Tagliamento

Ein Bootsabenteuer mit Kindern

Bericht + Fotos: Andreas Mayer

Zeit: 8.6. - 10.6.2013

Einstieg: Venzone

Ausstieg: Latisana

Distanz: 87 km

Dauer: 3 Tage (Fahrzeit insgesamt 15 Stunden)

Teilnehmer: 1 Erwachsener und 2 Kinder (5½ und 4 Jahre)

Boot: ADVENTURE SL

Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)
Grabner Schlauchkanadier (Schlauchboot, Luftboot)

Freitagnachmittags fahre ich mit meinen beiden Buben nach Venzone. Ein günstiger Einstieg bei der Brücke ist schnell gefunden. Die Ausrüstung muss an dieser Stelle nur ein paar Schritte über Stufen zum Ufer getragen werden. Direkt an der Brücke befindet sich ein kleiner Rastplatz mit Parkplatz. Abends geht es zum Pizzaessen in das malerische Städtchen. Die burgartigen Gemäuer mit Wassergraben haben uns gut gefallen. Geschlafen wird im Auto am Parkplatz.

 

Nach dem Frühstück im Café im Ort geht es wieder zurück zur Einstiegsstelle. Das Adventure wird am Ufer aufgebaut, alle Packsäcke darin verstaut und um 11:00 geht es los. Das Wasser fließt munter dahin. Ständig sind Hindernisse und kleine WW-Stellen zu umfahren, was aber nicht schwierig ist. Das Mini-Kraftwerk bei Ospedaletto kann umfahren werden. Sorgen bereiten mir vor allem die Tragestellen, da ich ja mit den Kindern alleine unterwegs bin. Und bei der ersten Brücke ist es auch so weit. Eine schwallartige Stufe mit Blöcken, ich traue mich nicht zu fahren und entlade das Boot. Leer kann ich das Boot so recht und schlecht meterweise tragen. Am rechten Uferrand sind es ca. 50 Meter bis zum Wiedereinsetzen. Bald danach die nächste Brücke (A23). Hier versperrt uns ein ca. 1,50 Meter hohes Wehr mit danach noch zwei kleineren Stufen erneut den Weg. Also gehe und klettere ich mit den Kindern mehr oder weniger im Trockenen über die Stufen und suche einen schönen Platz, wo sie Sandspielen können und ich sie immer im Auge habe bis ich wieder komme. Das Boot schubse ich diesmal vollbeladen über das Wehr ins Wasser und klettere nach. Gut, dass es heiß ist, denn ich werde ordentlich nass.

In 30 Minuten ist es geschafft und es geht weiter. Schon ab dem frühen Nachmittag donnern die Gewitter neben uns in den Bergen und wir schauen, dass wir weiter Richtung Flachland kommen. Um 16:30 beenden wir die Fahrt ca. einen Kilometer hinter der Brücke bei Pinzano auf einer traumhaften Sandinsel in Flussmitte. Das Zelt wird schnell aufgebaut, denn die Gewitter nähern sich immer mehr. Eine Stunde später grollt der Donner über uns und es zucken die Blitze. Zeit für das Abendessen, aber bei dem Wetter muss ich leider im Vorzelt kochen. Vor Sonnenuntergang beruhigt sich das Wetter wieder und die Buam können nochmals raus zum Spielen.

 

Am nächsten Tag ist es glücklicherweise wieder sonnig. Wir erkunden die Insel und fühlen uns wie im Paradies. Hier würden wir gerne einen Tag Badeurlaub machen. Weil das Wetter zu instabil ist, wird es nur ein halber Tag und ich entscheide mich zum Weiterfahren. Um 11:30 sitzen wir wieder im Boot. Das Flusstal weitet sich immer mehr. Man muss sich ständig entscheiden, welchem der vielen Wasserläufe man folgt. Die Wassertiefe reicht nicht immer. Gerade am Wechsel von einer Fahrrinne in die andere springe ich oft aus dem Boot und treidle ein paar Schritte. Der Fluss mäandert in dem breiten Tal auch ununterbrochen von der einen auf die andere Seite, so dass die Fahrstrecke sich deutlich verlängert. Unter den zwei Brücken des heutigen Tages können wir durchfahren, es gibt keine Tragestellen mehr. Das Wasser fließt flott und immer wieder weichen wir kleinen Schwällen und im Wasser liegenden Hindernissen (Bäumen) aus. Am Nachmittag wird es ungemütlicher, da Wolken die Sonne verdecken und Wind aufkommt und wir ja doch in nasser Badekleidung im Boot sitzen. Beim Suchen einer schönen Übernachtungsstelle sind wir etwas wählerisch, wodurch es fast eine Stunde dauert bis wir um 16:00 eine gefunden haben. Kurz nachdem das Zelt steht, geht wieder das Gewitter los und der Regen hört nicht so schnell auf, so dass wir bis zum nächsten Morgen 15 Stunden im Zelt verbringen.

 

Der Morgen des 3. Tages beginnt mit Gummistiefel, Fleecejacke und Regenjacke. Ein schnelles Frühstück und um 09:00 es geht weiter. Diesmal auch im Boot mit Jacken und Gummistiefel. Vormittags wird es wieder wärmer, das Tal schmäler, das Wasser tiefer und ruhiger. Kurz vor Latisana flüchten wir uns an Land, da ein ungeheures Gewitter über uns hereinbricht. Eine Stunde verharren wir in einem provisorischen Unterstand, werden trotzdem nass, sind aber heilfroh nicht am Wasser zu sein. Kommentar des Jüngsten: „Zeus wollte uns töten, aber er hat es nicht geschafft!“ Nach einer Stunde ist der Zauber vorbei und wir paddeln in fast stehendem Wasser nach Latisana welches wir um 15:00 erreichen.

 

Angesichts des stehenden Gewässers und der nicht mehr so attraktiven Landschaft, verwerfe ich den Plan noch nach Lignano weiter zu fahren. Das Meer zu erreichen war schon auch ein Ziel der Reise, außerdem hätte ich meine Sachen gerne auf einem Campingplatz gelassen. Aber weit und breit kein Motorboot, dass uns schleppen könnte… und so schlagen wir in Latisana auf dem Damm neben dem Ospedale unser Zelt auf.

 

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus nach Udine (Intervalle ca. 2 Stunden) und mit dem Bummelzug (Intervalle ca. 1 Stunde) weiter nach Venzone, wo der Bahnhof direkt an der Einstiegsstelle liegt. Mit unserem Auto fahren wir dann wieder nach Latisana um unsere Sachen vom wilden Stadtcampingplatz zu holen.

 

Am nächsten Tag holen wir noch meine (besorgte) Frau mit dem 3. Buam vom Zug ab, und verbringen den Rest der Woche bei Grado am Meer.

 

Fazit: Ein tolles Abenteuer in der Wildnis, fahrtechnisch interessant aber nicht schwierig. Nicht später als Anfang / Mitte Juni, da sonst wohl zu wenig Wasser (wir sind ja unmittelbar nach dem mitteleuropäischen Jahrhunderthochwasser gefahren). Bei stabilerem Schönwetter würde ich beim nächsten Mal weniger Tagesfahrzeit und dafür mehr Badezeit und Lagerfeuer einplanen.


Zusatzinfo: 87 km mit nur zwei Tragestellen, von denen man die erste auch fahren könnte. Kein Bootswagen erforderlich, Verlängerung nach vorne (Tolmezzo oder Deganomündung) und nach hinten (Lignano) möglich.