Abenteuer in Peru - Rio Tambopata

 

Text und Fotos: Riegg Alfred
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Reiseziel: Peru
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Boote: GRABNER Outside

Krawumm! Es rumpelt gewaltig, dann ein schleifendes, holperndes Geräusch. Leute schreien in Panik, unser Bus hängt schief kommt nur langsam zum stehen. Wir haben soeben die Räder der Hinterachse verloren. Zwangspause!

 

Schon die Anreise vom fast 4000m hohen Altiplano hinunter in den dampfenden Urwald gestalten sich als echtes Abenteuer. Nach Stunden notdürftiger Reparatur geht es endlich weiter. Über einen ca. 5000m hohen Pass vorbei an Lamaherden passieren wir tiefe Schluchten in denen sich Traumbäche winden. Alles Quellflüsse die den gewaltigen Amazonas speisen. Wir erreichen Putina Punko. Letzter Außenposten vor der Wildnis. Hier leben Goldsucher und Kaffeepflanzer. Wir versorgen uns noch mit fehlendem Proviant und bauen unsere Outsider am Ufer auf. Material und Proviant für vier Mann und zehn Tage müssen in zwei Booten verstaut werden.

 

Die ersten eineinhalb Tage sind ruhig, erinnern mich ein wenig an die Schlucht der heimischen Ammer. Schöner Canon mit üppiger Bewaldung. Wir haben Zeit uns warm zu paddeln, genießen die Schwärme von Schmetterlingen die um unsere Köpfe tanzen und den würzigen Duft des Waldes. Es war nicht leicht an Infos über diesen sehr selten befahrenen Fluss zu kommen aber wir wissen dass es die nächsten drei Tage holprig wird.

 

Vorsichtshalber bauen wir unsere Outsider zu einem Kataraft zusammen. Einen Verlust unserer lebensnotwendigen Ausrüstung durch Kenterung wollen wir uns nicht erlauben. Zusätzlich angeklebte D-Ring-Beschläge verhelfen uns zu einem stabilen Konstrukt. Man hat schließlich aus vorhergehenden Expeditionen dazugelernt.

 

Immer wieder passieren wir kleine Bachzuläufe die oft kristallklares Wasser führen und uns zum campieren und verweilen einladen. Ein Bad in einem schönen Gumpen und ein fünf Kilo schwerer Wels am Haken machen den Tag perfekt. Eine Bereicherung für unsere Bratpfanne.

 

Ein neuer Tag bricht an. Die Sonne saugt die letzten Wolkenfetzen aus den Baumkronen und wir vernehmen das erste verdächtige Rauschen.

 

Rein ins Kehrwasser, raus aus dem Boot und immer wieder scouting hat man uns wärmstens empfohlen. Der Fluss ist teils stark verblockt und wir kundschaften brav den besten Weg aus. Außerdem wurden wir vor zwei ziemlich fiesen Stellen gewarnt die wir dann später auch sicherheitshalber umtragen.

 

Wie war das gleich wieder? An zwei Blöcken links vorbei dann scharf rechts und gleich wieder links. Wellen türmen sich auf. "Alle vorwäärts, los haut rein!" Die beiden Bugnasen tauchen tief in die braune Brühe ein die kurz darauf über unsere Köpfe schwappt. Auf diese Weise passieren wir ca. vierzehn Katarakte und Schwälle mit mehreren hundert Metern länge. Nur einmal wird es knapp. Wir schieben uns auf einen Fels und bleiben hängen. Eine der hinteren Nasen läuft voll und wird vom Wasserdruck gewaltig nach unten abgebogen, aber Boote, Beschläge und  unsere Konstruktion halten stand. Mitten im Wildwasser hängen und zerren wir mit vereinten Kräften um unser Gefährt wieder zu lösen. Erst nach Minuten geht es weiter. "Gott sei Dank"! Wir hatten alles mit Riemen angeschnallt und somit nichts verloren!

 

Zwischen den Katarakten immer wieder ruhige Passagen. Wir beobachten Eisvögel, Reiher und Kolibris an den Ufern. Greifvögel und Geier ziehen ihre Bahnen. Schwärme von Aras und anderen Papageien fliegen über unsere Köpfe und veranstalten mit ihrem gekrächze einen Höllenlärm.

 

Nach drei Tagen wird der Fluss ruhiger. Wir hängen die Helme an den Haken und lassen uns von der Strömung durch eine von Menschen absolut unberührte Gegend treiben.

 

Vor uns badet ein Tapir im Wasser er bemerkt uns erst als wir bis auf zwei Meter rangetrieben sind. Im Wasser fühlt er sich sicher denn sein einziger Feind ist der Jaguar dessen Spuren wir immer wieder im Ufersand finden. Jaguare sind schlau und vorsichtig, um den Menschen machen sie lieber einen Bogen. Eine Jaguarsichtung gehört zum absoluten Highlight. Diese Ehre haben wir nicht, dafür bekommen wir den ebenso seltenen Tapir fast ein dutzend mal zu Gesicht.

Affenhorden hängen in den Baumkronen beäugen uns neugierig, genauso wie die Wasserschweine die sich gruppenweise an den Ufern in die Sonne legen.

 

Abends sitzen wir am Lagerfeuer nur in kurzen Hosen und sind hocherfreut dass uns wieder erwarten keine einzige Mücke belästigt. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit, wer weiß, uns kann es nur recht sein. Nach einem ergiebigen Mahl lauschen wir der faszinierenden Geräuschkulisse eines unberührten Primärwaldes und genießen auf der Isomatte liegend einen grandiosen Sternenhimmel. 

 

Andenflüsse können trügerisch sein. Weit oben abgehende Regenfälle können sie in kürzester Zeit um Meter anschwellen lassen. Wir bauen unser Camp immer einige Meter über der Wasserlinie auf und vertäuen unsere an Land verbrachten Boote stets noch zusätzlich.

 

Nach einer Woche passieren wir den Zulauf des Rio Tavara. Hier wird der Fluss breit, träge und langsam. Nach einigen Stunden erreichen wir die "Collpa Colorado". Eine hohe Lehmwand am Flussufer wo täglich tausende von Papageien einfliegen um mit dem Lehm lebensnotwendige Mineralien aufzunehmen. Ein extraordinäres Spektakel. Dieser Ort wurde schon in einer Ausgabe der National Geograhic gewürdigt.

 

Ein kleines Highlight und zugleich unser letzter Lagerplatz. Hier sehen wir die ersten Touristen die vom viele Stunden flussabwärts liegenden Puerto Maldonado mit Motorbooten hochgebracht werden um die Collpa zu sehen. Die Collpa ist der am weitesten entfernte Punkt der angefahren wird. Die oberen zwei Drittel vom Fluss gehörten uns für eine Woche ganz alleine. Wir können zufrieden sein, denn das was diese Leute gerne alles sehen würden haben wir gesehen. Ramon unser peruanischer Begleiter ist Besitzer einer Lodge. Wir haben ihn auf unsere Reise mitgenommen weil er noch nie dort oben war. Jetzt sind wir Gast in seiner Lodge, lümmeln uns in Hängematten herum, lauschen den Rythmen von Salsa und Cumbia und befinden bei einem kühlen Bierchen: "Ja doch, der Trip war es echt wert, macht man schließlich nicht alle Tage"!                                                                           

 

Alfred Riegg

 

 

 

Lust auf ein Urwalderlebnis und echtes Abenteuer? Von vielen Flüssen die aus der Andenregion dem Amazonas zustreben laufen nur wenige durch einen von Menschenhand fast völlig unberührten Nationalpark wie den Tambopata. Der Tambopata gehört zu den Regionen mit der höchsten Artendichte auf unserer Erde. Keine Menschen, keine Jagd. Dadurch verlieren viele Tiere die natürliche Scheu vor den Menschen da sie in der Regel nichts zu befürchten haben.

 

Charakter

Die Quellen des Tambopata entspringen nordöstlich des Titikakasees in der östlichen Andenkordillere.

Eineinhalb Tage I-II. Danach drei Tage II-III+ je nach Wasserstand. Danach eher ruhig.  Strecke ca. 180 km. Verpflegung und Ausrüstung sind komplett mitzunehmen. Erste Lodge nach ca. sechs bis acht Tagen. Ab hier weiter mit Motorboot oder weiterpaddeln bis Puerto Maldonado. (Drei bis vier Tage, insgesamt ca. 300 km).

 

Beste Zeit

Mitte Mai bis Mitte November. In der Regenzeit ist der Tambopata wie die meisten Andenflüsse die Richtung Urwald fließen nicht befahrbar. Achtung! Nur in erhöhter Lage campieren. Bei Hochwasser abwarten, Urwaldflüsse transportieren dann viele Baumstämme.

 

Anreise

Von Juliaca am Titkakasee aus fahren täglich Busse nach Putina Punku (ca. ein Tag). Als Gruppe rentiert sich Privatfahrzeug zu mieten.

 

Ausrüstung

Boote die Wildwasser und Treidelstrecken aushalten. Schlauchkanadier nur mit Lenzventilen.

Komplette Paddel -und Campingausrüstung. Verpflegung komplett, Pumpfilter für Wasser sehr vorteilhaft.

 

Einstieg

Einstieg in Putina Punku oder Kurva Allegre (letzter Ort) bei sehr niedrigem Wasserstand.

Übernachten

In allen Orten gibt es sogenannte Hostales. Während der Flussfahrt im Zelt. (Engmaschiges Moskitonetz wegen der Sandfliegen).

Weiter unten gibt es Dschungellodges.  Puerto Maldonado wieder Hostales.

 

Führer und Karten

Datailkarten vom ganzen Land bekommt man im Instituto Geographico in Lima.

Für die Befahrung des Nationalparks ist ein Permit mit Gebühr und die Mitnahme eines zertifizierten Guides vor Ort vorgeschrieben. Info bei der staatlichen Naturschutzbehörde INRENA.

Für Urwaldunerfahrene ohnehin ein muss und in jedem Fall auch eine Bereicherung da diese Leute in

der Regel über sehr viel naturkundliches Wissen verfügen.

 

Geführte Touren unter deutscher Leitung oder Detailinfos für Selbstfahrer gibt es unter 

http://www.overcross.com/  (Abenteuer Wasser - Peru Flussexpedition)