftwerk Steyrdurchbruch ist ein architektonisches Juwel und fügt sich als Bauwerk mit technischem Nutzungsgrad ganz besonders einfühlsam in die Naturlandschaft ein. Eine Besonderheit ist in dieser Flusssperre integriert, die bei Flusskraftwerken der Gegenwart undenkbar wäre. Da auf der Steyr noch zur Zeit des Kraftwerkbaues (1907/08) Holz am Wasserweg zur Enns transportiert wurde, musste damit der Bau überhaupt begonnen werden durfte, eine fast 14 Meter hohe Triftrutsche eingebaut werden. Bei Wasserüberlauf ist diese Sprungschanze mit Kajaks befahrbar!

 

Wer jedoch weniger spektakulär die Fahrt in der Dolomitschlucht des Steyrdurchbruchs fortsetzen will, der muss rechts anlanden und die Ausrü-stung durch das Kraftwerksgelände bis zum linken Ufer tragen. Durch einen betonierten Überlaufkanal mit Öffnung zum Unterwasser gelangt man in die meist schattige Schlucht. Größere Boote werden mit einem Seil über die Betonmauer abgeseilt. Eng rücken die senk-rechten Felswände zusammen und nur zu bestimmten Stunden verirren sich Sonnenstrahlen bis zur Wasserlinie. Mitten in der Schlucht lauert eine Walze, die jedoch auf der linken Strömungszunge unschwer abzureiten ist. Obwohl die Steyr sich anschließend wieder beruhigt, sollte auf die Befahrung dieser Schlucht nicht verzichtet werden. Beim Kraftwerk Agonitz (das Krafthaus wird derzeit umgebaut) muss unbedingt am linken Ufer angelandet werden. Auf kurzer Strecke wird dieses letzte Hindernis umtragen und nach dem Kraftwerksareal wieder zugestiegen.

Haben sich bis jetzt die Wildwasserschwierigkeiten noch in Grenzen gehalten, so nehmen diese etwas zu. Die schwierigeren Stellen erreichen WW II - III, sind jedoch sehr kurz und werden von ruhigen Tümpeln abgelöst. Eine solche IIIer Stelle stellt das "Agonitzer Knie" gleich nach dem Kraftwerk dar. Das Flusswasser fließt über eine Felsstufe ab und durchfließt mit schneller Strömung nahezu einen rechten Winkel. Kehrwasser sind besonders am rechten Ufer ausgebildet. Die Ausfahrt aus diesen sollte jedoch sehr aktiv erfolgen, will man sich nicht längere Zeit im Kreis bewegen.

Vor der Mollner Brücke (sie ist bereits von weitem zu sehen) bauen sich in einer Schwallzone nochmals hohe Brecher auf. Richtig eingefahren bedeuten sie jedoch kein Problem. Beachte: Tempo aufnehmen - die Wellen senkrecht ansteuern - Augen zu und durch! Ab dem Mollner Schwall wird die Steyr zunehmend schluchtiger und die emsigen Wasseramseln, erkennbar am weißen Fleck auf der Brust, flüchten im extremen Tiefflug vor den herannahenden Eindringlingen.

EINIGE DATEN ZUR "UNTEREN STEYR":

Abschnitt "Klaus - Brücke Frauenstein":

Zahmwasser bis Wildwasser I, 5 km, 1 Stunde Fahrzeit

Abschnitt "Brücke Frauenstein - Kraftwerk Agonitz":

Zahmwasser bis Wildwasser I (eine Stelle II), 5 km, 1 Stunde Fahrzeit

Abschnitt "Kraftwerk Agonitz - Haunoldmühle":

Wildwasser I - III, 10 km, 2 Stunden

Zustiegsmöglichkeiten:

KW Klaus, Brücke Frauenstein, KW Steyrdurchbruch, KW Agonitz, Mollner Brücke.

Gesamt:

Schwierigkeit/Streckenlänge/Fahrzeit/Besonderheiten:

Zahmwasser, Wildwasser I - III, 20 km, 4 Stunden Fahrzeit, 2 Kraftwerke (unfahrbar, daher umtragen), 2 Rückstaubereiche.

Überstellmöglichkeiten:

Pkw, Autobus, Rad, Autostopp

Alternativen zur Fahrt am Fluss:

Radweg: die Trasse der ehemaligen Steyrtalbahn wurde zum asphaltierten Radweg umgebaut, Beleitung im gesamten Flussabschnitt möglich (von der Haunoldmühle bis Klaus am orographisch linken Ufer).

Wanderwege: sie begleiten teilweise ebenfalls den Fluss (zB von der Mollner Brücke bis zur Rinnenden Mauer - Rundweg durch die Gradauer Schlucht der Krummen Steyrling entlang zurück nach Molln)

Orientierung:

Kartenwerke: ÖK 1:50 000, Bundesamt f. Eich- und Vermessungswesen (Hrsg.), Kartenblatt Nr. 68 (Kirch-dorf an der Krems)

Befahrbarkeit: ganzjährig

Pegel Klaus: (Standort: am orographisch linken Ufer ca. 100 m unterhalb der Brücke beim KW Klaus)

... bis 150 cm - gemütliche Flusswanderung

150 cm bis 200 cm - bereits mit einigen sportlichen Höhepunkten

ab 200 cm - wuchtig, viele Spielstellen saufen bereits ab

Bootstypen:

Dieser Streckenabschnitt der Steyr wird mit allen möglichen Wassersportfahrzeugen befahren! Besonders geeignet jedoch für: Kajaks, Outsides, etc.

Die "untere Steyr" ist ein Fluss, die erworbene Ausrüstung kennen zu lernen und zu testen!