BONNET PLUME RIVER

Teilnehmer:
Manfred SIMMER  (Army-Shop-Steyr)
Jens HOLST  (Globetrotter Hamburg)

Distanz:  570 km (inkl. 290 km auf dem Peel River)

Wildwasser:  3 bis 4, stark vom Wasserstand abhängig

Portagen: Zwei Wasserfälle - Wildwasser 5 bis 6

Dauer: 12 bis15 Tage

Endlich ...

... sitze ich in der Maschine, gleich neben dem Piloten Andi, einem Schweizer. Unser Buschpilot steuert auf den Marsh Lake hinaus, gibt die letzten Anweisungen: ... "die Kotztüten sind hier, das Survivalkit ist da, und wir haben einen Notsender, der beim Aufprall auf den Boden von selbst zu senden beginnt" ...

Dann gibt er Vollgas und zieht die Maschine steil in den Himmel. Und ich denke ..."wo sind jetzt nur diese Kotztüten geblieben?!

Nach den Mühen des Starts haben wir nun einen atemberaubenden Flug über die Berge von Whitehorse bis zum Bonnet Plume Lake vor uns. Viel zu schnell kommt der Landeanflug auf den Bonnet Plume Lake.

Alles ausladen, den Piloten bezahlen, noch ein paar nette Worte, winken, und weg ist er.
   
Der Lärm der Maschine verhallt in den Bergen. Und dann ist es wieder da, das, weshalb ich es immer wieder auf mich nehme, hierher zu kommen: Stille, unendliche Stille, die mich beglückt und ängstigt zugleich. In diesem Moment holt mich aber das Leben auch schon wieder aus meinen Schwärmereien zurück und zeigt mir, dass Kanada auch ein Land der Tat ist. Es beginnt auf´s heftigste zu regnen und zu stürmen. Ein paar Stunden später - blauer Himmel, spiegelglatter See - und wir im Outside mitten drauf.
Am Abend haben wir unsere ersten Kilometer auf dem Fluss gemacht. Zelt aufstellen, Feuer machen, kochen und den Abend genießen. Alles wie immer und doch jedes Mal etwas Besonderes. Ich liebe es, so zu reisen. Kein Streit, keine Eile und viel Vertrauen. Jeder weiß, was er zu tun hat.

Am nächsten Tag zeigt der Fluss gleich am Morgen sein wahres Gesicht. Hoher Wasserstand, Wildwasser 3 und der erste Canyon. Eine zu lockere Erkundung führt fast zu einer Kenterung. Jens reisst im letzten Moment das Boot herum und wir schlüpfen noch einmal geradeso durch.

Am Ende der Stromschnelle liegt ein zerbrochenes Roalex-Kanu und zeigt uns, dass andere weniger Glück hatten als wir.

Abends ist wieder alles zum Besten. Ausgezeichneter Lagerplatz, gutes Essen, herrlicher Sonnenuntergang; und am Morgen ein Grizzly im Camp. Gleich zum Frühstück ..... Wir sitzen so auf dem OUTSIDE und essen unser Müsli, da kommt er aus dem Busch getrottet, schnuppert und richtet sich auf. Jens ebenso. Der Bär trollt sich, Jens setzt sich wieder ..... "eben Kanada" sage ich. Jens nickt, und wir frühstücken weiter.
   
Unsere erste Portage kündigt sich durch nicht zu überhörendes Rauschen an. Wir erkunden sorgfältig und entschließen uns, den Wasserfall zu umtragen. Getreu dem Motto: Auf Portagen ist noch keiner ertrunken! Also Luft raus, OUTSIDE zusammenrollen und rein in den Rucksack. Jeder noch einen Lebensmittelsack und ab geht´s durch den Busch. Hier ein Kanu zu tragen, wäre wohl kein Spaß. Alles in allem, 2 1/2 Stunden.

Die nächsten Tage verbringen wir mit Wildwasser und gemütlichem Treiben, bis wir plötzlich, nach einer Flussbiegung, auf eine Elch-Familie stoßen. Die Mutter und zwei Kinder ergreifen die Flucht, der Bulle stellt sich zum Kampf. Wir sind überrascht und entschließen uns zum schleunigen Rückzug. Was uns auch vom Bullen gnädig "gestattet" wird.

Am nächsten Tag noch eine Portage, etwas Wildwasser, ein Bär, mehrere Karibus, Regen und Sonne. Abends dann den besten Lagerplatz der ganzen Reise. Ein Geburtstag, wie man ihn eben so feiert ...
Nach einem herrlichen Essen, einem mitgeschleppten Bier für jeden und einer Zigarre dazu ... so ist die Welt für mich in Ordnung ... eben rund sozusagen.

Jetzt weichen die Berge langsam zurück und die Tundraebenen beginnen. Der Fluss wird breiter und ergießt sich schließlich in den Peel River. Tiere sind nur mehr selten zu sehen. Gleich nach der Einmündung beginnt der Peel Canyon, der erst nach einem Tag Fahrt endet.
   
Der Fluss ist jetzt sehr breit, und die Tage vergehen mit Treiben lassen und Paddeln. Langsam nähern wir uns wieder Menschen. Die Hütten werden zahlreicher und auch ein Motorboot begegnet uns.

Schließlich, eines Abends, erreichen wir unser Ziel. Die Fähre am Dempster Highway. Beim Zusammenpacken unseres Bootes sind wir die Attraktion einiger Kinder, die nicht glauben können, dass dieses Boot in eine so kleine Tasche passt.

Auch beim anschließenden Autostoppen haben wir auf Grund des geringen Gepäcks wenig Probleme, eine Mitfahrgelegenheit zu finden.