WENN DER BÄR KOMMT ...

Die Teilnehmer : Karl AFLENZER, Ernst BAIR, Hermann LÖSCHENKOHL, Fritz ATSCHREITER
    
Die Boote : 2 GRABNER ADVENTURE

Geplanter Ablauf

  • Flug Linz - Frankfurt - Vancouver - Whitehorse
  • Besorgen der letzten Ausrüstungsgegenstände und der Verpflegung
  • Autotransport nach Ross River (400 km)
  • Mit dem Wasserflugzeug zum Keele Lake (Flugzeit 1 Stunde)
  • 6 km durch den Busch zum Hess River, Befahrung des Hess bis zur Mündung in den Stewart River (270 km) mit schönen Wildwasserpassagen
  • Befahrung des Stewart bis zur ersten bewohnten Siedlung (Mayo) auf 160 km
  • Abholung mit dem Auto und Transport nach Whitehorse, Rückflug nach Linz

Wildwasserabenteuer im Norden Kanadas - von Fritz Aschreiter

Wir freuen uns schon auf unser geplantes Unternehmen zum Hess River. Mit längeren Passagen Wildwasser 2 bis 3 und einigen Stellen darüber, erscheint der Hess River genau das Richtige für uns zu sein. Außerdem wird das Gebiet des Hess als eine der wildreichsten Gegenden Kanadas beschrieben und die Einsamkeit ist durch den relativ langen (und teuren) Lufttransport zur Einstiegstelle garantiert.

Endlich beginnt das Abenteuer. Das Wasserflugzeug, das uns am Keele Lake absetzte, hebt ab, winkt noch einmal mit den Tragflächen und wir sind für die nächsten 3 Wochen auf uns alleine gestellt. 430 km auf den Flüssen Hess und Stewart mit allen möglicherweise auf uns zukommenden Schwierigkeiten liegen vor uns.

Die erste erwartete uns bereits am nächsten Tag. Um den Hess zu erreichen, müssen wir, dem Seeabfluss folgend, ca. 6 km hinter uns bringen. Einen Teil davon können wir befahren, ein Teil ist für das Treideln der Boote geeignet, den letzten Teil (2 km) müssen wir uns - zuerst mit der Ausrüstung und dann mit den Booten - durch eine weglose Gebüsch- und Sumpflandschaft durchschlagen.
   
Endlich, nach 5 Stunden mit Sack und Pack am Hess angelangt, können wir uns nur kurz freuen, denn nun wartet das Wildwasser auf uns. Eine Kenterung sollte vermieden werden, sie birgt die Gefahr der Verletzung und das Risiko, wichtige Ausrüstungsgegenstände oder gar das Boot zu verlieren. So gehen wir entsprechend vorsichtig an die Sache heran. Und dann passiert es doch. Die ersten drei Tage auf dem Hess sind mit je einem Sturz gespickt. Es passiert jedoch Gott sei Dank nichts, und die Verluste an Ausrüstungsgegenständen halten sich auch in Grenzen.

Nachdem der Fluss jetzt bereits breiter, der ruhige Lauf aber immer wieder durch Wildwasserstrecken unterbrochen wird, beschließen wir, die Boote zusammenzubinden, um so einen stabilen Katamaran zu erhalten, mit dem wir auch schwierigere Stellen gefahrloser befahren können.

Das großteils schöne und warme Wetter tut ein übriges dazu, die nächsten Tage in einer Landschaft mit herrlichen Canyons und schönen Wildwasserpassagen zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen. 

Unsere Erwartungen haben sich erfüllt. Einzig vom beschriebenen Wildreichtum haben wir noch nichts bemerkt. Mit Ausnahme einiger Elche, die wir in der Entfernung beobachten können, sowie Gänsen und Möwen erscheint die Landschaft wie ausgestorben. Auch die erhoffte Bärensichtung (mit entsprechendem Respektabstand natürlich) war uns noch nicht vergönnt. So erreichen wir nach 9 Tagen den Stewart River, der außer zwei Stromschnellen und dem Fraser Fall, der umtragen werden muss, nur noch Flachwasser bietet. Schönes Wetter und genügend Zeitreserven erlauben uns nun, die Tagesetappen zu verkürzen und uns mehr der Gemütlichkeit und der Erforschung häufiger werdender Trapperhütten und Jagdcamps zu widmen.

Etwa 40 km vor unserem Ziel Mayo wollen wir noch eine Wanderung zu einem nahen See (Janet Lake) unternehmen und eine Nacht am See verbringen. An der Einmündung des Seeabflusses in den Stewart schlagen wir unser Lager auf.

Nach unserer Rückkehr am nächsten Tag bemerken wir rund um unser Lager viele frische Bärenspuren und Losungen sowie, dass eines unserer Boote leck ist. Die Luft im linken Schlauch ist heraus und der Boden hängt schlapp durch. Noch nie haben uns unsere Adventure im Stich gelassen.

Das robuste Bootsmaterial hat unsanfte Berührungen mit Felsen im Fluss, Fahrten über Steine und spitze Äste locker hingenommen. Wir finden Kratzspuren am Boot, wobei die letzten Zweifel über den Bären beseitigt wurden.
   
Wir kontrollieren den Schaden - insgesamt 5 Löcher - und fangen mit dem Kleben an, was Gott sei Dank bei Grabner Booten leicht und schnell selbst gemacht werden kann. Drei Stunden später - große Aufregung - der Bär ist zurück!

Keine 15 Meter entfernt am anderen Bachufer taucht er auf und kommt direkt auf uns zu. Wir müssen ein seltsames Bild abgegeben haben. Vier Gestalten auf einer Schotterbank, bewaffnet mit einer Axt, zwei Paddeln, einer Bratpfanne, einer Dose Pfeffer (das soll helfen!) und einigen Knallfröschen. Ich zünde zwei Knaller, die anderen machen Lärm und nach einigen Minuten zieht sich der Bär zurück, taucht aber 30 Meter flussabwärts wieder auf und zeigt uns, wie man Lachse fängt.

Wir beschließen, diese Nacht abwechselnd "Bärenwache" zu halten und unsere Boote bärensicher drei Meter hoch in den Bäumen zu verstauen. Zum Glück verläuft die Nacht dann aber ruhig. Wenn jedoch überhaupt jemand gut geschlafen hat, dann dürfte es wohl der Bär gewesen sein.

Etwas müde, aber sichtlich erleichtert, fahren wir am nächsten Morgen weiter und verbringen die letzten Tage bei herrlichem Wetter, noch unter dem Eindruck unseres Abenteuers stehend, etwas nachdenklich, aber auch froh über unser bemerkenswertes Erlebnis.

Am Ziel unserer Reise werden wir mit dem Auto nach Whitehorse zurückgebracht und nächsten Tag verlassen wir Kanada mit dem Flugzeug in Richtung Heimat.

Vergessen sind die Strapazen und manch banger Augenblick, zurück bleiben viele schöne Erinnerungen und unvergessliche Eindrücke, die es zu Hause erst einmal aufzuarbeiten gilt.