Snake River – Yukon Territory - Kanada

Bericht + Fotos: Hermann Löschenkohl

Teilnehmer: Karl Aflenzer, Fritz Atschreiter, Andi Schrempf; Andreas Lehner, Georg Konstanznig

Distanz: 300km

Dauer: 15 Tage

Boote: 2 Adventure, 1 XR Trekking

18. Juli, Treffpunkt Flughafen Linz Hörsching, 5,45 Uhr. Pünktlich treffen alle 6 Teilnehmer des Snake River Abenteuers ein. Georg und Andi stehen schon vor der Abflughalle, Fritz kommt zugleich mit Karl, Andreas und mir.

Etwa 300 kg Ausrüstung werden in die Halle verfrachtet und verschwinden während des Eincheckens nacheinander auf dem Förderband.

Pünktlich starten wir Richtung Frankfurt, von dort geht es nach Vancouver an der Westküste Kanadas und schließlich noch zweieinhalb Flugstunden nach Norden, nach Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon Territoriums. Dieser Teil Kanadas liegt am Polarkreis, ist etwa sechsmal so groß wie Österreich, hat aber nur 35.000 Einwohner, hier leben mehr Bären als Menschen!

Mark Stenzig von Up North, dessen Firma Unterstützung für abenteuerlustige Europäer anbietet, holt uns wie vereinbart vom Flughafen ab. Am nächsten Tag, nachdem wir 60 kg Proviant eingekauft haben, bringt er uns 400 km weiter nach Norden, nach Mayo, einem 400 Seelen Indianerdorf.
Während wir unseren ganzen Krempel aus dem Auto laden und zum Landeplatz für Wasserflugzeuge schleppen, landet Ernie, der 57-jährige Buschpilot, mit seiner einmotorigen Otter auf dem Stewart River. Ernie sieht aus wie die Miniaturausgabe von Santa Claus. Keine 1,70 Meter groß, weiße lange Haare, Rauschebart, mächtiger Bauch und eine Brille auf der Knollennase, gilt aber wegen seiner großen Erfahrung als einer der besten Piloten im Territorium.

Wir verstauen unser Gepäck im Flugzeug, Ernie füllt Treibstoff nach und zwanzig Minuten später rauscht das Wasser kurz unter den Schwimmern, wir heben ab und fliegen durch einen Gewittersturm, der uns ordentlich beutelt, etwa eine Stunde in die Mackenzie Berge zu den Duo Lakes, zwei kleinen Seen, auf denen Wasserflugzeuge landen können.

Nach der Landung besprechen wir mit dem Piloten, dass er uns in zwei Wochen an der Mündung des Flusses, den wir befahren wollen, wieder abholen wird.
Kurz, nachdem das Flugzeug hinter den Bergen verschwunden ist, stellen wir unsere Zelte auf und flüchten unter unsere Plane, weil es zu regnen begonnen hat. Einige Stunden später erleben wir aber einen phantastischen Sonnenuntergang etwa um Mitternacht.

Den nächsten Tag verbringen wir wandernd in den großartigen Bergen um die Seen, die Sonne scheint, es ist richtig heiß, auch die Stechmücken wissen das gute Wetter und unsere Anwesenheit als Nahrungsquelle zu schätzen.

Am Morgen darauf transportieren wir unsere Ausrüstung etwa 2 Kilometer zum Fluss hinunter. Wir beschließen wegen des einfachen Geländes größere Lasten zu tragen, um den Weg nur zweimal zurücklegen zu müssen. Auch unsere Boote, zwei Adventure und ein XR Trekking befinden sich noch in den Packsäcken, wiegen etwa 35 Kilo inklusive Paddel und Spritzdecke.

Auf dem Rückweg der ersten Tragestrecke begegnen wir einem ausgewachsenen Grizzlybären, der das Seeufer nach Fressbarem absucht. Er ist etwa 8o Meter von uns entfernt, bemerkt uns, bleibt stehen und setzt sich nieder. Wir machen das selbe und nach einigen Minuten verliert der Bär das Interesse an uns, setzt seinen Weg fort und ist einige Augenblicke später hinter einem Hügel verschwunden.
Etwas besorgt um unsere Verpflegung, die sich allerdings in luftdichten Kunststofftonnen befindet, gehen wir ins Lager zurück. Der Bär muss direkt an unseren Zelten vorbeigekommen sein, aber es ist alles in Ordnung, die Provianttonnen sind unversehrt.

Am nächsten Morgen werden nach dem Frühstück die Boote ausgepackt, aufgepumpt und beladen und wir starten unsere Befahrung des Snake Rivers. Das Wasser ist glasklar und für unsere schwer beladenen Kanus gerade tief genug. Immer wieder teilt sich der Fluss in mehrere Arme auf und es gilt, sich blitzschnell zu entscheiden, welcher die besten Aussichten auf ein problemloses Vorankommen bietet.

Nach etwa zwei Stunden fahren wir in den ersten Canyon des Snake River ein. Die Felswände sind etwa vierzig Meter hoch, der Fluss zwängt sich in mehreren Kurven durch die Schlucht, wobei jede einzelne Stromschnelle vor der Befahrung besichtigt werden muss. Wildwassertechnisch ist die letzte die schwierigste. Das Wasser rauscht über einige Absätze direkt auf eine unterspülte Felswand zu und läuft im neunzig Grad Winkel weiter. Wir diskutieren die optimale Fahrtroute, steigen anschließend in die Boote und schließlich erreichen alle drei Teams wohlbehalten das Ende des Canyons.
Dort mündet der Reptile Creek in den Snake River ein, wir ziehen unsere Boote dreihundert Meter den Seitenfluss zu einem idealen Lagerplatz auf einer ausgedehnten Sandbank unterhalb einer kleinen Schlucht hinauf.

Am nächsten Morgen beraten wir während des Frühstücks darüber, den wunderschönen warmen Tag für eine Wanderung auf einen der umliegenden Berge zu nutzen und erst am übernächsten Tag die Flussreise fortzusetzen. 

 
Plötzlich bemerkt Karl eine Bewegung im Gebüsch am unteren Ende der Schotterbank. Gespannt beobachten wir die Bewegungen der Zweige, nein, diesmal ist es kein Bär, ein ausgewachsenes Waldkaribu, der kanadische wilde Verwandte des Rentieres, verlässt das Gebüsch und läuft über die offene Sandbank direkt auf uns zu. Wir bleiben bewegungslos sitzen und versuchen jedes Geräusch zu vermeiden, nur Karl kramt hektisch nach seiner Kamera. Das Karibu hat uns jetzt bemerkt, weiß aber offensichtlich nicht, was es von uns halten soll. Nervös springt es ein paar Schritte nach links, dann einige nach rechts, vor und zurück, keine zwanzig Meter von uns entfernt. Schließlich nimmt es scheinbar seinen ganzen Mut zusammen und trabt erhobenen Hauptes mitten durch unsere Frühstücksgesellschaft hindurch um Sekunden danach zu verschwinden. Wir sitzen noch immer unbeweglich und staunen über das gerade Erlebte, bis einer schließlich meint: „So ist das eben in Kanada!"

Eine Tagesreise weiter mündet der Milky River in den Snake, er trägt seinen Namen zu Recht, sein Wasser ist beinahe weiß wie Milch, verursacht wird dies durch Sedimente im Fluss, die von Gletschern abgeschliffen werden. Nachdem sich dieses Wasser mit dem Snake vermengt hat, erhält der Fluss eine unglaubliche türkise Farbe.


Drei Tage später erreichen wir den mittleren Canyon, die schwierigste Stelle der gesamten Fahrt. Der schon beträchtlich angewachsene Fluss verengt sich auf wenige Meter, beschleunigt unglaublich und verschwindet rauschend im rechten Winkel nach links in einer tiefen Schlucht. Nur diese Einfahrt in die Schlucht erfordert einiges an Können, im Canyon selbst nehmen die Schwierigkeiten rasch ab. Konzentriert gehen wir die Sache an, das erste Boot hat kleine Probleme, die beiden restlichen Teams können sich an dieser Fahrt orientieren und meistern die Stelle gekonnt.

Acht Tage später erreichen wir die Mündung des Snake River in den noch größeren Peel River, wir haben 300 Kilometer mit unseren Booten auf einem Fluss zurückgelegt, der von keiner Straße berührt wird, kein Ort liegt an seinen Ufern.

Die Gebirgslandschaft am Snake River beeindruckte uns wegen ihrer Schönheit während der gesamten Fahrt. Der Fluss präsentierte sich abwechslungsreich und verlangte immer ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.

Am Tag darauf  werden wir wie vereinbart von Ernie mit seinem Wasserflugzeug an der „Taco Bar“ genannten Schotterbank abgeholt und in die Zivilisation zurückgebracht.