Paddeltour in Südkroatien

 

19.09.2004 bis 28.09.2004

 

Boote : "EXPLORER 2"

 

Teilnehmer: Christoph Ullmann, Josef Mayrhofer, Marco Mayrhofer, Erich Öllinger

Unser letztjähriger Paddelurlaub an der Südküste Kretas hat uns im Laufe des Jahres immer wieder unsere damals gewonnen Eindrücke und Erlebnisse in Erinnerung gerufen.

Jetzt ist es wieder soweit: Zu viert (neu im Team unser jüngster: Marco) fliegen wir mit SkyEurope ab Bratislava nach Dubrovnik. Der Flug kostet ca. 100 ?, da rentiert sich die etwas längere Anfahrt nach Bratislava.

Nach 75 min Flugzeit landen wir um 15 Uhr in Dubrovnik. Wir rechnen mit einer Stunde Wartezeit auf unser Gepäck, erhalten es aber bereits erstaunlicherweise nach wenigen Minuten.

Wir wollen heute noch per Fähre weiter auf die Insel Mljet, wo wir im Hafen von Sobra Zimmer reserviert haben. Die Fähre geht ab Dubrovnik allerdings erst um 20:30, wir haben also Zeit, und lassen den vermeintlich ersten Bus, der vom Flughafen ins 20 km entfernte Dubrovnik fährt, ohne uns losfahren.

Wir haben doch keinen Stress! Naja, später dann, als sich herausstellt, dass dieser Bus auch der letzte für den heutigen Tag war, vielleicht doch ein wenig.

Wir organisieren ein Taxi, was sich auf Grund unseres Gepäcks als gar nicht so einfach herausstellt. Der Fahrer eine Mercedes Taxis nimmt uns schließlich "gnädigerweise" um 250 Kuna mit.

Flughafen Bratislava
See Malo jezero
Dubrovnik Brücke
Dubrovnik Altstadt
Hafen Sopra / Aufbau
Kalimari vom Rost
Frühstück in Polace
Unterwegs nach Pomena
Hafen Pomena
Landweg zum See
Landweg zum See
Trockenübung??

Wir erreichen rechtzeitig unsere erstaunlich große Jadrolinja-Fähre nach Mljet. Beim Transport unseres Gepäcks auf die Fähre sind wir doch recht froh, dass wir die 125 kg nicht sehr weit tragen müssen.

Im Zielhafen Sobra sind unsere Zimmer lt. Buchungsunterlagen nämlich nur 20 m vom Hafen entfernt.

Diese Entfernungsangabe stimmt auch, allerdings legt unsere große Fähre nicht direkt im Hafen an, sondern auf Grund ihrer Grösse etwa 3 km ausserhalb des Ortes.

Die Folge : Ein mitternächtlicher 3 km langer "Spaziergang" mit 125 kg Gepäck, und das auch noch bergauf und bergab. Unser Jüngster, der freiwillig das schwerste Gepäcksstück übernommen hat, motiviert uns laufend, während unser Ältester feststellt : Wenn ich jetzt eine Rast einlege, gehe ich nie wieder weiter ......

Am nächsten Morgen sind wir um 8 Uhr bereits dabei unsere Luftboote zusammenzubauen.

Den EXPLORER 2, den wir ja schon vom letzten Jahr kennen haben wir in 15 min aufgebaut.

Wir frühstücken noch, der Wirt weist uns darauf hin, dass wir unsere Boote von der Anlagestelle entfernen müssen, da eine (kleinere) Fähre aus Dubrovnik demnächst einlaufen wird.

Es geht sich knapp aus, dass wir die Boote ins Wasser bringen, bevor die Fähre einläuft.

Wetter und Wind sind zu diesem Zeitpunkt optimal, es gibt nur kleine Wellen.

Wir paddeln zwei Stunden, nützen dann eine Anlegemöglichkeit, um baden zu gehen. Das Meer ist herrlich klar, die Wassertemperatur schätzen wir auf 23 Grad.

Unsere Stimmung ist auf Grund des kaum vorhandenen Windes und einer fast wellenlosen Meeresoberfläche bestens, so kann es bleiben!

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass wir in diesen ersten beiden Stunden beinahe 10 km hinter uns gebracht haben. Unser heutiges Tagesziel ist der Ort Polace, bis dorthin sind es nochmals ungefähr 12 km. Also kein Grund zur Eile, wir gehen davon aus, dass wir in weiteren 2,5 Stunden Fahrzeit in Polace ankommen werden.

Als wir nach unserem längeren Badeaufenthalt wieder ablegen, kommt allerdings Wind auf, Gegenwind logischerweise.

Wir paddeln an Kozarica vorbei, der Wind hat in der Zwischenzeit zugenommen, es gibt jetzt auch ca. 0,5 m hohe Wellen. Die Wellen sind kein Problem, unsere Geschwindigkeit geht wegen des Gegenwindes allerdings beträchtlich zurück.

Gegen 17 Uhr erreichen wir Polace, für die 12 km haben wir nicht ganz 4 Stunden gebraucht. Wir sind ziemlich geschafft, Tagesetappen von mehr als 20 km sind für uns sicher nicht täglich durchzuführen.

Wir legen beim ersten Lokal an, unsere erste Bestellung geben wir bereits noch im Boot sitzend in Rufweite des Wirtes, der unsere Ankunft beobachtet, auf. 4 x isotonisches Spezialgetränk rufen wir dem Wirten zu, er bringt uns 4 Bier, na gut, das lassen wir gerade noch gelten ....

Abends speisen wir Kalimari vom Rost, einfach traumhaft.

Die Boote dürfen wir auf der Terasse des Restaurants festmachen, allzuviele Leute sind um diese Jahreszeit ohnehin nicht mehr hier.

Abends schlendern wir durch den netten Ort, und beschließen den Tag in einer Weinbar. Der Kellner fragt uns, ob wir die Leute mit den Paddelbooten sind. Als wir bejahen erhalten wir einen Krug Rotwein geschenkt, erstaunlich, wir fallen offensichtlich mehr auf als die Segeljachten die vor Anker gehen.

Der Muskelkater hat uns alle 4 erwischt, besonders im Schulterbereich spüren wir die 22 km vom Vortag. Heute haben wir ohnenhin nur eine relativ kurze Etappe von ca. 10 km vor uns. Unser Ziel ist Pomena, der touristische Hauptort der Insel, der bereits im nördlichen Teil der Insel im Nationalpark liegt.

Der Wind hat im Vergleich zum Vortag etwas zugelegt, auch die Wellen sind etwas höher. Das Paddeln gegen den Wind ist recht mühsam, es kommt dazu, dass in einem 2-Sitzer Boot die Koordination zwischen Vordermann und Hintermann bei Wellengang schwieriger wird. Der Vordermann sucht sich zum Einstechen des Paddels natürlich einen Wellenberg aus, der Hintermann hat bei relativ kurzen Wellen zu diesem Zeitpunkt genau ein Wellental, das Paddeln wird dadurch unrythmisch.

Nach ca. 4 Std. Paddeln, unterbrochen durch eine kurze Badepause, erreichen wir Pomena.

Von Pomena aus kann man die Hauptattraktion des Nationalparks (nördlicher Teil von Mljet) zu Fuß erreichen: die Seen Veliko jezero und Malo jezero (Großer und Kleiner See), ein ausgesprochenes Naturphänomen, welche wegen ihrer außergewöhnlichen landschaftlichen, vegetativen, geologischen und historischen Werte unter dem größten Naturschutz liegen.

Das besondere an den beiden natürlichen Salzseen ist, daß diese sowohl miteinander als auch mit dem Meer verbunden sind. Genauer gesagt: Die Seen sind durch einen 2,5 m breiten und 0,3 m tiefen Kanal miteinander verbunden. Der Malo jezero (Kleiner See) hat eine Fläche von 0,24 km? und ist bis zu 29 m tief. Er ist wesentlich seichter als der Veliko jezero (Großer See) und nimmt immer mehr die Charakteristiken einer Lagune an. Der Veliko jezero hat eine Fläche von 1,45 km? und ist bis zu 46 m tief. Heute ist er durch die 30 m lange, 10 m breite und 2,5 m tiefe Solin-Meerenge mit dem offenen Meer verbunden. Je nach den Gezeiten fließt das Wasser entweder in die eine Richtung vom Veliko jezero zum Malo jezero oder umgekehrt.

Der Salzgehalt der beiden Seen ist etwas geringer als derjenige des Meeres, die Temperatur jedoch um etwa 4°C höher als die offene See.

Auf dem Seeweg sind es ungefähr 12 km bis zur Einfahrt zu den beiden Seen.

Auf dem Landweg ist es von Pomena aus nur ca. 1 km bis zum kleineren See.

Beim Mittagessen beschließen wir, die Boote im aufgeblasenen Zustand diesen 1 km bis zum Malo jezero zu tragen, da der Wind immer mehr zulegt, und wir uns die 12 km Seeweg heute nicht mehr antun wollen.

Gesagt, getan : Unter sehr vielen erstaunten, manchmal ungläubigen, manchmal mitleidigen Blicken tragen wir die Boote zum Malo jezero. Wenn der Weg flach wäre, wäre die Ation halb so wild, es geht aber zuerst einige hundert Meter einen schmalen Weg ziemlich steil bergauf, und dann natürlich etliche hundert Meter steil bergab. Die Leute weichen uns auf dem engen Weg alle rechtzeitig und ohne Kommentar aus, man traut uns "Verrückten" die wir Boote über einen Berg schleppen, wahrscheinlich nicht so richtig.

Uns ist das egal, wir wissen, dass die meisten der Leute uns insgeheim beneiden, wir sind hier diejenigen, die etwas erleben, alle die uns entgegenkommen sind zu Zuschauern degradiert.

Wir brauchen eine gute halbe Stunde bis zum See, sind total verschwitzt und ziemlich fertig als wir beim See ankommen. Aber nach einem Bad in dem angenehm warmen Wasser sieht die Welt gleich wieder viel freundlicher aus.

Wir paddeln noch bis zum Veliko jezero. Die Seen sind vor dem Wind gut geschützt, demzufolge gibt es auch keine Wellen.

Unterwegs beim Kanal zwischen kleinem und großem See ruft uns vom Ufer ein englischsprechender Mann zu: Hey, are your boats inflatable? They are great!

Yes , indeed they are, rufe ich zurück und vor lauter Begeisterung und Hin- und Herrufen fahren wir beinahe neben den Kanal ans Ufer ....

Am nächsten Tag heißt unser Ziel Ropa, dort ist auf unserer Karte ein Campingplatz eingezeichnet.

Nach dem Frühstück (Spagetti um 9 Uhr früh, Bewegung macht hungrig) paddeln wir durch den grossen See. Das Wasser ist jetzt auch schon im See bewegt, wir sind neugierig, was uns auf dem offenen Meer erwartet, noch dazu wo wir dann an der Südwestküste von Mljet paddeln, und die ist wie wir aus Beschreibungen und von unserer Seekarte wissen sehr schroff und steil.

Auf den Seen dürfen übrigens keine Motorboote und Segelboote fahren, alleine Padddelboote sind erlaubt. Das ist sehr angenehm und gibt diesem Naturschutzpark eine sehr ruhige und beschauliche Atmosphäre.

Unterwegs besichtigen wir vom Wasser aus die kleine Insel St. Maria auf dem Veliko jezero (Großer See), mit einem Benediktinerkloster, welches aus dem 12. Jahrhundert stammt und unter Denkmalschutz steht.

Veliko jezero
Lopud Festung
Verbindung der Seen
Veliko jezero
Ropa Camping
Ropa Bucht
Ropa Bucht
Von d. Bucht zum Camping
Ropa Camping
Warten auf den Bus ...
Unser Schlafplatz
Lopud Hafen

Wir nähern uns nun der Solin Meerenge, durch die das offene Meer mit dem großen See verbunden ist. Je näher wir kommen, umso deutlicher spüren wir den Wind, umso höher werden die Wellen.

Wir streifen uns jetzt vorsichtshalber auch die Spritzdecken-Schürzen über.

Wir passieren die Meerenge und dann gehts los : Rock and Roll, der Wind pfeift uns mit 6 - 7 Beaufort um die Ohren, die Wellen sind gut eineinhalb Meter hoch. Wir kommen gar nicht richtig dazu, uns Gedanken oder Sorgen zu machen, so sehr sind wir mit den widrigen Umständen beschäftigt.

Wir haben natürlich wieder Gegenwind, was aber den Vorteil hat, dass die Wellen frontal auf uns zukommen. Wir können die Wellen also schneiden, nach einer Gewöhnungsphase macht uns die Situation langsam Spass. Die Boote liegen stabil im Wasser, solange man selbst keinen Fehler macht passiert nichts.

Die Wellen sind zwar beeindruckend hoch, sie rollen aber auf uns zu, brechen nicht, wir kommen mit diesen Bedingungen gut zurecht, es ist aber ziemlich anstrengend mit vollster Konzentration gegen Wind und Wellen anzukämpfen.

In den nächsten Stunden steigert sich der Südwind (Jugo) kontinuierlich, und mit ihm die Wellenhöhe.

Als wir kurz vor Ropa angelangt sind, haben die Wellen gut und gern eine Höhe von 2 Metern, teilweise brechen sie auch schon.

Wir hoffen nun schon alle auf den Anblick eines flachen Strandes mit dahinterliegendem Campingplatz.

Außer einer kleinen Bucht ist die Küste aber sehr steil (50 bis 150 m). Wir wissen nicht mehr genau wo wir sind, sollten wir am Campingplatz bereits vorbeigefahren sein? Unmöglich, das hätten wir sicher bemerkt. Da der Wind immer noch an Stärke zulegt, beschließen wir die kleine Bucht anzusteuern, notfalls können wir ja dort eine Nacht verbringen, Trinkwasser haben wir noch genug dabei.

Da wir jetzt Richtung Küste fahren, haben wir die Wellen jetzt seitlich, aber auch das kann man unter ständiger höchster Konzentration fahren. In einiger Entfernung fährt die AIDA am offenen Meer an uns vorbei.

Die Wellen donnern gegen die Steilküste, ein Anlegen an der Küste wäre gänzlich unmöglich.

Wir schaffen es in die kleine Bucht wo ein kleiner Steg betoniert ist. Selbst hier in dieser halbwegs geschützten Bucht ist das Anlanden noch sehr schwierig, wir warten ab, bis einige kleinere Wellen kommen, und fahren dann zügig zum Steg, springen aus dem Boot und heben das Boot auf den Steg.

Die nächste größere Welle schwappt bereits über den Steg, egal, geschafft.

Wir sind jetzt alle miteinander ehrlich froh an Land zu sein.

Wir erkunden die Umgebung, und entdecken einen Weg, der steil nach oben führt. Die Boote lassen wir gut gesichert in der Bucht zurück, und marschieren den Weg steil bergauf. Nach geschätzten 150 Höhenmetern gelange wir auf ein Plateau, und da ist er, der Campingplatz.

Der Campingplatz ist also nur von der Landseite auf einer Strasse erreichbar, nicht vom Meer aus, bzw. nur über den steilen Weg von der Bucht herauf.

Am Campingplatz sind nur wenige Menschen, es gibt auch kein Restaurant, nur einen winzig kleinen Laden, der aber auch geschlossen ist.

Nach längerem Suchen finden wir den "Campingplatzverwalter". Bei einem Getränk unterhalten wir uns mit ihm über das Wetter. Er erklärt uns, dass der Wind "Jugo" heißt, ca. 3 Tage dauern wird, und auf der Südwestküste sehr gefährlich ist.

Wir beschließen daraufhin, unsere Paddeltour zu unterbrechen, wir wollen nichts riskieren.

Also gehen wir wieder den Weg hinunter zur Bucht, zerlegen die Boote, und tragen sie in den Rucksäcken nach oben zum Campingplatz. Da der Weg nach oben sehr steil und sehr schlecht gesichert ist, müssen wir 2 x gehen, um unser gesamtes Gepäck nach oben zu bringen.

Anschließend kaufen wir den kleinen Laden beinahe leer, viel ist ohnehin nicht mehr da. Zum Abendessen gibt es Extrawurst, und Konserven und etwas Brot, dass der "Campingplatzverwalter" schon aus seinen eigenen Beständen dazugibt.

Wir beratschlagen am Abend unsere Situation. Unsere Entscheidung ist, nicht mehr auf Mljet weiterzupaddeln, es ist auf der Südwestseite einfach zu gefährlich.

Wir wollen mit dem Bus wieder zurück nach Sobra, von dort mit der Fähre zurück nach Dubrovnik, und mit einer anderen Fähre weiter auf die Elafiten Insel Gruppe (Sipan, Lopud, Kolucep)

Wir hoffen, dass bei diesen dem Festland näheren Inseln Wind und Wellen nicht so extrem sind.

Am Nachmittag haben wir einen Bus bemerkt, der direkt vor dem Campingplatzgelände gewendet hat.

Unserer Recherche, wann am nächsten morgen der erste Bus nach Sobra geht ergibt, dass sowieso nur einmal am Tag ein Bus nach Sobra geht, und zwar um fünf Uhr in der Früh. Dieser Bus geht desshalb so früh, damit die Fähre um 6 Uhr in Sobra erreicht wird.

Gut, wir gehen zeitig schlafen, stellen die Weckfunktion auf den Handys auf 4:15 und stehen tatsächlich um 4:50 dort, wo wir gestern den Bus gesehen haben.

Pünktlich um 5:00 sehen wir einige hundert Meter über uns tatsächlich die Lichter eines Busses.

Wir warten, beruhigen uns gegenseitig, dass der Bus ja sicher noch etliche Serpentinen bis zu uns herunterfahren muß, und er deswegen so lange nicht kommt.

Um 5:15 geben wir auf, der Bus ist zwar gefahren, die Haltestelle liegt aber oberhalb des Campingplatzes direkt an der Hauptstrasse. Das hat uns keiner gesagt, na gut, wir haben auch nicht direkt danach gefragt.

Die Mayrhofers legen sich nochmals schlafen, Christoph und ich gehen zu der Bushaltestelle, vielleicht gibts da ja einen Bus-Fahrplan.

Gabs natürlich nicht, aber wir bringen in Erfahrung, dass um ca. 8:00 der Schulbus direkt zum Campingplatz kommt, wir sollen den Fahrer fragen, vielleicht nimmt der uns ja mit. Der Bus geht allerdings nicht bis Sobra, sondern nur bis in den Hauptort der Insel: Babino Polje

Der Schulbus nimmt uns tatsächlich mit, die Fahrt in dem Bus ist der blanke Horror, Schulkinder sind wohl auf der ganzen Welt in den Schulbussen laut, keiner bleibt sitzen, Gegenstände fliegen durch den Bus. Ich bin froh, als es vor der Schule zum Aussteigen wird.

Der Busfahrer sieht unser Gepäck, schließt daraus, dass wir zum Hafen in Sobra wollen, und bietet uns für ein fürstliches Entgelt an, uns mit "seinem" Bus dorthin zu bringen.

Jetzt sitzen wir alleine im Bus, alle sind zufrieden, wir, weil wir doch noch nach Sobra kommen, der Busfahrer, weil er ein nettes Nebeneinkommen lukriert hat.

Mit der Speed-Fähre(Katamaran) gehts dann zurück nach Dubrovnik, und von dort aus auf die Insel Lopud. Gegen 23 Uhr kommen wir auf Lopud an, noch eine Kleinigkeit zu essen, dann wollen wir etwas ausserhalb des Ortes in einer Wiese übernachten.

Auf dem Weg zu dieser Wiese fällt uns im Ort eine kleine Kirche auf, deren Tür zum Kirchen-Vorplatz offen steht.

Josef und ich wollen nicht mehr weitergehen, wir legen uns vor die Kirche, Christoph und Marco ist dieser Platz nicht ganz geheuer, sie gehen noch bis zur Wiese außerhalb des Ortes.

Ich schlafe mit dem Gedanken ein, ob man uns bei einer eventuellen Frühmesse vom Kirchenvorplatz wegprügeln wird, oder ob man uns eine Suppe anbieten wird .....

Um 5 Uhr Früh sind diese Gedanken nichts mehr wert, denn es beginnt plötzlich zu regnen, nein, es gibt besser gesagt einen Wolkenbruch, der uns aufspringen und unsere Schlafsäcke einpacken lässt.

Es lässt sich aber nicht verhindern, dass unser Gepäck, und damit auch unsere Kleidung komplett nass wird.

Das Wetter bessert sich an diesem und dem folgenden Tag nicht wesentlich, an Paddeln ist nicht zu denken.

Wir erkunden zu Fuß die Inseln Lopud und Sipan, unser Steinhaufen-Spezialist Josef schleppt uns auf den höchsten Punkt der Insel Lopud, dort gibt es : richtig, eine verfallene Festung, mehr Steinhaufen als Festung, na ja, wems gefällt.

Am dritten Tag auf Lopud beschließen wir, obwohl sich das Wetter nicht wirklich gebessert hat, rund um die Insel zu paddeln. Auf der gegenüberliegenden Seite der Insel gibt es einen schönen Sandstrand, den wir am Vortag zu Fuß besichtigt hatten.

Dort wollen wir eine Pause bei unserer Insel Umrundung einlegen.

Die Wetter und Windverhältnisse sind ähnlich wie vor Ropa, wir kommen ganz gut damit zurecht.

Mehrere Tage hintereinander bei derartigen Bedingungen würden zwar unsere Boote aushalten, wir selbst allerdings eher nicht, dazu ist es einfach zu anstrengend.

Wir erreichen einigermaßen geschafft den Sandstrand an der Südküste. Der Wind hat Gottseidank von Südost bis Ost gedreht, dies ermöglicht uns am Sandstrand eine Pause zu machen.

Am Vortag bei Südwind, wäre es unmöglich gewesen, hier an Land zu gehen.

Yugo 6-7-Beaufort
Rund um Lopud
Yugo 6-7-Beaufort
Yugo 6-7-Beaufort

Am Nachmittag paddeln wir weiter, wir sind ein wenig übermütig, glauben, dass uns diese Bedingungen nichts mehr anhaben können.

Wir fahren jetzt immer dichter an der Steilküste, ein Fehler wie sich herausstellen sollte: Die Wellen sind kalkulierbar, solange sie nur von einer Richtung kommen, kommt man zu nahe an die Steilküste, werden die Wellen von den Felsen zurückgeworfen, man hat es dann mit Wellen aus unterschiedlicher Richtung zu tun.

Und genau so ergeht es uns: Wir gleichen eine Welle, die von der Meerseite kommt aus, im selben Moment erfasst uns eine Gegenwelle, die vom Felsen zurückgeworfen wurde, und wir schwimmen.

Nach dem ersten Schock ist die Situation vorerst aber nicht so tragisch. Wir halten uns am Boot fest, die Schwimmhilfen geben uns genug Auftrieb,wir versuchen schwimmend zur Küste zu gelangen. Davon abgesehen, dass die Steilküste nur sehr wenig Möglichkeiten bietet, überhaupt an Land zu gehen, merken wir auch bald, dass wir durch den Gegenwind keinen Meter in Richtung Küste kommen, sondern uns viel eher in Richtung offenes Meer entfernen.

Wären wir zu diesem Zeitpunkt nicht mit 2 Booten unterwegs gewesen, wäre diese Situation sehr unangenehm gewesen.

So aber lassen wir uns vom zweiten Boot ins Schlepptau nehmen, und an die Küste bringen.

Dort gibt es zwar jede Menge Abschürfungen an unseren Händen und Füssen, aber immerhin gelangen wir wieder ins Boot, und können weiterpaddeln.

Es beginnt jetzt zu allem Überfluß auch wieder stark zu regnen, uns ist sehr kalt, die Finger werden klamm. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unseren Ausgangspunkt und gehen vorerst einmal ins Meer baden, denn das Wasser hat jetzt sicher schon eine um 10 Grad höhere Temperatur als außerhalb des Wassers.

Am nächsten Tag wollen wir über Kolucep Richtung Dubrovnik paddeln.

Am Morgen sieht es auch gar nicht so schlecht aus. Beim Zurechtmachen der Boote zieht ein Gewitter auf. Wir schaffen es gerade noch bis Kolucep, es regnet extrem stark, wir sehen Windhosen, werden von den Wellen durchgebeutelt, so jetzt reichts, wir beenden unsere Fahrt in Kolucep. Von dort aus nehmen wir die Fähre nach Dubrovnik. Die Boote lassen wir vorerst zusammengebaut, wir wollen vor der Altstadt von Dubrovnik noch paddeln, falls es das Wetter zuläßt.

Die Boote werden auf der Fähre anstandslos mitgenommen.

Der Regen lässt allerdings nicht nach, er wird immer stärker.

Eine kleine Regenpause von 15 Minuten ermöglicht uns die Boote abzubauen.

In der Zwischenzeit sind wir naß bis auf die Knochen, trockene Kleidung hat auch niemand mehr von uns. Wir nehmen uns ein Zimmer, kultivieren uns so weit wie möglich, und erkunden abends die Altstadt von Dubrovnik zu Fuß.

Am nächsten Tag mittags lassen wir uns zum Flughafen bringen. Von dort bringt uns SkyEurope problemlos nach Bratislava zurück.

Obwohl das Wetter nicht gerade zu unseren Gunsten war, hatten wir dennoch wieder sehr viel Spaß am Paddeln und an der Natur und an unserer Gemeinschaft.

Die Planungen für nächstes Jahr sind bereits im Gange, wahrscheinlich die Verlängerung unserer Tour von 2003 an der Südküste Kretas.

Aber dann bitte bei 25 Grad Luft und Wassertemparatur, keinen Regen und wenn möglich keinem allzu starken Wind, dafür wünschen wir uns auch zu Weihnachten (fast) nichts ..........

 

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