Die Schluchten des Tarn

Text und Fotos: Reinhold Müller
Reiseziel: Schluchten des Tarn
Boote: GRABNER Outside

Die glutrote Abendsonne steht bereits eine Handbreit über dem felsigen Bergrücken im Westen und mahnt, nach einem Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Oberhalb von Florac finden wir am Ostabfall des Causse Méjean einen geeigneten Flecken. Wir sind in Frankreich unterwegs, in den Cevennen, einem südlichen Ausläufer des Massif Central.

Landschaftliche Gegensätze auf engem Raum formen sowohl die Cevennen als auch das Gebiet der Grands Causses. Während die Cevennen, ein zerklüftetes, bewaldetes Mittelgebirge, Reliefs und Profile zeigen, die für eine so kleine Kette von Erhebungen ganz ungewöhnlich sind, bilden die Causses einen krassen Gegensatz; Kalkhochflächen mit einer mittleren Höhe von etwa 1000 Metern, durch die Flüsse, in Jahrmillionen, grandiose Schluchten gegraben haben.

Gespenstisch, der Ausblick am nächsten Morgen. Wie ein Wattebausch umhüllt unter uns dichter Nebel das Tal und das Städtchen Florac. Über uns spannt sich ein tiefblauer Himmel von Horizont zu Horizont. Mit einem sonoren Brummen zockeln Landcruiser und Tundra durch eine weitgehend verlassene, grau-braune steinige Hochebene. Feuchter Dunst liegt über der Landschaft; die baumlose, raue Ebene bietet dem Auge wenig Halt.

Folgt man dem Sträßchen, das vom Causse Méjean hinunter nach La Malène in die Gorges du Tarn führt, so wird die Fahrt mit einem Trailer im Schlepp zum Balanceakt, denn talseitig bricht der Hang nahezu senkrecht ab. Das Sträßchen ist schmal und wer in den Kehren nicht auf der Ideallinie fährt, schafft es nicht, in einem Zug herumzukommen und muss zur Strafe zurücksetzen. Dann wird's noch enger. Die Breite der Straße lässt nur wenig Spielraum, zumal Sicherungen fehlen oder allenfalls moralischer Natur sind. Doch die Natureindrücke sind gewaltig: Um uns herum bizarre Felsengebilde und eine mehrere hundert Meter tiefe Schlucht, auf deren Grund das Silberband des Tarn in der Sonne blitzt. Nicht weniger eindrucksvoll ist der Blick vom Talgrund aus; Türme und Zacken erinnern an die wildesten Regionen der Dolomiten. Erstaunlich, wie die Bäume sich mit ihren Wurzeln in den Fels verkrallt haben, und in der oft wenige Zentimeter dicken Humusschicht ihre Nahrung finden.

Harmonische Rundbögen prägen die Brücke, über die wir mit unserem Gespann La Malène erreichen. Die Gemeinde war schon immer ein Durchgangsort und liegt am Schnittpunkt der über den Causse Méjean und den Causse de Sauveterre führenden Straßen. Einst überquerten hier riesige Schafherden, die auf die Almen getrieben wurden, den Tarn. Zur Zeit der Französischen Revolution zogen Schergen mit Feuer und Schwert durch die gesamte Gegend der Tarn-Schlucht und setzten auch La Malène in Brand. Heute setzt man in dieser armen, von Landflucht betroffenen Region, auf den Tourismus. In La Malène wurde das uralte Schloss der Montesquieu inzwischen zum Hotel ausgebaut. Außerdem bietet das Gebiet, neben seiner pittoresken Schönheit, für Outdoor-Aktivitäten, im Boot, auf Schusters Rappen und auf dem Drahtesel ideale Bedingungen.

Die Suche nach einem abgeschiedenen Plätzchen zum Übernachten sparen wir uns, der Canyon lässt nur Raum für Fluss und Straße; zudem ist frei Biwakieren in Frankreich ohnehin offiziell verboten. Wir mieten uns in La Malène auf dem schön am Ufer des Tarn gelegenen Camping municipal le pradet ein. Anfang September haben sich die Touristen ausgedünnt, ein hübscher Stellplatz bietet sich als Basislager geradezu an. Die Gorges du Tarn ziehen sich auf einer Länge von ca. 35 km von dem Marktflecken Ste-Enimie bis nach Le Rozier am Ausgang der Schlucht. Das Herz des Tarn mit den grandiosesten landschaftlichen Eindrücken liegt genau in der Mitte, zwischen La Malène und Les Vignes. Am intensivsten kann man es zweifellos aus der Bootsperspektive erleben.

Anderntags sind wir früh auf den Beinen, eine Bootstour von La Malène bis zum Pas du Souci ist geplant. Nachdem Helmut den Toyota zum Ausstiegsort umgesetzt hat, schubsen wir gegen zehn die Boote ins Wasser. Gemächlich lassen wir die Boote durchs Wasser gleiten, genießen die steil aufragenden, zerklüfteten Felsenformationen, über die sich ein wolkenloser Himmel spannt. Wassertechnisch ist die heutige Tagesetappe die leichteste des mittleren Tarn, dafür landschaftlich die aufregendste. Wir sind noch nicht lange unterwegs, da erspäht Hannah einen kleinen Sandstrand und braucht unbedingt eine Pause. Knirschend schieben sich die Boote in den Uferkies vor der "Grotte de la Momie". Die überhängenden, gewaltigen Felsen sind faltig und runzelig, die Sandbank darunter gehört zu den auserlesenen Rastplätzen am Tarn und bietet den Kid's Wasser, Sand und Steine - Requisiten die oft der Schlüssel für eine gelungene Bootstour mit Kindern sind. Eine Steigerung ist nur noch möglich, wenn es Frösche, Molche und ähnliches Getier zu beobachten gibt.

Lautlos tauchen wir die Blätter der Stechpaddel neben unserem Outside ein, ziehen sie gleichmäßig dicht an der Bordwand entlang zurück und genießen Sekunden eines geräuschlosen Vorwärtsgleitens. Die Felsenge Les Détroits, die schmalste Stelle der Gorges du Tarn, wird passiert. Am Fuße lotrechter Felswände lassen wir die Eindrücke auf uns wirken. Im Sonnenlicht blinken die glatten Felsen weiß, umwuchert von der sattgrünen Ufervegetation. Dann wieder sind die Wände in herrlichen Farben gezeichnet. Lange schwärzliche Streifen lassen die Ockerfarben herausleuchten, die im Licht richtig aufzuflammen scheinen. Unterhalb der wunderschönen Felsenszenerie des Cirque des Baumes ist die Fahrt beendet; etwa 500 Meter vor dem nicht fahrbaren Felssturz Pas de Souci. Hier heißt es aufgepasst, der Ausstieg darf auf keinen Fall übersehen werden. Am besten merkt man sich bereits beim Umsetzen des Autos einen markanten Punkt der an das Ende der Tour erinnert. Durch zwei Bergstürze ist der Pas de Souci entstanden, der letzte wurde vermutlich vom Erdbeben im Jahre 580 ausgelöst. Das reißende Wasser des Tarn verschwindet unter einem Meer von riesigen Felsblöcken. Innerhalb weniger Minuten schieben sich dichte Wolkenbänke über die Schlucht, Petrus schickt die ersten Regentropfen - die Kids flüchten in den Camper. Rasch wird der Schlauchkanadier Outside handlich verpackt, im Landcruiser verstaut, die Kajaks auf dem Dach befestigt. Undurchdringliches Grau verdeckt den Himmel, es regnet die halbe Nacht. Doch am Morgen strahlt die Sonne und lässt das Stimmungsbarometer steigen.

Während es mich hinauf zum Causse Méjean zieht, nimmt der Rest der Mannschaft eine Bootstour unterhalb des Pas de Souci, von Les Vignes bis nach Le Rozier ins Visier, den bootstechnisch anspruchsvollsten Teil der Gorges du Tarn (WW II). Ich kenne diese Strecke des Flusses bereits von einer früheren Reise und starte statt dessen zur Kalkhochfläche des Causse Méjean mit seinen Spuren prähistorischer Jäger und Bauern. Auf dem ganzen Gebiet der Grands Causses sind vor allem Menhire und Dolmen aus der Kupferzeit zahlreich. Doch wer von der Tarn-Schlucht mit dem Mountainbike auf das Hochplateau gelangen will, muss zunächst 400 Höhenmeter auf einem kehrenreichen Sträßchen den Steilhang hochstrampeln. An der Abrisskante der Schlucht lege ich bei einem Kiefernwäldchen eine Rast ein und studiere die 25.000er Wanderkarte. Etwa neun Kilometer weiter, nahe dem Dorf Mas St-Chély, ist ein Dolmen auf der Karte markiert - mein nächstes Ziel. Schnurgerade zieht sich die D 986 nach Norden in Richtung St-Enimie, ehe ich unmittelbar auf der Passhöhe Col de Coperlac (907 m) rechts abbiege, ein schmales Teersträßchen führt weiter. Ein Linksabzweig auf Naturbelag führt ins Abseits, beide Seiten sind mit niedrigen Kiefern bestanden. Zweifel kommen auf, bin ich auf dem richtigen Weg? Dann, ganz unvermittelt liegt er vor mir, der Dolmen, kaum einen Meter hoch, drei Steinplatten in der Horizontalen, gestützt, von ins Erdreich eingelassenen Felstafeln - auf einer Anhöhe nördlich von Mas St-Chély.

Ich folge der D 986 nach Süden. Der Causse Méjean gehört, mit weniger als zwei Bewohnern pro Quadratkilometer, zu den am dünnsten besiedelten Gegenden Frankreichs. Auf dem kargen Hochplateau immer wieder Dolinen - runde Senken mit fruchtbarer Erde - auf denen meist Getreide angebaut wird. Im Kampf gegen die Trockenheit wurden für die Schafe tümpelartige Tränken ausgehoben und mit Lehm versiegelt. Kleine Weiler werden passiert an denen man die Bauweise der caussenardischen Häuser gut erkennen kann. Ausschließlich aus Stein wurden die Häuser gebaut. Steinbögen bilden die Etagen, sie scheinen aus dem Boden heraus zuwachsen, diese hingeduckten und erdverwachsenen Naturbehausungen mit ihren schweren Dächern und dicken Mauern. Aven Armand, eine der berühmtesten Tropfsteinhöhlen der Welt, liegt am Südrand des Causse Méjean, hoch über der Gorges de la Jonte. Ein Schacht führt 75 Meter in die Tiefe zu einem Saal mit riesigen Ausmaßen. Eine Märchenwelt aus Tropfstein erwartet den Besucher, mit bis zu 30 Meter hohen Stalagmiten.

Der große Höhlenforscher der Causses war Edouard-Alfred Martel (1859 - 1938). Er war fast in ganz Europa unterwegs und erforschte ab 1889 systematisch die Causses. Seine Exkursionen in die Höhlen der Causses unternahm er in Begleitung des Schlossers Louis Armand aus Le Rozier. Dieser entdeckte 1897 das seit jeher den Bauern bekannte Bodenloch, das ihm sehr vielversprechend zu sein schien - die Erforschung der Höhle begann. Armand der als erster hinunterstieg war begeistert von dieser Traumwelt aus Stalagmiten und Stalaktiten - Martel nannte sie nach seinen Gefährten Louis Armand der auch bald Eigentümer werden sollte. Unweit davon wurde in Hyelzas ein Bauernhof als typisches Beispiel heimischer Bauweise nach altem Vorbild restauriert.

Der südöstliche Teil des Causse Méjean gehört zur inneren Parkzone des Cevennen Nationalparks. Die Felsenszenerie Nîmes-le-Vieux hat ihren Namen der Legende nach seit den Religionskriegen: Die königlichen Truppen waren auf ihrer Jagd nach Protestanten Richtung Nîmes unterwegs. Aus der Ferne glaubten sie, ihr Ziel erreicht zu haben - verblüffend ähnelt der Anblick dieser Gesteinswelt einer Stadt - doch der Weg nach Nîmes war noch weit.

Gesättigt von Natur- und Kultureindrücken und mit müden Beinen treffe ich am späten Nachmittag den Rest der Mannschaft wieder bei unserem Basislager. Philip erzählt begeistert von der Bootsfahrt zwischen Les Vignes und Le Rozier. Er berichtet von Stromschnellen, riesigen Felsen und wie toll Helmut das Outside um die gefährlichen Klippen gesteuert hat.

Tags darauf lassen wir es ruhig angehen. Während Heli und die Kids am Ufer die Angel auswerfen, zieht es mich auf dem Drahtesel, mit Kamera und Stativ im Rucksack, in Richtung Causse de Sauveterre. Bereits im Ort beginnt der Anstieg und der zieht sich stetig aufwärts. Die Hochebene von Sauveterre wird durch die Tarn-Schlucht vom Causse Méjean getrennt und im Norden vom Lot begrenzt. Sie ist vergleichsweise feucht und wird soweit möglich landwirtschaftlich genutzt. Die Bewohner des Causse haben hier jede einzelne Doline genutzt, und so gibt es nicht eine einzige Parzelle Ackerland, die nicht sorgfältig bestellt wäre. Ganz anders der westliche Teil, der mit ausgedehnten Waldflächen bedeckt ist.

Der Fahrweg wendet sich nach Westen, knickt dann beim Cirque des Baumes an die Abrisskante der Schlucht, zum Point Sublime. Ich genieße den herrlichen Blick auf die senkrecht abfallenden Kalksteinwände von Le Détroits, und als reizvollen Kontrast, Baumbewuchs dort, wo der Fels es zulässt. Im Süden präsentiert sich das wild geborstene Felsenchaos des Pas de Souci aus der Vogelperspektive, dazwischen blinkt das blaugrün schimmernde Band des Tarn.

Ein weiteres Highlight des Tages ist die Mountainbike-Abfahrt auf der kurvenreichen D 995 hinunter nach Les Vignes in der Tarn-Schlucht.

Ste-Enimie, ein kleiner Marktflecken, liegt wunderschön am Beginn der Gorges du Tarn, von hier ab wird das enge Tal des Tarn immer mehr zur Schlucht. Der Ort ist terrassenförmig an einer Biegung des Flusses angelegt. Böschungsmauern an den schroffen Hängen zeigen noch heute, dass hier in früheren Zeiten der Natur jeder Meter zum Anbau von Wein und Obst abgerungen wurde. Durch die starke Landflucht in den letzten Jahrzehnten, ließ man jedoch immer mehr Flächen brachliegen. Heute lebt die Gemeinde von den Besuchern, die sich an der grandiosen Landschaft begeistern.

Wir radeln auf der Schluchtstraße flussabwärts. Am Eingang eines riesigen Felsenkessels schmiegt sich malerisch das Dorf St-Chély zwischen den Steilabfall des Causse Méjean und dem Tarn. Hinter einem, durch den Fels geschlagenen Tunnel, wird die Brücke überquert. Vor uns erhebt sich die romanische Kirche mit ihrem hübschen, quadratischen Glockenturm, nebenan der Dorfplatz mit dem Backofen. Ringsum haben alte Häuser ihr ursprüngliches Gepräge bewahrt.

Wie ein verwunschenes Schloss einer fernen Märchenwelt erscheint mir, einige Kilometer weiter, das Château de la Caze. In romantischer Lage wurde es bereits im 15. Jahrhundert, zur Zeit Karls VIII., direkt am Ufer des Tarn erbaut, umgeben von üppiger Vegetation und überhängenden Felsen. Mittlerweile wurde es zum Hotel ausgebaut. Philip wird das Besichtigen von Schlössern und verlassenen Dörfern allmählich zuviel. Sein Stimmungsbarometer steigt, als ich ihm von einer Geierkolonie auf den Felsen über der Gorges de la Jonte erzähle. Er will mehr darüber wissen. Kann man hochklettern und die Geier beobachten?

Tags darauf zockelt der Landy, bei wechselhaften Wetter, durch die Tarn-Schlucht. Le Rozier wird erreicht, reizvoll an der Mündung des Jonte in den Tarn gelegen. Wir bummeln durch den Ort, setzen uns am Ufer der Jonte auf die Terrasse vor einem Bistro und genießen Café au Lait und Croissant. Wunderschön der Blick auf das Dorf Peyreleau, das an einem dem Causse Noire vorgelagerten Hügel hochklettert. Weiter geht's, Jonte aufwärts, zur "Geierschau".

1940 waren die Geier, die hier ursprünglich einen natürlichen Lebensraum hatten, verschwunden. Sie wurden die indirekten Opfer der Vergiftung von Wölfen, Füchsen und anderen Tieren, die als "schädlich" betrachtet wurden. Außerdem forderten erste gesetzliche Bestimmungen, Tierkadaver zu begraben, so dass sie der natürlichen Beseitigung durch die Aasfresser Geier, entzogen wurden. In den 60er Jahren begann ein Umdenken, die Anfänge einer Naturschutzpolitik konkretisieren sich. 1971 scheiterte ein erster Versuch, vier junge Geier aus Spanien anzusiedeln. Im Dezember 1981 ist es soweit: fünf Gänsegeierpaare wurden freigelassen. Weitere folgten, und die Vögel haben mehrmals gebrütet. Die Brutfelsen ragen oberhalb des Dorfes le Truel hoch über die Gorges de la Jonte in den Himmel. Ganz in der Nähe werden die Geier regelmäßig mit Schlachtabfällen und Aas gefüttert. Speziell für die Geier hat man ein "Belvédère des vautours" gebaut, eingelassen in die Gorges de la Jonte. Es ist gegliedert in eine museographische Zone, Aussichtsterrasse, Video-Observatorium, Geschäft und Ausstellung. Für jeden der sich über Geier und über ihre 70 000 Jahre alte Geschichte in den Causses informieren will, ist diese Einrichtung ideal. Mit bloßem Auge sind die Geier nur als kleine Punkte auf den Steilklippen zu erkennen. Hannah und Philip zieht es zur Aussichtsterrasse; dort sind Fernrohre zum Beobachten der Vögel angebracht.

"Ein Geier - Reinhold, schau nach rechts!", ruft Philip ganz aufgeregt. Von einer Felsnadel, hoch über le Truel, nutzt ein Geier die Luftströme um im Gleitflug talwärts über uns hinweg zu schweben. Wir lassen die Augen wandern, gebannt dem Gänsegeier folgen, der sich mit einer Flügelspannweite von fast drei Metern hinauf zur Abrisskante des Causse Noire schraubt.

INFO Gorges du Tarn (Frankreich)

Gorges du Tarn:
Die Region ist ein südlicher Ausläufer des Massif Central und liegt westlich des Cevennen Nationalparks.
Der Tarn entspringt am Mont Lozère in 1575 m Höhe und stürzt als reißender Wildbach, gespeist von zahlreichen Nebenflüssen, die Hänge der Cevennen hinab. In der Nähe von Florac erreicht er die Gegend der Causses. Die eigentliche Gorges du Tarn, mit Schluchtcharakter (400 - 600 Meter tief), und grandioser Felsenszenerie beginnt etwa bei Ste-Enimie, windet sich auf einer Länge von ca. 35 Kilometern bis Le Rozier und trennt den Causse Méjean vom Causse de Sauveterre. Kleine Siedlungen und Gehöfte scheinen am steilen Hang zu kleben, Ruinen sockeln imposant auf Felsvorsprüngen. Das Herzstück der Schlucht liegt genau in der Mitte, zwischen La Malène und Les Vignes. Hier beeindrucken die klammartige Felsenge Les Détroits, der idyllische Felsenkessel Cirque des Baumes und der spektakuläre Felssturz Pas de Souci. An der Abrisskante der Causses bieten einige Aussichtspunkte schöne Blicke in die Schluchten. Jedoch, hautnah kann man am ehesten diese Landschaft vom Boot aus genießen.

Mit dem Boot durch die Gorges du Tarn:
Der Mittellauf des Tarn, von Ste-Enimie bis Le Rozier ist das Herzstück der Region. Die Schluchtstrecke (35 km) ist mit Booten aller Art ganzjährig befahrbar und wird von der recht schmalen D 907 begleitet, die meist hoch über dem Tarn verläuft. Der Tarn ist auf dieser Strecke ein Traumfluss von außerordentlicher Schönheit.

Flussabschnitt: Ste-Enimie - La Malène, 13,5 km (WW I und Zahmwasser im Wechsel). Einsetzstelle oberhalb der Brücke in Ste-Enimie. Nach fünf Kilometern wird St-Chély-du-Tarn erreicht. Hinter der Brücke ergießt sich wasserfallartig eine Karstquelle in den Fluss. Drei Kilometer weiter, das Château-de-la-Caze (15. Jahrh.), mittlerweile zum Hotel ausgebaut. Nach weiteren zwei Kilometern lockt am linken Ufer das weitgehend verlassene Dorf Hauterives zum Anlanden. Kurz vor La Malène befindet sich ein für geübte Kanuten fahrbares, ansonsten rechts gut zu umtragendes Wehr. Vor und hinter der Brücke von La Malène sind große Kiesbänke zum bequemen Aussteigen. Für Ungeübte können auf der Strecke Prallwände Probleme bereiten wo das Wasser fast im rechten Winkel auf Felswände trifft - wer unsicher ist, rechtzeitig am gegenüberliegenden Ufer anlanden und umtragen.

Flussabschnitt: La Malène - Les Vignes (Pas de Souci), 9 km (WW I und Zahmwasser). Fahrtechnisch gelten hier die gleichen Hinweise wie beim vorhergehenden Streckenabschnitt. Dieser Flussabschnitt gilt als der landschaftliche Höhepunkt der Gorges du Tarn. Zunächst "Le Detroits", die schmalste Stelle der Schlucht, mit lotrechten Kalksteinwänden. Wunderschön auch der Weiler "La Croze" und der Felsenkessel "Cirque des Baumes". Der Ausstieg darf auf keinen Fall verpasst werden, da bald darauf der nicht fahrbare Felssturz "Pas de Souci" folgt. Beim Umsetzen des Autos sollte die Ausstiegsstelle bereits erkundet werden, damit man sie sich einprägt. Wer auf einer mehrtägigen Gepäcktour unterwegs ist muss nun diese Schlüsselstelle umtragen (Bootswagen!) - je nach Einsetzstelle (Les Vignes) mindestens 1500 m.

Flussabschnitt: Les Vignes - Le Rozier, 10 km (WW I und II). Einstieg bei der Brücke in Les Vignes. Dieser letzte Abschnitt durch die Gorges du Tarn bietet neben dem landschaftlichen Hochgenuss, auf recht flotten Passagen wieder spritziges Wasser und richtiges WW-Feeling. Für WW-Anfänger und Kinder, Helm, Schwimmweste und ggf. Neoprenanzug. Für Kajaks sind Spritzdecken zwingend notwendig. Ausstieg, an der Kiesbank hinter der Brücke bei Le Rozier.

Grands Causses:
Die vier "Großen Kalkhochflächen": Causse de Sauveterre, Causse Méjean, Causse Noire und Causse du Larzac bilden geologisch eine Einheit. In der Vorzeit war diese Gegend vom Meer überflutet, und als es sich vor 200 - 140 Mio. Jahren zurückzog hinterlies es eine mehrere hundert Meter dicke Sedimentschicht aus pflanzlichem und tierischem Material. In Folge haben sich die Flüsse Tarn, Jonte sowie die Dourbie eine windungsreiche Spur in den Kalk gefressen und dabei tiefe Schluchten gegraben. Am malerischsten ist die Gorges du Tarn die den Causse Méjean von dem Causse de Sauveterre trennt. Zwischen dem Causse Méjean und dem Causse Noire zieht sich die Schlucht der Jonte von Ost nach West. Noch weiter im Süden prägt die Dourbie die Grenze zwischen den Causses Noire und Larzac.

Die Stark verkarsteten Oberflächenformen der Grands Causses resultieren aus der Erosion durch fließende Gewässer und der zersetzenden chemischen Verwitterung. Der Causse Méjean liegt im Herzen der Zone der Grands Causses und erstreckt sich über eine Fläche von 33 000 Hektar. Von den Schluchten des Tarn im Norden und Westen, dem Canyon der Jonte im Süden und dem Flusstal des Taron im Osten in der Form eines Tafellandes sozusagen ausgeschnitten, ist der Causse Méjean eine aus Jurakalk aufgebaute, weitflächige Zone in 900 bis 1250 Metern Höhe.

Seit der Steinzeit werden die Causses kultiviert und beweidet. Dolmengräber und Menhire sind die kultischen Überreste der früheren bäuerlichen Kultur. Die ursprünglich bewaldeten Gebiete wurden im Laufe der Jahrtausende gerodet. Im Frühjahr verwandeln sich die Causses in einen bunten Blütengarten mit zahlreichen Zwiebelpflanzen, Orchideen und betörend duftenden Kräutern wie Thymian und Lavendel. Die Hochflächen beherbergen interessante Vogelarten wie Zwergtrappe, Triel, Kornweihe, Rebhuhn, Lerchen und Neuntöter. Gänsegeier kreisen über die Causses in der Hoffnung Aas zu entdecken. In den Canyons finden Uhus, Wanderfalken, Felsenschwalben, Eisvögel und Wasseramseln einen Lebensraum.

Sehenwürdigkeiten:
Die "Aven Armand" ist eine der bedeutendsten Tropfsteinhöhle der Erde und liegt im Süden des Causse Mejéan. Ganz in der Nähe befindet sich das hübsch restaurierte Museumsgehöft "Hyelzas". Einige Kilometer südlich, auf dem Causse Noire, kann man die "Grotte de Darglian" besichtigen.
Dem Geier wurde das, in der Nähe von le Truel, in die Gorges de la Jonte eingelassene "Belvédère des vautours" gewidmet. Das Ausstellungs- und Beobachtungszentrum bietet dem Besucher eine Vielzahl interessanter Informationen über die Geier und die Grands Causses seit der Vorgeschichte.
Im Nahbereich der Gorges du Tarn sind außerdem die beiden Felsenstädte "Nîmes-le-Vieux" (Causse Mejéan) und "Montpellier-le-Vieux" (Causse Noire) sehenswert.
Cévennen Nationalpark mit Mont Lozère (1699 m), Le Pont-de-Montvert, Florac (Hauptverwaltung des Cévennen Nationalparks), Corniche des Cévennes, Vallée Francaise, St-Jean-du-Gard, Mont Aigoual (1567 m).

Reisezeit: Mai und Juni sowie Ende August und September sind als Reisemonate besonders zu empfehlen. Die Gewitter im Frühsommer und Herbst toben oft mit geradezu tropischer Heftigkeit.

Camping: Wild Campen ist in Frankreich offiziell verboten und im Bereich der Gorges du Tarn mangels Stellmöglichkeiten ohnehin kaum möglich. Es gibt jedoch entlang des Flusses mehrere Campingplätze. Zentral, verkehrsgünstig und wunderschön inmitten der Schluchten gelegen ist der einfache und relativ preiswerte Campingplatz von La Malène (geöffnet 1.4. - 15.10). EC-Automat, Bäcker, Metzger, Lebensmittel, Bars und Restaurants im Ort.