Glück kann so einfach sein!

Kanutour mit ZELT & HUND auf Foxen und Stora Lee - Schweden 2016

Bericht + Bilder: Samira Kassel

Urlaub in Schweden? (Was soll der Scheiß?!) Bei Dauerregen & Moskitos – Nein Danke!

„Hallo, Sie kennen sich doch hier aus, sagen Sie mal, was gibt es denn hier für Sehenswürdigkeiten, die man sich anschauen kann?“.

Verdutzt sehe ich auf. Vor mir steht ein Vater mit zwei kleinen Kindern und seiner Frau. Erwartungsvoll schaut mich die Familie an. Ich muss wohl etwas irritiert ausschauen, denn der Familienvater fügt schnell hinzu: „Ach, entschuldigen Sie, Sie kennen mich ja nicht. Ich bin das erste Mal mit meiner Familie im Norden unterwegs und habe mir vor der Reise sehr viele Ihrer YouTube-Videos angeschaut. Besonders toll fand ich letztes Jahr Ihre Segelgepäcktour mit dem Happy Cat NEO. Jedenfalls haben uns die Clips richtig Lust auf Schweden und Norwegen gemacht. Aber dass wir Sie auch noch prompt hier treffen, mitten in Schweden in ihrem Lieblingscamp Grinsby am Stora Bör, hätte ich nicht gedacht!“. So langsam begreife ich. Der Herr vor mir ist wohl einer der zahlreichen Nutzer des YouTube-Kanals meines Vaters. Auf diesem Videoportal befinden sich unter anderem auch viele Videos von früheren Paddel- und Segeltouren in Schweden.

„Also was ist denn nun mit den interessanten Sehenswürdigkeiten?“, hakt der wissensdurstige Familienvater (Herr) nach. „Ja, also…“, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Wer fährt denn bitteschön hierher, um Sehenswürdigkeiten anzuschauen?!
„Wissen Sie“, antworte ich, „das Besondere hier ist die unberührte Natur. Endlos weite Wälder, glasklare Seen und Flüsse, einsame Inseln. Es ist die Stille, die man hören kann, nur unterbrochen von dem heiseren Geschrei der Seeschwalben und Möwen, dem Geplätscher des Wassers und dem Rauschen des Windes in den Baumkronen.“ „Ach so…Na ja, dann werden wir uns wohl mal ein bisschen umschauen. Ihnen noch viel Spaß und Erfolg bei Ihren weiteren Touren!“, antwortet der etwas verdatterte Familienvater und zieht samt seiner Familie von dannen.

„Erfolg?“, frage ich mich innerlich. „Wann ist eine Tour in der Wildnis erfolgreich? Wenn man nicht von Bären und Wölfen aufgefressen wird? Wenn man sich nicht verletzt hat? Wenn man das geplante Ziel erreicht? Wenn das Wetter immer gut war und das Material gehalten hat?“ NEIN! Vielmehr geht es darum, mein Leben zu bereichern und meinen Erfahrungshorizont zu erweitern. Ich kann mir ehrlich gesagt keinen Outdoor-Urlaub, keine Rucksackwanderung und keine Paddel- oder Segelgepäcktour  vorstellen, welche diese Dinge nicht erfüllt.

Paddeln auf einem der schönsten Seen Värmlands

Diese Begegnung mit der deutschen Familie im schönen Camp Grinsby  ist nun eine Woche her. Mittlerweile befinde ich mich zusammen mit meinem Vater, unseren Hündinnen Luzy und Fly, sowie unserem altbekannten Freund Raimund auf einer Kanu-Gepäcktour auf den Seen Foxen uns Stora Le.

Als Foxen wird der nördliche Teil des Stora Le bezeichnet. Beide Seen gehören zu dem Seen-Netz des Dalslandkanals. Der Foxen ist sehr tief und klar. Seine Ufer sind meist steil und unzugänglich, dafür verfügt er über zahlreiche kleine Inseln, die sich gut zum Campieren eignen. Allerdings dienen einige der Inseln dem Vogelschutz, auf diesen darf man in den Sommermonaten nicht campieren.

Der Stora Le hingegen ist fast insellos. Dieser wilde, einsame See hat eine Länge von 50 km und ist an der breitesten Stelle „nur“ 3km breit. Im Nord-Osten gehört ein Teil des Stora Le zu Norwegen. Beide Seen zusammen bedecken eine Fläche von 131 km² und sind in eine Mittelgebirgslandschaft eingebettet. Umgeben werden sie von naturbelassenen Wäldern, meist Kiefern und Birken. Diese sogenannten Zungenbeckenseen entstanden vor 10.000 Jahren zur letzten Eiszeit in Nordeuropa. Damals wurden Spalten und weichere Gesteinsschichten von eiszeitlichen Gletschern ausgehöhlt.

Beide Seen sind bei Paddlern sehr beliebt und bieten zahlreiche Möglichkeiten für größere und kleinere Kanugepäcktouren. Wir haben unsere Tour vom Campingplatz „Elovsbyn Camping & Canoe“ gestartet. Es ist ein kleiner Naturcampingplatz in Lennartsfors am Foxen und eignet sich gut als preiswerte Basis für eine mehrtägige Gepäcktour.

Unterwegs sind mein Vater und ich in den aufblasbaren Gummischlauchbooten „Explorer II“ und „Riverstar“ der österreichischen Luftbootfirma Grabner. Raimund paddelt ein schnittiges Seekajak. Unsere Gummischlauchboote sind zwar deutlich langsamer als Seekajaks, doch dafür wesentlich kippstabiler. Diese Stabilität ist beim Paddeln mit Hunden sehr wichtig. Denn Hunde können nicht stundenlang in einer Position liegenbleiben. Sie müssen während der Fahrt immer wieder aufstehen, um ihre Liegeposition zu ändern. Ab und zu lassen wir sie auch an Land springen und nebenherlaufen, damit sie sich die Beine vertreten und im kühlen Wasser erfrischen können. Damit meine Hündin Fly genug Platz hat und trotzdem noch ausreichend Stauraum für das Gepäck vorhanden ist, paddle ich mit dem Zweierkajak Explorer II.

Plötzlicher Regenschutt mit Anfängerfehler!

Wir sind heute bereits den dritten Tag unterwegs und haben bisher immer strahlenden Sonnenschein, meist gepaart mit einer leichten Brise. Der wasserdichte Packsack mit den Regenklamotten ist mittlerweile in der hintersten Ecke meines Schlauchbootes verschwunden. Ab und zu legen wir in schönen Buchten kleine Badepausen ein und genießen das kühle, erfrischende Nass. Doch das Wasser der Seen eignet sich nicht nur zum Baden, sondern auch zum bedenkenlosen Trinken. Wir decken unseren gesamten Bedarf an Flüssigkeit mit dem Seewasser von Foxen und Stora Lee, das wir an unbewohnten Stellen mitten im See in Flaschen abfüllen.

Da das Frühstück heute bereits fünf Stunden her ist, schieben wir gewaltig Kohldampf. Jetzt muss eine vernünftige Pausenstelle her! Tja, das sagt sich so leicht. Innerhalb der letzten Stunde kamen wir immer wieder an flach ins Wasser abfallenden Schärenfelsen vorbei, die sich wunderbar zum Anlanden und Pause machen geeignet hätten. Doch jetzt ist weit und breit keine geeignete Anlande-Möglichkeit zu entdecken (sehen). Die Ufer sind steil oder dicht bewachsen. „Na toll!“, denk ich mir. „Ich habe Hunger!“ Also pfeif‘ ich mir halt noch ein Gummibärchen rein und weiter geht es. Wind kommt auf und ich fröstele in meinem dünnen T-Shirt. Endlich ruft Raimund von vorne: „Hey, ich glaub‘, da vorne ist eine geeignete Felsnase für eine Pause.“ „Juhu“, schreie ich innerlich, „endlich was zu essen!“ Gesagt, getan. Wir landen auf glattem Schärenfels und ziehen die Boote an Land.

Gerade als ich den Packsack mit Tagesproviant aus meinem Boot hervor krame, bekomme ich zwei dicke Regentropfen ab. Wo kommen die denn jetzt bitteschön her? Ich blicke hinauf zum Himmel und muss feststellen, dass sich unbemerkt eine dicke, dunkle Wolke vor die Sonne geschoben hat. „Mmh, so war das aber nicht geplant“, murmle ich vor mich hin. „Egal jetzt, ich will was zu essen!“ Ich leere den Packsack vor mir auf einem Naturstein-Tisch aus und belege uns Knäckebrot mit dicken Käsescheiben. Verflucht, jetzt regnet es ja richtig stark! Binnen weniger Sekunden sind die Knäckebrote vom Wasser durchweicht und lassen sich kaum noch in die Hand nehmen. „Oh,Mist! War es das jetzt mit der Pause, oder was?!“, denke ich mir. Mittlerweile fühle ich die Tropfen bis auf die Haut. Meine Klamotten sind völlig durchnässt. „Warum habe ich eigentlich nicht schon längst Regenkleidung an?“, frage ich mich. „Ach so, stimmt, da war ja was…Anfängerfehler!“ Raimund und mein Vater sind natürlich nicht so unvorbereitet wie ich. Sie haben wenigstens ihre Paddeljacken griffbereit. Zitternd esse ich das, was von meinem Knäckebrot übrig geblieben ist und schiebe noch zwei Schokokekse hinterher. „So, jetzt bin ich zwar satt, aber mir ist verdammt kalt!“, teile ich den anderen Beiden mit. „Na dann nichts wie rein in die Boote und weiter geht’s! Bewegung ist jetzt die einzige Chance wieder warm zu werden“, antwortet mein Vater. Ich bin gerade dabei meine Spritzdecke zu schließen, da kommt die Sonne wieder hinter den Wolken hervor und verstrahlt ihr wohlig warmes Licht. Da tut gut!
Nach einer Stunde Sonnenschein ist meine Kleidung wieder trocken und nichts zeugt mehr von dem plötzlichen Regenschutt. Konstant ist im Schwedensommer 2016 vor allem die Wechselhaftigkeit!

Des Kanuten-„Wohnzimmer“ bei Wetterumschwung

Am Nachmittag desselben Tages zeigen sich dann aber doch deutliche Anzeichen des bereits vor drei Tagen angekündigten Wetterwechsels. Dicke, dunkle Wolken wandern über den Himmel und die Luft ist schwülwarm. Nach einer weiteren Paddelstunde werden meine Arme langsam schwer und die Hunde beginnen zu fiepen. Sie wollen sich endlich ein bisschen austoben, um sich anschließend gemütlich auf einem moosigen Fleckchen zu räkeln. Am Horizont verdichten sich die dunklen Wolken zu einer breiten Front. Ein Gewitter ist im Anzug.

Wir halten Ausschau nach einem Lagerplatz, der sich für den Aufbau eines regenfesten Lagers eignet. Ein solcher Lagerplatz muss zum einen genug Platz und Bäume für das Aufspannen eines Tarps (Regenplane mit Abspannösen) bieten. Zum anderen sollte es eine Feuerstelle und ausreichend Brennholz zum Sammeln und Verfeuern geben. Wir paddeln zielstrebig auf eine vor uns liegende Insel zu. Wir bevorzugen Lagerplätze auf Inseln aus verschiedenen Gründen. Erstens können wir unsere Hunde frei laufen lassen, ohne Bedenken haben zu müssen, dass sie abhauen und irgendwelchem Wild hinterher jagen. Zweitens kann man auf Inseln seinen Lagerplatz so wählen, dass man sowohl Sonnenaufgang wie auch Sonnenuntergang zu sehen bekommt. Drittens bieten Inseln immer die Möglichkeit auf der windabgelegenen Seite im Windschutz zu campieren. Wir umrunden die Insel einmal und siehe da, wir werden nicht enttäuscht. An der nördlichen Seite der Insel finden wir eine Stelle, die exakt unseren Vorstellungen entspricht.

Zügig laden wir unsere Boote aus und spannen das Tarp auf. Hierbei ist es wichtig das Tarp in Form eines Spitzdaches aufzubauen. Dafür spannen wir zwischen zwei Bäumen ein Wurfsack-Seil, über das wir das Trap ziehen und die Ecken links und rechts nach unten abspannen. So kann das Wasser links und rechts ablaufen, ohne dass Wassersäcke entstehen. Außerdem achten wir darauf, dass das Tarp dem Wind keine Angriffsfläche bietet. Die offene Seite des Tarps zeigt zur Windrichtung, damit der Wind hindurch wehen kann, ohne das Tarp zu fetzen.
Anschließend bauen wir unsere Zelte so auf, dass die Eingänge vom Tarp überspannt werden. Die Feuerstelle befindet sich am Rand des Tarps. Wir brauchen keine Bedenken zu haben, ein Loch ins Tarp zu brennen, können gleichzeitig aber im Trocknen sitzen falls es anfangen sollte zu regnen.

Wir beeilen uns mit der Fertigstellung des Lagers, denn die breite Wolkenfront rückt wie eine schwarze Armee immer dichter auf uns zu. Man hört bereits ein erstes Donnergrummeln in der Ferne. Gleichzeitig merke ich, wie es auch in meinem Bauch zu knurren anfängt. Es wird Zeit mit dem Aufkochen unserer einfachen Trockennahrung anzufangen. Doch vorher sammeln wir noch Feuerholz für ein wärmendes Lagerfeuer. Für diesen Zweck haben wir extra eine kleine Obstbaumsäge mitgenommen. Mit dieser kann man armdicke Äste und dünne morsche Bäume klein sägen. Während ich mit einem Berg Kleinholz auf dem Arm durch dichte Heidelbeersträucher zurück zum Lager stapfe, platscht mir ein dicker Regentropfen genau auf die Nase. Wenige Momente später zuckt ein greller Blitz über den Himmel. Ich zähle die Sekunden bis zum darauffolgenden Donnerschlag – ich zähle bis sieben, dann kracht es. Es wird wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis das Gewitter über uns ist. An unserer Feuerstelle angekommen, schichte ich viele dünne Kiefernästchen übereinander. Diese sind sehr harzreich und trocken, so dass sie sich gut durch eine Feuerzeugflamme entzünden lassen. Schnell lege ich dickere Äste nach und bald prasselt ein warmes, gemütliches Feuerchen. In der Zwischenzeit hat der Regen an Stärke zugenommen und der zeitliche Abstand zwischen Blitz und Donner wird immer kürzer. Unsere Boote haben wir kieloben gedreht, damit sich das Regenwasser nicht in ihnen sammelt. Nachdem wir nun unser Outdoor-„Wohnzimmer“ gemütlich eingerichtet haben, können wir mit dem Kochen loslegen. Raimund bereitet sich eines seiner speziellen „High-Tech“-Expeditions-Fertiggerichte mit dem hochtrabenden Namen „Reispfanne mit Truthahnbrust und Frühlingsgemüse“ zu. Dafür muss er lediglich kochendes Wasser in die Tüte mit Trockennahrung schütten, ein bisschen rühren und das Ganze 10 Minuten ziehen lassen. Bei meinem Vater und mir gibt es das altbewährte Tütengericht „Chinesische Nudeln Huhn-Gemüse“ vom REWE, verfeinert mit gerösteten Erdnüssen und Erbsen aus der Dose.

Plötzlich zuckt ein verdammt greller Blitz über den Himmel. Zeitgleich lässt ein gewaltiger Donnerschlag die Erde erzittern. Fly sucht winselnd Schutz bei meinem Vater. Luzy hingegen lässt das tobende Gewitter völlig kalt. Sie öffnet lediglich im Halbschlaf das eine Auge, blinzelt mich an und ist kurz darauf schon wieder eingeschlafen. Die Zelte und das Tarp halten der Gewalt des Gewittersturms gut Stand. Den verbleibenden Abend verbringen wir gemütlich am Lagerfeuer sitzend, während über uns der Regen auf die gut gespannte Plane trommelt.

Wenn wir tun, was wir lieben… / Die Erleuchtung / Lichtblick

Nach einer regnerischen Nacht ist der Himmel immer noch wolkenverhangen. Über dem Wasser liegen milchig-weiße Nebelschwaden und die Luft ist schwer vom Geruch nasser Kiefern. So habe ich mir als Kind immer das Land der Trolle vorgestellt. Leicht verschlafen strecke ich mich und verspüre dabei einen leichten Muskelkater in den Armen.

Es ziehen dunkle Regenwolken über den Himmel, doch es ist fast windstill. Mit regenfester Kleidung dürfte der heutige Tag also kein Problem werden. Nun ja, bis auf die kühle Nässe, die an solchen Tagen fast allgegenwärtig ist. Doch wer zum Paddeln nach Skandinavien fährt, sollte auch keinen sonnigen Badeurlaub erwarten. Ein solches Wetter kommt zwar vor, ist aber eher die Ausnahme als die Regel.
Nach einem heißen Kaffee und einem kraftgebenden Morgenmüsli mit frisch gepflückten Blaubeeren bauen wir in gewohnter Routine das Lager ab und verpacken unsere Ausrüstung. Kurze Zeit später sind wir bei leichtem Nieselregen wieder auf dem Wasser unterwegs.

Am Nachmittag hat der Nieselregen immer noch nicht aufgehört. Meine Finger sind klamm und kaum mehr durchblutet. Es wird Zeit aus den nassen Paddelklamotten raus zu kommen und sich die Hände an einem flackernden Lagerfeuer zu wärmen. Keiner von uns ist noch mit Elan bei der Sache. Stumpfsinnig paddele ich vor mich hin. Auch das Gespräch zwischen Raimund und meinem Vater ist mittlerweile verstummt. Als wir um die Spitze einer Halbinsel biegen, sehen wir ihn auf einmal vor uns: unseren nächsten Übernachtungsplatz. Vor uns liegt eine flach ins Wasser abfallende Kiesbank und dahinter eine kleine Lichtung in einem (lichten) Kiefernwald. In der Mitte der Lichtung befindet sich eine Feuerstelle. Perfekt! Kaum dass mein Boot den ersten Stein des Kiesstrandes erreicht hat, springt meine Hündin Fly aus dem Boot und flitzt kreuz und quer über (die Kiesbank) den Strand. Ihre zweijährige Tochter Luzy tut es ihr gleich. Die Hunde sind sichtlich froh, dass für heute Schluss ist mit der Paddelei. Zügig laden wir aus und bauen unsere Zelte auf. Ich bin grade dabei das zweite Ende der (Eingangsr) Rundbogen-Stange am Eingang in die dafür vorgesehene Lasche zu stecken, als es plötzlich einen Knall gibt! (, als hätte jemand neben mir zehn Knallfrösche gleichzeitig explodieren lassen.) „Was war das?“, frage ich verdattert und schaue mich alarmiert um. „Die Stange ist gebrochen“, erwidert mein Vater trocken. Verdutzt schaue ich auf die Zeltstange. Sie wölbt sich nicht wie gewöhnlich in einem runden Bogen über den Zelteingang, sondern ragt in der Mitte spitz in den Himmel.

Na schön, dann haben wir heute eben auch noch eine Zeltstangen-Reparatur im Programm. Dieses Unterfangen stellt für uns kein größeres Problem dar. Seit uns 2006 auf unserer 3-wöchigen Donau-Gepäcktour schon mal Stangen dieses Zeltes gebrochen sind, schleppen wir stets ein ganzes Ersatzteillager an Zeltstangen mit uns herum. Mithilfe einer kleinen Zange ersetzen wir innerhalb von zehn Minuten die kaputte Stange. Wenig später steht unser Zelt wieder wie eine Eins.

Als wir mit dem Aufspannen des Tarps beginnen, reißt der Himmel auf und warme Sonnenstrahlen brechen aus der dunklen Wolkendecke hervor. Fantastisch! Es ist ein spektakulärer Anblick, wie aus einem kleinen Loch im bedrohlich dunklen Himmel leuchtende Strahlen hervorbrechen und die Landschaft in ein warmes Licht tauchen. Während ich das Essen koche, verziehen sich die Wolken vollständig und die Sonne verstrahlt ihr orange-rotes Abendlicht. Während mein Vater das optimale Fotolicht  nutzt, nehme ich ein erfrischendes Abend-Bad.

Nach einer sternenklaren Nacht paddeln wir am nächsten Morgen bei strahlend blauem Himmel zurück Richtung „Elovsbyn Camping & Canoe“. Am späten Nachmittag kommen wir dort an und sich uns alle einig: Es war eine klasse Tour!