Abenteuer Ardèche

Text und Fotos:Reinhold Müller
Reiseziel:Ardèche
Boote:GRABNER Outside

Heftiger Regen an den vergangenen Tagen hat den Fluss anschwellen lassen, er führt gutes Mittelwasser - wir stehen am Ufer der Ardèche, im Süden Frankreichs. Am Eingang der Schlucht, bei dem Städtchen Vallon Pont Arc, liegen unsere beiden Outside Schlauchkanadier und warten auf den Wellenritt mitten durch diesen wunderschönen Canyon. Der Blick zum weißblauen Himmel ist vielversprechend, die Sonne strahlt.

Ardèche, der Name hat Klang, unter Kanuten ist er längst Kult. Bis zu 4000 Boote durchqueren im Juli und August täglich die Gorges de l'Ardèche. Böse Zungen behaupten, dass man dann trockenen Fußes den Fluss hinunter laufen könne: von Boot zu Boot springend. In vielen Jahrtausenden hat die Ardèche eine breite Schlucht in die weißen Kalksteinfelsen gefressen und die wilde Schönheit ihrer Umgebung zieht Kanuten aus ganz Europa an. Zusammen mit dem Cirque de Gavarine, der Burg von Brovagne, dem Raz-Massiv und dem Dordognetal wurde die Ardèche-Schlucht zu den ersten fünf Schutzgütern von nationaler Bedeutung in Frankreich erklärt. Neben einer interessanten Fauna und Flora belegt die Region - mit der Chauvet-Höhle - einen Spitzenplatz unter den prähistorischen Fundstätten Frankreichs.

Hauptstadt der Paddelszene ist Vallon Pont Arc am Eingang der Schlucht, ein Konglomerat von Bootsverleihern, Campingplätzen, Herbergen und Abspeisungsstätten. In den Pfingstferien dominieren Deutsche aus den südlichen Bundesländern in dieser Region. Doch in der zweiten Junihälfte sind die meisten bereits zurückgereist und die Campingplätze leeren sich, ehe im Juli die Ferien in Frankreich beginnen. Als Basislager wählten wir einen Campingplatz am Ufer.

Proviant, Wechselklamotten und Zelt, Isomatten und Schlafsäcke für die Nacht sind wasserdicht in den Booten verstaut. Besonders sorgfältig kontrolliert Helmut den Sitz der Schwimmweste unseres jüngsten Mitgliedes, des fünfjährigen Philip. Die Boote werden eingesetzt, wir lassen uns von der Strömung mitziehen - es geht flott voran. Gut einsehbare Schwallstrecken eröffnen die Bootstour. Der Fluss wird ruhig, gemächlich treiben wir dahin. Dort, wo er sich nach rechts wegbiegt, spannt sich das imposante Felsentor des Pont d'Arc über die Ardèche. Doch ehe wir dieses Naturwunder gebührend bewundern können, warten die tückischen Stromschnellen der Charlemagne mit dumpfem Rauschen auf uns.

Im vor uns treibenden Outside richtet sich Helmut auf, um vom Boot aus diese Schlüsselstelle zu erkunden. Mehrere ausgewachsene Felsbrocken ragen drohend aus dem Wasser. Die Hauptströmung zieht genau durch die Mitte und umspült eine jener Kenterfallen aus glattgeschliffenem Kalkstein. Mit Philip im Vorschiff, vermeidet Helmut riskante Steuermanöver. Er lenkt den Schlauchkanadier links durch eine felsfreie Passage.

Dort jedoch lauern wuchtigen Wellen und tückische Walzen auf die Gummiwurst. Gleich zu Beginn überspült ein mächtiger Brecher den vorne knienden Philip. Nach einem heißen Wellenritt erreichen die beiden klatschnass das Kehrwasser am rechten Ufer. Hubert und ich, im zweiten Outside, wählen eine variantenreichere Linie. Wir folgen der Stromzunge, nehmen Kurs auf das Kalksteinmonster und umsteuern zwei kleinere Hindernisse. Durch gezieltes, kräftiges Paddeln lassen wir auch den Fels hinter uns. Das Boot steht nahezu quer zur Strömung, linker Hand fällt das Wasser über eine meterhohe Stufe. Die Paddelseite wird gewechselt, das Outside dreht auf der Stelle und reitet über hohe Wellen. Den Auslauf des Schwalls schon vor Augen wirft uns eine fiese Schrägwalze einen beachtlichen Brecher ins Boot. Das heißt, anlanden, um das unfreiwillig aufgenommene Nass zu entleeren. Wem es auf dem Wasser zu turbulent zugeht, kann die Charlemagne auch bequem umtragen.

Gemächlich treiben die beiden Kanadier durch die grandiose Felsenbrücke Pont d'Arc. Ganz in der Nähe entdeckten Jean-Marie Chauvet und zwei weitere Höhlenkundler im Dezember 1994 eine mit Tiermalereien ausgeschmückte Höhle, die eine der reichhaltigsten Sammlungen von Tierfelsbildern seiner Zeit enthält. Seit Juni 1995 werden in Vallon Pont d'Arc in einer Ausstellung fotografierte Malereien der Höhle und ein Video-Film dem interessierten Besucher gezeigt. Der Öffentlichkeit wird die Chauvet-Höhle wohl nie zugänglich gemacht werden.

Auf der folgenden, ruhigeren Strecke kann man sich auf die imposante Felslandschaft konzentrieren. Der Fluss schlängelt sich sanft glitzernd und in vielen Windungen dahin, ehe am Ende einer engen Flussschleife die Stromschnelle Les Trois Eaux wartet. Hier teilt sich der Fluss in drei Arme, wir landen an um den Schwall aus der Nähe zu besichtigen. Wir lassen die Kanus über die wellenreiche Schwallstrecke auf dem linken Flussarm gleiten. Die markanten, aus dem Wasser ragenden Felsblöcke, sind rechtzeitig erkennbar und problemlos zu umsteuern. Wellen nehmen das Boot mit und garantieren eine flotte Fahrt. Das vollgeladene Outside liegt stabil im Wasser und verleitet zum Spielen mit kleinen Walzen und Kehrwasser. Der Fluss zieht weiter. Das schummrige Licht in den engen Schluchtstellen wechselt mit blendender Lichtfülle, wenn das Tal offener wird. Kleine Stufen beschleunigen die Fahrt, dann wieder leises Gleiten. Nur das rhythmische Geräusch der eintauchenden Paddel stört die Stille. Immer wieder legen wir für Philip Pausen ein. Doch die mitgeführten Spielsachen wie Bagger und Kran braucht er kaum; Kies, Sand und Wasser sind ihm allemal genug.

Doch nicht nur für Kanuten ist die Schlucht der Ardèche ein Eldorado, auch auf Schusters Rappen kann man die Schlucht bezwingen. Ein Wanderpfad mit einigen Kletterpassagen führt den Fluss entlang und bietet sportlich ambitionierten Wanderern einen ganz besonderen Genuss. Wer es extremer mag, nutzt die für Climber freigegebenen, senkrecht abfallenden Kalksteinwände.

Durch lautes Rauschen macht die Rapide de la Dent Noire auf sich aufmerksam. Eigentlich hat sie es gar nicht nötig sich so lautstark anzumelden, der "Schwarze Zahn" genannte Felsbrocken in der Mitte des Schwalls ist ohnehin nicht zu übersehen. Eine Kiesbank verengt den Flusslauf, links ist der Fluss mit unzähligen Felsblöcken gespickt. Die Hauptströmung führt mitten hindurch. Wer nicht rechtzeitig die Stromzunge verlässt und entlang des rechten Ufers fährt wird hineingezogen in die havarieträchtige Felsenwelt des Dent Noire.

Während am linken Ufer die imposante, weiß blinkende Kalksteinwand senkrecht ansteigt, zieht sich rechter Hand dichter Wald stufig hoch, immer wieder durch steile Felsabfälle unterbrochen. Oben, auf dem Orgnac-Plateau, erreicht man eines der außergewöhnlichsten Naturwunder der Ardèche, den Aven d'Ornac. Die Tropfsteinhöhle beherbergt den größten Stalagmit Frankreichs, mit 24 Metern Höhe und einem beeindruckenden Durchmesser von 15 Metern; ein wahrer Koloss.

Ehe wir den Biwakplatz Gaud passieren, wölbt sich vom rechten Ufer eine Felswand über das Wasser. Aus der Frosch-Perspektive bestaunen wir die beeindruckenden Ausmaße des Canyon. Dort, wo das Gestein dem Wurzelgeflecht der Bäume keinen Raum bietet, wachsen lotrecht Felswände gen Himmel. Die Wände, in Jahrtausenden ausgehöhlt, teilweise glattgeschliffen, mit Biegungen, Kanten und Löchern. Einige Kilometer weiter beobachten wir hektisches Treiben am Ufer, ein Kanu ist gekentert, vollgelaufen und die Wasserwucht presst es querliegend gegen unnachgiebigem Gestein; wir landen an. Keinen Millimeter lässt sich der Kanadier bewegen. Den Schiffbrüchigen, Landsleute aus Freiburg, wurde der Spaß kräftig vermasselt, zumal nahezu der gesamte Vorrat an Dosen-Weißbier abgetrieben ist. Mit dem 20 Meter langen Seil unseres Wurfsackes gelingt es schließlich, das arg ramponierte Boot zu bergen. Jeder hat Angst vor dem Feuer, aber die meisten unterschätzen die Kraft des Wassers.

Dem Biwakplatz Le Gournier folgt eine Serie von wilden Stromschnellen. Während La Toupine mit Felsblöcken und nur knapp vom Wasser überspülten Steinen auf uns wartet, bringt der Schwall Grand Gour wieder richtigen Fahrspaß, hohe Wellen werfen das Outside von einem Wellental ins nächste. Die Strömung lässt nach, gemächlich treiben die Schlauchkanadier lautlos auf dem Wasser, Zeit zum Genießen.

Von weit her sichtbar, ragen die skurrilen Felsnadeln der Cathedrale genannten Felsformation weißlich schimmernd gen Himmel. Hoch über dem Grund der Schlucht liegt der Eingang zur Grotte de la Madeleine. Der Abend naht, auf dem Nudisten-Camp La Plage des Templiers finden wir einen Lagerplatz für die Nacht. Paddeln macht hungrig, mit Käse und Brot beruhigen wir unsere Mägen. Während Philip an seiner Flasche mit Apfelsaftschorle nuckelt, und am Ufer mit Begeisterung, glattgeschliffene Steine in den Fluss wirft, lässt der Rest der Mannschaft bei einer Flasche Rotwein den Tag ausklingen und schwärmt von den Eindrücken der vergangenen Stunden. Am Ufer breiten wir unser Nachtlager aus, wobei uns die Suche nach einer geeigneten Liegefläche einige Schwierigkeiten bereitet. Die Uferregion besteht aus faustgroßen, rundgeschliffenen Steinen. Als die Dunkelheit hereinbricht verstummt das lustige Gezwitscher der Vögel, doch das, die ganze Nacht andauernde, Quaken der Frösche erweist sich als wirksamer Schlafkiller; erst spät falle ich in einen unruhigen Schlaf.

Tags darauf sind wir bald auf den Beinen. Gegen acht treiben die Boote bereits flussabwärts. Die Ardèche gehört uns allein, weiche Nebel schweben über dem Fluss. Nur um den Kurs zu halten stechen die Paddel ins Wasser. Hoch über uns, Site d'Escalade, eine im Naturschutzgebiet für Kletterer freigegebene Felswand. Doch so früh am Morgen misst sich kein Climber mit dem vertikalen, glatten Gestein. Nicht nur die senkrechten Felsen hoch über dem Grund verheißen Gefahr, am Fluss warten unterspülte Prallwände mit scharfen Kanten auf die Kanuten. Wer hier nicht aufmerksam ist und rechtzeitig die Ideallinie erkennt, raspelt schmerzhaft entlang der spitzen Felsen. Neben dem Wasser dehnt sich eine Kieselbank aus, einige bunte Boote liegen am Ufer, daneben, die noch in Schlafsäcke gerollte Besatzung. Allein unsere Boote treiben auf der Ardèche.

Eine sichere Bootsführung verlangt die Stromschnelle La Cadière, doch dann trägt uns der Fluss geruhsam durch die Gorges de l'Ardèche. Immer wieder Höhlen in den lotrechten Felswänden, hoch oben - unerreichbar für uns. Die Sonne klettert höher und taucht alles in warmes Licht. Still und glitzernd zieht der Fluss in die Ferne, hier und da ein kleiner Schwall. In einer Biegung tritt die zerklüftete Felswand zurück, das felsige Ufer steigt zunächst stufig an. Mächtige Kalksteinblöcke prägen die Uferregion. Und auch sonst lädt diese Gegend, mit skurrilen Felsformationen zum Erkunden ein - wir legen an. Ein idealer Lagerplatz ist bald erspäht - eine zimmergroße, höhlenartige Ausspülung in dem, in Jahrtausenden, vom Wasser geformten Felsenszenario. Erst am frühen Nachmittag schubsen wir die Boote wieder ins Wasser, der Fluss zieht eine Schleife und knickt nach Süden. Vor uns liegt der Ausgang der Schlucht, die Höhen flachen sich zum Rhonetal hin kuppig ab. Gemächlich dümpeln wir flussabwärts, und viel zu rasch erreichen wir die Ausstiegsstelle bei Sauze. Während Helmut und ich mit den auf einem Campingplatz in Sauze abgestellten Stahlrössern, zum Umsetzen des Fahrzeuges, nach Vallon Pont Arc radeln, richten Hubert und Philip, Boote und Ausrüstung für den Rücktransport her.

Auf den Fahrrädern strampeln wir einem lang ansteigenden Sträßchen hoch, bis zu 300 Meter steigen die Wände über den Fluss empor. Bereits einige Kilometer liegt Sauze hinter uns, als wir die unweit der Straße liegende Grotte de St-Marcel passieren und bald darauf le Grand Belvédère erreichen. Wir genießen den herrlichen Blick in den Ausgang der Schlucht. Tief unter uns zieht die Ardèche eine fast kreisrunde Schleife, überragt von senkrecht abfallenden Kalksteinwänden und Baumbewuchs dort, wo der Fels es zulässt - ein reizvoller Kontrast. Der Fahrweg wendet sich nach Norden, knickt dann nach Westen und verlässt den Wald. Eine Weile schwitzen wir über die mit niederen Sträuchern bedeckte trockenheiße Kalkebene, ehe wieder der Rand der Schlucht erreicht ist, und uns an den Osthängen der Seitentäler das dichte Blätterdach des Waldes kühlen Schatten spendet. Kurvenreich folgt die Straße den Gorges und eröffnet uns immer wieder faszinierende Ausblicke auf endlos scheinende Wälder, lotrecht abfallende Felswände und das blaugrün schimmernde Band des Flusses. Winzig klein erscheinen tief unten einige Paddler mit ihren Booten. Ein Sträßchen führt schluchtwärts zur Madeleine-Höhle mit ihren grandiosen Tropfsteinformationen. Nebenan wurde das "Haus des Naturschutzgebietes Ardèche-Schlucht" eingerichtet, mit Ausstellungen über Tiere und Pflanzen der Region, und geologischen Modellen. Am 14. Januar 1980 wurde das Große Naturschutzgebiet vom Pont d'Arc geschaffen. Es umfasst die Ardèche-Schlucht von Chames bis Sauze. Sowohl das Tal selbst, auch die Abhänge der Schlucht und die Ränder des Hochplateaus, wurden unter Naturschutz gestellt.

In unzähligen Kurven windet sich die Höhenstraße bergauf, bergab. Bis in die hintersten Winkel der zahlreichen Seitentäler senkt sich der Weg um dann am Gegenhang umso hartnäckiger anzusteigen. Immer wieder halten wir an, lehnen die Drahtesel an einen Baumstamm und genießen die malerische Landschaft. Noch wenige Meter und der Belvèdére du Serre de Tourre ist erklommen. Ein letzter Blick in die Schlucht; von nun an führt jeder Meter nach Vallon Pont d'Arc, talwärts. Eine Traumabfahrt bringt uns nach sechs Kilometern zum Campingplatz. Nach weiteren drei Stunden sind auch Philip, Hubert und die Ausrüstung umgesetzt.

Anderntags zieht es uns auf die nördlich gelegene Hochebene. Zwischen den Gorges de l'Ardèche und der Sainte-Baume-Schlucht im Norden breitet sich das Plateau de Gras aus. Ein dünn besiedeltes Land, das besonders unter der brütenden Hitze eine gewisse Melancholie des Südens entfaltet. Kleine gewundene Straßen und Wege folgen Bächen, die im Sommer meist austrocknen und nur weißes Geröll und einige Pfützen hinterlassen. Auf der trockenheißen Kalkebene gedeihen typische Garrigue-Pflanzen wie Thymian, Lavendel, verschiedene Wolfsmilcharten, Ginster und Wacholder. Während die Garrigue (niedriger Buschwald) im Sommer beinahe verdorrt, bietet sich uns in der zweiten Juniwoche ein farbenfroher Blütenteppich. Orchideen und andere Zwiebelpflanzen überleben Dank ihrer wasserspeichernden Organe selbst die sommerliche Durststrecke. Wir sind begeistert von dieser Urlandschaft mit den betäubend duftenden Buscharten des Südens.

Auf dem Kalkplateau sind Wasserstellen so rar, dass es sich empfiehlt, selbst auf kürzeren Touren etwas trinkbares mitzunehmen. Die Niederschläge versickern im leicht löslichen Gestein und suchen sich unterirdische Abflusswege. Durch stetes tropfen schuf das Wasser Märchenwelten aus Tropfstein.

Im Waldgebiet erreichen wir die Höhle Aven de Marzal die 1892 von dem Höhlenforscher E. A. Martel und seinem Helfer Louis Armand erforscht wurde. Grandiose Säulen aus Stalagmiten und Stalaktiten und die selteneren, ungewöhnlich geformten und zerbrechlichen Exzentriker präsentieren sich hier dem Besucher. Ganz in der Nähe erwartet uns der Prähistorische Zoo von Marzal. Hinter jeder Wegbiegung tauchen die Nachbildungen von monströsen urzeitlichen Tieren auf, die lange vor dem Erscheinen unserer vorgeschichtlichen Vorfahren die Erde bevölkerten. Mit großen Augen bestaunt Philip die gigantischen Ausmaße der Dinos.

Nahe des Pont d'Arc führt ein schmaler Pfad zu einer Kieselbank vor der Charlemagne, einer der gefürchteten Stromschnellen. Hier lassen wir unsere Tour zur Ardèche ausklingen. Vom Ufer aus kann man in Ruhe beobachten wie einige Wassersportler ihre Kanus im Weißwasser der Wellen und Walzen mehr oder weniger abrupt versenken. Wie heißt "outdoor" auf französisch: plein air? Oder vielleicht "Ardèche"?

INFO Gorges de l'Ardèche (Frankreich)

Gorges de l'Ardèche: Die Schlucht der Ardèche liegt in Südfrankreich und bildet die Südgrenze des Departement Ardèche zum Departement Gard. In Jahrmilionen hat sich der Fluss in die gewaltigen Kalkplateaus eingeschnitten und die ganze Gegend bildete bereits für unsere steinzeitlichen Vorfahren einen idealen Lebensraum. In der Tat haben zahlreiche Unterschlupfe, Balmen und Höhlen bis in unsere Zeit, Spuren von Wohnstätten, Gräbern, aber auch Ritzzeichnungen und Malereien ihrer Höhlenheiligtümer und der dort vollzogenen Kulthandlungen bewahrt.Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben Forscher dank ihrer Untersuchungen Grabungen und Publikationen den Reichtum dieser Geschichte ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Spätestens seit der Entdeckung der Höhle Chauvet-Pont-d'Arc, im Dezember 1994, belegt die Region einen Spitzenplatz unter den prähistorischen Fundstätten Frankreichs. Die sehenswerten Höhlen, wie die Grotte de la Madeleine, Grottes des St-Marcel, Aven d'Ornac, und Aven Marzal sind im allgemeinen von März bis November geöffnet. Die Chauvet-Höhle ist für Besucher nicht zugänglich, jedoch wurde im Juni 1995 in Vallon Pont d'Arc eine Ausstellung eröffnet die hauptsächlich der Chauvet-Höhle gewidmet ist.Am 14. Januar 1980 wurde das "Große Naturschutzgebiet vom Pont d'Arc" geschaffen. Es umfasst die Ardèche-Schlucht von Chames bis Sauze. Hierzu gehört das Tal selbst, die Abhänge der Schlucht und die Ränder des Hochplateaus. Die interessante Pflanzenwelt wird von der Tierwelt noch übertroffen. Die Stars des Schutzgebietes sind die sehr seltenen Habichtsadler und die Schmutzgeier. 18 zum Teil seltene Fledermausarten leben hier. Mauer- und Alpensegler, Felsenschwalben, Blaumerlen, Kolkraben und Dohlen brüten in den Felsnischen. Unter den Greifvögeln trifft man den Schlangenadler, Mäusebussard, Habicht, Sperber, Schwarzmilan, Uhu, Sperlingskauz und Schleiereule. Die nachtaktive Ginsterkatze hält sich im felsigen Gebiet unweit des Wassers auf. Von den Reptilien finden unter anderen die Perleidechse (bis 70 cm lang, die größte Eidechse Europas), die Äskulapnatter und die Eidechsennatter (bis zu 2,50 m Länge, das längste Reptil Europas) hier einen Lebensraum.

Aktivitäten:

Im Umland der Schlucht wurden 300 km Wanderwege ausgearbeitet. Das rechte Ufer, um La Bastide de Virac (mittelalterliches Dorf) gelegen bietet schon alleine 150 km, davon 90 km auch für Reiter und Fahrrad zugänglich. Das linke Ufer, parallel zur Landstraße: 80 km, von welcher 45 km für Fahrrad und Reiter zugänglich sind.

Wege durch die Schlucht: Ein mindestens 5 m langes Seil mitnehmen.

1. Strecke ohne Furt: Ausschließlich das rechte Ufer. Zwei Kletterstellen (Schwierigkeit 2).

2. Strecke mit Furt: Beginn der Wanderung am linken Ufer. Notwendige Flussüberquerung zum rechten Ufer zwischen den Furten Gué des Champs und Gué Guitard. Vorsicht: Furt nur gehbar unter -1,50 m Wasserstand an der Brücke von Salavas.

Kanu:

Der Wasserweg durch die Gorges beträgt ca. 30 km. Ungefähr 30 meist harmlose Schwallstrecken und darauffolgendes Zahmwasser prägen den Wasserweg durch die Schlucht. Bei ca. einem Dutzend Stromschnellen wird eine sichere Bootsführung verlangt - meist können sie jedoch auch bequem umtragen werden. Als technisch schwierigste Passage erschien mir die Charlemagne unmittelbar vor der Pont d'Arc. Jegliches Befahren des Flusses ist untersagt wenn am Ufer an verschiedenen Stellen die rote Fahne gehisst ist - nach starken Regenfällen kann das Wasser um bis zu 10 Meter(!) ansteigen.

Die Schlucht der Ardèche ist Naturschutzgebiet, es müssen daher unbedingt die zur Verfügung stehenden Biwakplätze in Anspruch genommen werden. Wild Campen und Übernachten ist in der Schlucht verboten.

Die offiziellen Lagerplätze in der Schlucht mit sanitären Anlagen, Trinkwasser und Feuerstellen.

Biwak 1: Gaud (8,5 km nach Pont d'Arc).

Biwak 2: Le Gournier (13,5 km nach Pont d'Arc).

Außerdem: Camping des Templiers, Nudisten (20,5 km nach Pont d'Arc).

Reisezeit:

Das Klima ist mediterran mit mitunter heftigen Gewittern in Frühling und Herbst. Für Radfahrer und Wanderer ist der Frühling und der Herbst, für Kanuten von Ostern bis Ende Juni die beste Reisezeit. Im Juli/August ist die Gegend recht überlaufen.

Camping:

Wild Campen ist in Frankreich offiziell verboten und im Bereich der Gorges de l'Ardèche auch nicht ratsam. Außerhalb der Monate Juli/August findet man auf einem der vielen Campingplätze der Umgebung problemlos einen Stellplatz.