Paddeltour auf dem Schwarzen Regen - Deutschland

 

Text und Fotos: Reinhold Müller
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Reiseziel: Schwarzer Regen
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Boote: GRABNER Outside

Sich regen bringt Segen.....

Welcher Regen den nun? Der Kleine, der Große, der Schwarze oder der Weiße? Oder der von oben? Wir haben uns bei schönem Wetter das wildeste Stück des Schwarzen Regens vorgenommen: Klein-Kanada in der Oberpfalz.

Kaum vom Wasser überspült liegen unzählige Steine auf dem Grund. Das Boot sitzt fest, wir steigen aus und schieben. Nach einer Stunde Fahren, Schieben und Ziehen liegt eine Felsinsel vor uns, wir gönnen uns eine Pause.

Tags zuvor erreichten wir mit VW-Multivan, zwei Mountainbikes und unserem Boot "Outside" das Städtchen Regen im Bayerischen Wald. Die 33 Kilometer auf dem urigen Wasserweg eines großen Waldgebietes (durch "Klein-Kanada") scheinen uns würdig für die Jungfernfahrt unseres neuen Schlauchkanadiers. Am Westrand des Städtchens übernachteten wir hinter den Sportanlagen am Ufer des Schwarzen Regens. Auf dem Marktplatz ketten wir die Stahlrösser an einen Laternenpfahl, sie sollen hier unter "Sozialkontrolle" möglichst auffällig parken.

Dichtes Waldgebiet drängt bis an die Ufer, hinter jeder Biegung hoffen wir auf tieferes Wasser, doch der Fluss bleibt breit und flachgründig. Ständig spähen wir nach gut befahrbaren Passagen und meiden Wirbel auf der Wasseroberfläche. Meist lauern unter ihnen tückische Felsblöcke, die das Schlauchboot unweigerlich aufsitzen lassen. Slalomartig kreuzen wir das Flussbett, doch immer wieder hören wir das hässliche Scheuern der Steine am Gummiboden des Kanus.

Bis ans Wasser ziehen sich die Waldhänge zu beiden Seiten mit dichtem Unterholz. Die Ufer werden gesäumt von knorrigen Bäumen, deren Äste mit Moosen und Flechten überzogen sind.

Durchs Bärenloch

Wir erreichen eine Strecke des Flusslaufes, die so flach ist, dass wir das Boot über mehrere hundert Meter meist tragen müssen. Nun nimmt uns der Fluss mit durch ein enges Tal. Einsam ist es hier. Urwaldartig hängen Äste und Baumstämme ins Wasser. Es folgt eine schmale Waldschlucht - das Bärenloch. Das Gefälle nimmt zu, die Strömung wird schneller. Die Stromzunge verläuft genau in der Mitte des Flusses. 50 Meter vor uns erhebt sich zwischen drei felsigen Buckeln die erste Welle. Wir erwarten eine schöne Serie wilder Stromschnellen. Sekunden zu spät bemerken wir, dass sich unter der ersten Welle ein gewaltiger Felsblock verbirgt.

Unsere rasante Talfahrt endet abrupt, donnernd setzt das vollgeladene Boot mit dem Bug auf einen nur knapp überspülten Fels auf. Wasserwucht erfasst das Heck und verkeilt die Gummiwurst zwischen den Felsbrocken. Da hilft nur noch aussteigen und schieben.

Die Felsen täuschen darüber hinweg, dass der Fluss auch tiefere Stellen hat. Hüfttief stehe ich in den Fluten und stürze über etwas Glitschiges auf dem Bachgrund der Länge nach ins eiskalte Wasser. Ohne meine 75 Kilo bekommt das Kanu genug Auftrieb, um über die Felsbarriere zu rutschen. Es wird von einer Stromschnelle erfasst und weitergetragen. Tief taucht es in die Wellenberge ein, Wasser schwappt hinein. Spritzwasser überschüttet das Vorschiff. Helmut hat alle Hände voll zu tun, durch das Weißwasser des Bärenlochs zu steuern.

Mein Kampf gegen das nasse Element bringt einige schmerzhafte Kontakte mit dem unnachgiebigen Gestein. Durch dichtes Gebüsch erreiche ich einige hundert Meter flussabwärts wieder das Boot. Unterhalb des Bärenlochs artet das Wasserwandern wieder zum Wandern im Wasser aus.

Nach einer Stunde ist der Kanal zur Papierfabrik Teisnach erreicht. Seit einem tödlichen Unfall muss der Kanal umtragen werden, das heißt 600 m Schlepparbeit.

Als das Outside wieder im Wasser treibt, naht bereits der Abend. Der Fluss windet sich am Ostrand von Teisnach entlang, am Ortsende versperrt ein weiteres Wehr die Weiterfahrt.

Wir stehen auf der Mauer der trocken liegenden Stauanlage, das Wasser wird durch einen nicht befahrbaren Kanal abgeleitet. 400 m müssen wir durch das verblockte Flussbett und auf der Begrenzungsmauer umtragen. Schon hat sich die Sonne hinter dem bewaldeten Hang verabschiedet. Als die Dämmerung hereinbricht, erspähen wir am linken Ufer eine baumfreie Fläche, groß genug für Zelt und Boot. Zwischen den Bäumen errichten wir unser Biwak. Während wir das Zelt aufbauen, sprudelt bereits das Teewasser auf dem Gaskocher. Bei Einbruch der Nacht rollen wir uns in die Schlafsäcke.

Als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt kriechen, ist der Himmel leicht bewölkt und blau. Nach kurzer "Katzenwäsche" am Ufer geht's schnell voran ohne lästige Treidel-Passagen.

Am Gumpenrieder SchwallAuf einer wunderschönen Insel legen wir eine Rast ein. Bei der Weiterfahrt nehmen uns urwaldähnlich zugewachsene Ufer die Sicht. Bäume und Büsche ragen weit übers Wasser, ja sogar bis ans andere Ufer. Unter dichtem Blattwerk bahnen wir uns eine schmale Gasse durch dichte Algenfelder, die sich hinterm Boot rasch wieder zu einer geschlossenen Flächen zusammenschieben. Lautlos tauchen wir die Blätter des Stechpaddels neben dem Kanu ein, ziehen sie gleichmäßig entlang der Bordwand zurück und genießen Sekunden eines geräuschlosen Vorwärtsgleitens.

Auf stehendem Wasser geht es langsam voran, dank des Rückstaus der Gumpenrieder Staustufe wird jeder unliebsame Bodenkontakt vermieden. Vor dem Gumpenrieder E-Werk booten wir links aus und schleppen Kanadier samt Ausrüstung um die Stauanlage. Hinter der Brücke liegt am rechten Ufer die Einsetzstelle. Es folgt ein Balance-Akt. Mit dem Boot geht's auf einer schmalen Treppe die steil abfallende Böschung hinunter.Was nun folgt, ist ein Traum von einer Wasserwanderung. Das klare Wasser glättet sich, man sieht bis zum Grund. Auf spiegelglatter Fläche schießen wir dahin. Wir hören nur den Paddelschlag und das abtropfende Wasser das auf die Oberfläche klatscht. Weit ausladend senken sich die satt beblätterten Äste zur Mitte des Flusses, wir hören ein Rauschen.

Der Fluss wendet sich nach Westen und verengt sich. Was vor uns liegt, sieht vielversprechend aus: Mit schäumenden Wellen windet sich der Fluss zwischen den steil aufragenden Felsen des Gumpenrieder Schwalls. Schwallwasser und Stromschnellen sorgen für einen schnellen Puls. Wir werden hineingezogen in das flach werdende Flussbett mit herausragenden Felsen und sich schnell durchdrängendem Wasser. Kontrollierte Lenkmanöver, dann klatschen wieder Brecher ins Boot, während die Strömung uns weitertreibt und schließlich gnädig ausspuckt.Der Fluss wird tief und ruhig, wir tauchen ein in eine andere Welt. Das Tal öffnet sich, saftige Wiesen überziehen die Ufer. "Klein-Kanada" liegt hinter uns. Die Sonne strahlt, wir lassen das Boot treiben und genießen den Duft frischer Blumen, der Wiesen und des Waldes. Nur hin und wieder stechen die Paddelblätter ins Wasser, um den Kurs zu halten.Der Fluss knickt nach Süden, die ersten Zelte des Campingplatzes bei der Schnitzmühle tauchen auf. Hier wartet unser VW-Bus auf uns. Auch die Bikes lehnen noch am Laternenpfahl auf dem Marktplatz von Regen.....

INFO Schwarzer Regen (Deutschland)

Der Große und der Kleine Regen vereinigen sich in Zwiesel zum Schwarzen Regen. Er behält seinen Namen bis Blaibach, wo er den vom Arber kommenden Weißen Regen aufnimmt. Ab hier heißt der Fluss dann nur noch Regen. Der Schwarze Regen ist mit fast 200 km der längste Fluss der Oberpfalz. Das saubere Wasser fließt durch abwechslungsreiche Landschaft. Unterhalb des Ortes Regen ist das Tal auf fast 30 km unbesiedelt. Von Regen bis Viechtach herrscht eine flotte Strömung. Im "Bärenloch" und im Gumpenrieder Schwall Wildwasserschwierigkeit, hier muss man das Boot sicher führen können. Bei genügend Wasser unterm Kiel (Mai/Juni) verspricht der Schwarze Regen höchsten Genuss.