MIT DEM ADVENTURE TRIMARAN AM BODENSEE

Boot : GRABNER ADVENTURE TRIMARAN

Zweitagesreise am Bodensee mit dem neuen ADVENTURE TRIMARAN
von Kurt Heiligenmann

Anlässlich der Erprobung des neuen Adventure Trimaran am Bodensee nahm ich die Gelegenheit wahr, die Reisetauglichkeit zu testen. Da schönes Wetter vorausgesagt war, nahm ich nur einen Schlafsack mit. Der ebene Luftboden des Adventure sollte als Bett dienen.

Schon beim Start wurde ein entscheidender Vorteil dieses Bootes sichtbar. Der Bodensee ist derart verbaut, dass er mit einem Boot von der Straße aus kaum erreichbar ist. Durch das, im Vergleich zu anderen Booten winzige Packmaß (Besegelung 150 x 30 x 30 cm, Adventure ein Paket, dass man unter dem Arm tragen kann) und geringe Gewicht, war es kein Problem, das Boot die 150 Meter vom Parkplatz bis zu einem Schotterstrand bei Ludwigshafen am Nordwestende des Sees zu tragen. Schon bei der 400 km Anreise war es erstaunlich, dass das gesamte Boot mit Besegelung, 3 Personen und Gepäck bequem IN einem Auto von Golfgröße Platz hatten.

Beim Aufbau wollte ich es wissen und drückte die Stoppuhr: In unglaublichen 15 Minuten war das Boot segelfertig! (Wobei ich davon nur 4 Minuten für das Aufpumpen mit der normalen Handpumpe benötigte, was eher als Leistungssport zu bezeichnen ist...)

Sonntag um 9 Uhr konnte ich dann ablegen. Es gab zwar herrlichen Sonnenschein, aber keinen Hauch Wind. So griff ich zum Stechpaddel und benutzte das Adventure in seiner ursprünglichen Bestimmung als Kanadier. Durch die Besegelung und die Ausleger kam es dabei zu keinerlei Einschränkung. Die abgesenkten Seitenschwerter verbesserten sogar den, bei diesem Boot ohnehin hervorragenden, Geradeauslauf. So waren die 4 km bis Sipplingen eine genussvolle Paddeltour nach der ich an einem schönen Strand anlegte. Durch das geringe Bootsgewicht ist es praktisch überall möglich, das Boot allein an Land zu bringen. Das Großsegel wird mit einem Handgriff ins Bootsinnere verfrachtet und mit dem Baumniederholer festgezurrt, das Vorsegel wird um das Vorstag gewickelt. So kann man das Boot unbesorgt stehen lassen.(siehe Foto)

Nach einem Spaziergang im Ort und einem verspäteten Frühstück kam endlich leichter Wind auf, allerdings genau aus der Richtung in die ich wollte. Es waren nun schon einige Segelboote am See, wodurch ich einen guten Vergleich der Segeleigenschaften hatte.
Das Resultat war verblüffend: Das Adventure Trimaran läuft die gleiche Höhe am Wind wie gute Jollen und Segelyachten. Ich wurde sogar am Wasser bewundernd darauf angesprochen. Wie ich später erfuhr, haben einige Leute, die das Boot gesehen haben, bei der Firma Grabner angerufen, um sich zu erkundigen, ob es schon erhältlich ist.

Nächste Station war die Stadt Überlingen nach der dieser Teil des Bodensees seinen Namen hat. Dort habe ich allerdings nicht angelegt, sondern bin direkt in Richtung Konstanz weitergesegelt. Ich konnte es selbst kaum glauben, dass ich mir bei leichtem Wind und reinem Kreuzkurs diese Ziel setzen konnte. Während einiger Stunden Segelvergnügen ging es an der Insel Mainau vorbei und über die Linie der stark befahrenen Fährverbindung zwischen Konstanz und Meersburg. Durch die Ausleger ist das Boot derart stabil, dass jede bequeme Position im Boot möglich ist, ohne auf Schräglage achten zu müssen (allerdings nur bei Leichtwind).

Kurz vor Konstanz ging ich an einer Schotterbank wieder an Land, wobei ein Heißluftballon dicht hinter mir ein schönes Bild ergab. Ein gemütlicher Spaziergang brachte mich in die Innenstadt, wo ich mir zum Abendessen ein schmackhaftes Chili con Carne gönnte. Nach 22 Uhr kam ich zurück zum Boot. Um neugierigen Spaziergängern und eventuell streunenden Hunden zu entgehen, beschloss ich ein Stück hinauszupaddeln und an der Begrenzungstonne eines Badestrandes festzumachen. Das Vorsegel blieb ums Vorstag gewickelt. Das Großsegel wurde nur am Mast heruntergelassen und über das Boot aufgefächert. Dadurch hatte ich einen vom Tau geschützten Schlafplatz. Hinein in den Schlafsack, eine Fleecejacke als Polster und schon hatte ich das schönste Hotelzimmer. Oft sind wirklich die einfachsten Dinge die Besten.

Am Morgen konnte ich einen herrlichen Sonnenaufgang genießen, nur in Gesellschaft eines Graureihers und eines Fischers, der idyllisch in seinem Boot saß. Mit welchem Boot wäre so ein Erlebnis mit derart wenig Aufwand noch möglich? Das Adventure ist so unauffällig, dass so eine Übernachtung auch in einem Land möglich ist, in dem sonst fast alles verboten und streng geregelt ist. Mit einem maßgeschneiderten Zelt auf dem Boot müssten da völlig unkompliziert Reisen möglich sein, von denen wahrscheinlich nicht nur ich träume. Ob es so etwas vielleicht einmal geben wird? Die wasserdichten, maßgeschneiderten Packtaschen für das Boot gibt es jedenfalls schon. Ich hatte sie aber leider nicht mit und so musste ein zweckentfremdeter Müllsack diese Aufgabe mehr schlecht als recht übernehmen.

Nach einem erfrischenden Bad im See konnte die Reise weitergehen. Durch die Ausleger ist auch das Hineinklettern vom Wasser ins Boot sehr einfach. Da eine feine Brise wehte, ging die Überfahrt nach Meersburg auf Halbwindkurs fast zu schnell. Die Stadt bietet vom Wasser aus ein wunderschönes Panorama. Ein Platz zum an Land gehen in Zentrumsnähe war wieder überhaupt kein Problem. Ein Genuss, wenn man bedenkt, dass mit dem Auto in dieser Stadt ein Parkplatz nur schwer zu finden ist und dann auch noch viel kostet. Ein gutes Frühstück und ein Stadtbummel, besonders die malerische Oberstadt, waren ein Hochgenuss. Dabei nahm ich gleich die Gelegenheit wahr, das Dornier Museum zu besuchen.

Gemütlich ging's dann wieder Richtung Nordwesten nach ?hldingen mit seinem berühmten Pfahlbauten. Und wieder kam der Wind genau von vorne...
Während der Besichtigung der Pfahlbauten kam stärkerer Wind auf und die Starkwindwarnung begann überall am See zu blinken. Das kam mir gerade recht. Schnell wurde das Vorsegel ausgerollt. Das Großsegel ließ ich sicherheitshalber unten. Festgezurrt hindert es nicht beim Segeln. Auch mit dem Vorsegel allein lässt sich der Adventure Trimaran problemlos segeln, sogar wie in meinem Fall nötig, kreuzen. Damit müsste dann eigentlich bei fast jedem Sturm ein sicheres Ufer zu erreichen sein. Als der Wind wieder etwas schwächer wurde, setzte ich mitten am See mit wenigen Handgriffen das Großsegel. Jetzt begann eine neue Dimension des Segelspaßes. Das vom Ausleger wegspritzende Wasser machte deutlich sichtbar welches Geschwindigkeitspotential in diesem Boot steckt, da lacht das Herz des Fun-Seglers. Auch bei diesen Bedingungen ist die Stabilität des Bootes durch die Ausleger, die 250 cm breit sind und einen Auftrieb von je 30 kg haben, derart groß, dass nie ein Gedanke an eine Kenterung aufkommt. Selbst wenn einmal ein Schwimmer vollkommen abtaucht, bleibt immer noch genug Zeit durch öffnen der Schoten das Boot wieder aufzurichten. Sollte das Boot trotzdem kentern, ist es mit Hilfe der Ausleger leicht wieder aufzurichten. Das habe ich jedoch zu einem anderen Zeitpunkt, ohne Schlafsack und Kamera an Bord probiert.

So verflogen die Stunden und ich war am Abend in Ludwigshafen. In wenigen Minuten war das Boot unter so manchen staunenden Blicken wieder im Auto.

Der Gedanke fasziniert wohl viele: Ein vollwertiges, ausgezeichnetes Segelboot, das gleichzeitig ein Wanderkanadier und Wildwasserboot ist, auf jeder Reise einfach IM Auto dabei und trotzdem Platz für mehrere Personen und Gep?ck. In einem Auto den Golfgröße braucht nur ein Teil der Rücksitzlehne umgeklappt zu werden, um die Besegelung unterzubringen, das Boot selbst ist bekannter weise ohnehin kein Problem. Das OUTSIDE, für welches diese Trimaranbesegelung ebenfalls konstruiert ist, ist sogar noch kleiner und leichter.


Ich bin zwar allein gesegelt, doch sind Adventure und OUTSIDE Trimaran für 2 Erwachsene, auch mit ein bis zwei Kindern, konzipiert.

Nach dieser Tour eröffnen sich durch die positiven Erfahrungen natürlich ganz andere Ideen:
Es wäre zum Beispiel ein herrliches Erlebnis, die kroatische Küste entlang zu segeln und dann samt Boot mit dem Linienschiff zum Ausgangspunkt zurückzufahren. Bei diesem Packmaß und diesem geringen Gewicht sicher kein Problem. Besonders an den Inseln gibt es überall kleine Buchten, in denen man auch allein jederzeit das Boot an Land bringen kann um sich vor eventuellen Unwettern zu schätzen oder zu übernachten. Man könnte auch in jeden noch so kleinen Fischerhafen fahren, da der Adventure oder OUTSIDE Trimaran bei aufgeklappten Seitenschwertern fast keinen Tiefgang hat. Ich bin in diesem Gebiet oft mit einer großen Segelyacht unterwegs, wobei es bei Unwettern und zum sicheren übernachten das größte Problem ist einen geeigneten Ort zu finden.

Ich bin sicher, dass der ADVENTURE und OUTSIDE Trimaran Viele zu Reisen und Abenteuern verlocken wird, die mit bisherigen Booten nur wesentlich aufwändiger und nicht mit dieser Sicherheit zu realisieren wären und freue mich schon auf die Berichte!

Kurt Heiligenmann