Crand Canyon 2008 - Peter Krenslehner

  • Bericht + Fotos: Peter Krenslehner
  • Boot: GRABNER OUTSIDE
  • Distanz : 280 miles
  • Dauer : 14 Tage
  • Photos:  Olympus

Zuerst hätte es eigentlich eine Privattour mit Paddelkollegen werden sollen, was leider nicht funktionierte. Bald stellte sich auch heraus, dass es nur mit einer langen Wartezeit auf die „permit“ und durch die strengen Auflagen des National Park Service, nur schwer ohne Begleitraft machbar wäre. Also lag die Entscheidung nahe, bei den „outfittern“ anzufragen, ob ich mit meinem Outside mit den rafts mitfahren könne. Der niedrige Dollarkurs half auch noch nach die Entscheidung zu treffen.

Sobald es fix war, dass ich, ein ziemlicher Anfänger, dieses durchziehen werde, stieg die Nervosität mit jedem Tag.
Trainingkurs an der Orb (Frankreich), Ausflug an die Soca, fast täglich in der Zemmschlucht bei Mayrhofen und sooft es ging in die Imster Schlucht. Dies sollte mich auf die 2 Wochen Grand Canyon vorbereiten.

Mitte September 2008 ging es dann los. Über Las Vegas zum Eingang des Grand Canyons, Lees Ferry. Das Wasser glasklar, aber 6 Grad kalt. Im Boot brutal heiß und im Trockenanzug noch wärmer, aber aus Sicherheitsgründen (Schwimmeinlagen werden sich kaum vermeiden lassen) unverzichtbar.
Es geht ruhig los. Einige kleine „riffles“ (Ministromschnellen) kommen gerade recht für die Eingewöhnung. Aber wenn diese kleinen riffles schon so ein Getöse hervorbringen, wie wird das weiter gehen ?

Bald wird es auch lauter. Die ersten rapids (größere, mit Namen versehenen Stromschnellen, class 1 – 10) kommen. Zuerst gespenstische Stille, dann wie ein Güterzug der aus der Ferne auf mich zukommt. Und dann, wenn es so richtig dröhnt, sieht man das Ende des ruhigen Wassers. Es geht bergab in eine lange Zunge mit einer Reihe von Hammerwellen am Ende. Nur eine kleine Linie ist fahrbar, denn seitlich sind“ boils“(Polster), „swirls“ (Strudel) und „eddys“ (Kehrwässer). Also genau in der Mitte durch. Jede Welle muß genau im richtigen Winkel genommen werde und nach dem Wellenkamm wieder in die andere Richtung um die seitlichen Störungen zu vermeiden. Nur eine Kenterung am ersten Tag. Ist aber auch nicht schlecht, da man die Angst ablegen kann.
Der erste Teil des Grand Canyons ist der Marble Canyon, landschaftlich super schön, stark gewunden mit glatten senkrechten Wänden.

Die tägliche Routine ist auch bald gefunden, was natürlich sehr durch das professionelle Service des Veranstalters erleichtert wird. Morgenkaffee, Frühstück, zusammenpacken, lospaddeln, wandern, Mittagessen, weiterpaddeln, wieder wandern, paddeln, im Camp ankommen, aufs Essen warten, futtern bis zum Abwinken, über den Tag nachdenken, schlafen.
Und eines stellt sich auch bald heraus, der Grand Canyon ist der sauberste Platz auf unserer Erde. Wir glauben, wir wüssten alles über Umweltschutz und die Amis haben sowieso keine Ahnung, aber hier lerne ich doch noch dazu. Offenes Feuer ist sowieso verboten, nichts bleibt zurück, sogar abgebrannte Grillkohle wird mitgenommen. Nur Asche und Urin landet im Fluß. Sogar das kleinste Brotbrösel wird entsorgt, denn es könnte sich ja eine Ameise daran erfreuen und das biologische Gleichgewicht gestört werden.


Je weiter wir in den Canyon eindringen umso mächtiger werden die rapids  und ordentlich lauter wird es auch. Obwohl sich meine Schwimmeinlagen in Grenzen halten, bin ich doch froh, dass es sich bei fast allen rapids um ein „Drop & Pool“ handelt. Also nach jeder heftigen Aktion kommt eine ruhige Sektion in der der man sein Boot wieder kriegt. Problem ist nur, dass die Kehrwässer so extrem sind. Nicht umsonst wird der Colorado River, der Fluß der stromaufwärts fließt, genannt.

Nach dem Marble Canyon öffnet sich das Tal für einige Kilometer bevor es in den „Inner Gorge“ geht.  Am 5. Tag , kommen die Big Days, mit den ersten „class 10 rapids“. Einige davon durfte ich nicht selbst befahren und musste mein Boot einrollen. Diesen Kompromiss musste ich eingehen, da es keine „safety kayaks“ gab und  doch eine gewisse Verletzungsgefahr gegeben war. Doch nachträglich betrachtet muß ich sagen, dass fast alle mit dem Outside fahrbar, oder ohne Outside schwimmbar gewesen wären. Leichter wäre es gewesen, die rapids vorher anzuschauen, aber auch nervenaufreibender, wenn man sieht was einen erwartet anstatt einfach hineinzubrettern. Aber  die Tatsache, dass wir nur mit Muskelkraft unterwegs waren, ließ keine Zeit zu scouten, bzw. manche Stellen mehrmals zu fahren.

Camp wird immer auf einer Sandbank gemacht, die Rafts werden ausgeladen, die Küche aufgebaut, Zelte und Lager hergerichtet. Das Wetter war immer super und so konnte ich schön ohne Zelt schlafen. Unterlegplane, Isomatte. Schlafsack, mehr hat es nicht gebraucht, nur der Sand war überall.
Nach fast 2 Wochen wird der Fluß, durch den Rückstau des Hoover Damms ruhiger und es würde  durch den mächtigen Gegenwind, welcher meistens am Nachmittag losgeht, extrem mühsam werden bis zum Lake Mead zu paddeln.
So werden wir mit dem Jetboot ausgefahren, was auch seinen Reiz hatte.

Das Outside hat sich bewährt. Flug- und Taxitauglich, schnell einsatzbereit und fast jederzeit kann man wieder einsteigen, wenn man das Boot im Wasser von unten sehen wollte. Schenkelgurte sind ein Muß. Ich benütze Gurte aus einem normalen, harten Canadier. Grabners Gurte sind zwar praktisch, aber meiner Meinung nach zu schmal.
Nachteilig  für diese Tour war die schwarze Farbe, da sich das Boot extrem aufheizte.
Ohne Gepäck und allein im Boot, musste ich das Boot weicher aufpumpen, da es sich in den Wellen, wenn richtig aufgeblasen, wie ein Tennisball verhielt. Gepäck würde dies natürlich ausgleichen, aber dann kann man das Boot bei Kenterung nicht mehr selbst aufrichten. Zusätzliches Gewicht im Bug in Form eines Wasserkanisters (Wilson) gab mehr Stabilität.  Bei den ganz langen, ruhigen Passagen oder bei extremen Gegenwind bin ich mit Doppelpaddel gefahren, sonst aber immer mit Stechpaddel  (eine Frage des Styles).