Paddeltour Südküste Kreta

      Boote : GRABNER EXPLORER 1 + 2
Teilnehmer: Christoph Ullmann, Josef Mayrhofer, Erich Öllinger
Bericht: Erich Öllinger

Vorgeschichte:

Vor gut 20 Jahren verbrachten wir (Meine damalige Freundin und jetzige Frau Gerti und ich) unseren Tramper-Urlaub in Griechenland. Durch eine Reihe von Empfehlungen, die wir von anderen Rucksacktouristen damals unterwegs erhielten, verschlug es uns auf Kreta, genauer gesagt an die Südküste Kretas nach Paleochora.
Wir unternahmen damals eine Bootsfahrt mit einem Ausflugsboot von Paleochora nach Chora Sfakion (über Sougia - Agia Roumeli - Loutro)
Diese Bootsfahrt entlang der Südküste beeindruckte mich damals gewaltig, die Eindrücke der Steilküste, kleinen Buchten und des türkisfarbigen Meeres haben sich nachhaltig in meiner Erinnerung festgesetzt.
Vor ca. einem Jahr entstand der Gedanke diese Tour zu wiederholen, dieses Mal allerdings nicht als Passagier auf einem Ausflugsboot, sondern mit GRABNER Luftbooten - mit eigener Muskelkraft und mit der Möglichkeit das Tempo und die Aufenthalte selbst zu bestimmen.

Vorbereitung:

Da meine Frau sehr großen Respekt (um nicht zu sagen Angst) vor dem Meer hat, kam ein Familien-Paddelurlaub nicht in Frage.
Also alleine? Naja, die Tatsache, dass ich so eine Tour noch nie gemacht hatte, erzeugte dann doch ein gewisses Unbehagen bezüglich der möglichen Gefahren.
Ich suchte also nach Mitpaddlern in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Das war gar nicht so einfach wie man vielleicht glauben möchte. Manche wollen wenn sie unterwegs sind nur mehr in Hotels nächtigen, andere halten die Idee, dass man sich im Urlaub vielleicht anstrengen muss, für einen Widerspruch in sich selbst, wieder Andere sind sowieso lieber zuhause. Urlaub nehmen, Geld, andere Verpflichtungen und ...... sind noch ein paar Beispiele von vielen anderen mehr, dass es ungefähr 100x so viele Gründe gibt nichts zu unternehmen, als Gründe dafür etwas aktiv zu tun.
Bei 2 Freunden genügte allerdings schon die Schilderung des geplanten Unternehmens: Ja super, wann fliegen wir?
Wir entschieden uns für einen Termin Ende September, um den Ferienmonaten Juli und August und der größten Hitze auszuweichen.
Nun begannen die Recherchen: Gibt es schon Berichte über Paddeltouren an der Südküste Kretas, worauf ist vom Wetter her zu achten, woher bekommen wir eine möglichst genaue Karte der Küstenlinie, wie geht sich das mit dem Gepäck aus bezüglich der Reisegepäck Bestimmungen der Fluglinien?
Um es kurz zu machen: Berichte über Paddeltouren auf Kreta gibt es nur ganz wenige, zum beherrschenden Thema unserer Vorbereitungen wurden die angeblich sehr gefährlichen ablandigen Winde, die an der Südküste Kretas innerhalb kürzester Zeit entstehen und sehr heftig sein können.
Wir stießen auf Berichte und Erzählungen in Seakajakforen wonach schon Paddler auf Grund dieser Winde auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind, man riet uns vehement ab, ja warnte uns, unser Unternehmen mit Luftbooten (wegen der Windanfälligkeit) zu versuchen.
Für uns Paddel-Neulinge gab das allerhand Grund nachzudenken, wir entschieden uns aber schlussendlich so vorsichtig wie möglich zu sein, und uns nicht abhalten zu lassen.

 


 

Endlich geht?s los ...

Am Freitag 26. September flogen wir mit der Aero Lloyd um 18:30 von Linz nach Heraklion. Flugpreis ca. 240,-- Euro. Unser Übergepäck - bedingt durch die 2 Boote, Paddel + Zubehör - von ca. 25 kg war beim Check-in überhaupt kein Thema, kein Aufpreis, die gelangweilten Damen, die am Schalter unser Gepäck übernahmen, ignorierten die Gewichtsanzeige einfach.

Ankunft Heraklion 22:00
Wir nahmen uns ein Taxi vom Flugplatz ins Zentrum, der Taxifahrer redete unaufhörlich und wollte uns natürlich sofort ein Zimmer vermitteln. Wir wollten uns aber selber eine Unterkunft suchen, und erkundeten so mit unserem Gepäck am Rücken das nächtliche Heraklion. Das war ziemlich anstrengend, es entstand unterwegs beim Anblick des vorausgehenden Kollegen die Geschichte vom "Rucksack mit Beinen". Wir fanden schließlich eine Unterkunft/Absteige, der Hunger trieb uns noch auf eine weitere Erkundungstour, diesmal ohne Gepäck.
Auf unserer Lokalsuche stießen wir auf eine Kneipe, in der es Speisekarten nur in griechisch, ohne Übersetzung gab, wahrscheinlich gibt es in dem touristischen Heraklion gar nicht mehr so viele derartige Lokale. Wir bestellten das Gericht, das auf der Speisekarte den längsten Namen hatte, und erhielten daraufhin kalte zerdrückte Eier mit Olivenöl und Zwiebeln - und das um Mitternacht, na ja.
Am nächsten Tag zeitig in der Früh nahmen wir den Bus von Heraklion nach Rethimnon. Von dort ging es weiter nach Chania. Die Fahrt an der Nordküste vermittelt mir immer wieder (mein 10er Aufenthalt auf Kreta) denselben Eindruck: Was veranlasst Menschen auf diese wunderschöne Insel zu fliegen, und dann 14 Tage in einem Hotel an dieser austauschbaren Nordküste zu verbringen?
Von Chania ging es weiter per Bus nach Paleochora, wo wir gegen 14 Uhr ankamen. Wir gönnten uns noch einen 1,5 km "Spaziergang" mit insgesamt 85 kg Gepäck zum Campingplatz, dann war Baden und Essen gehen angesagt, wir wollten erst am nächsten Morgen die Paddeltour beginnen.
Am Abend holten wir uns noch in einem Internet-Cafe die neuesten Wind- und Wetterprognosen, alles in Ordnung, am nächsten Tag konnte es losgehen.

 


 

Paleochora - Sougia

Nach dem Frühstück im Campingplatz-Restaurant (nette deutschsprachige Besitzer, am Abend zuvor hatten wir dort noch eine eigenartige Diskussion über Sklaverei mitbekommen - eventuell inspiriert durch unsere in der Zwischenzeit aus Gründen der "Corporate-Identity" und zum Schutz vor der Sonne zugelegten Kopfbedeckungen) bauten wir am Strand die GRABNER Explorer Boote auf.


Die anfängliche Skepsis über die zu erwartende Aufbau-Arbeit wich schnell grenzenlosem Erstaunen, als beide Boote innerhalb von 15 Minuten inklusive der Steuervorrichtung aufgebaut waren. Die Teile der Steuervorrichtung hatten wir dabei zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal gesehen, der Aufbau war aber trotzdem ohne Komplikationen möglich.
Wir verstauten unser restliches Gepäck in den Bug und Heckbereichen der Boote, Geld und Tickets in einer wasserdichten KS-Tonne. Nun war er gekommen, der Augenblick der Wahrheit: Wie steigt man am besten in die Luftboot Kajaks ein, wird die Angelegenheit recht wackelig werden?
Bevor wir lange darüber nachdachten, saßen wir ohne Probleme bereits in den Booten. Keine Spur von Unsicherheit, die Boote vermitteln beinahe den Eindruck, dass eine Kenterung unmöglich sei.
Bei bestem Wetter, nur kleinen Wellen, allerdings mit leichtem Gegenwind lassen wir Paleochora hinter uns. Es macht riesigen Spaß auszuprobieren, wie schnell man mit den Booten unterwegs sein kann. Bald jedoch verzichten wir aus Gründen des eventuell zu erwartenden Muskelkaters auf unsere anfänglichen Wettrennen, und beginnen das Gefühl des Gleitens auf dem Wasser zu genießen.
Eine eigenartige Stimmung macht sich breit, es wird fast nichts gesprochen, wenn ich in die Gesichter meiner Mitpaddler blicke, sehe ich dort einen Ausdruck von beinah abgehobener Zufriedenheit und Erwartungshaltung, ein Ausdruck den man im Alltagsleben viel zu wenig bemerken kann.
Wir steuern auf den ersten Felsvorsprung zu, der sich in einigen Kilometern Entfernung befindet, bleiben aber immer ca. 50 bis 150 m vom Ufer entfernt. Das hat den Vorteil das man sich sicher fühlt, und die beeindruckende Küstenlinie gut betrachten kann. Nachteil - wenn es denn einer ist, man paddelt von der Wegstrecke her gesehen um mindestens 50% längere Wege als auf direktem Weg, aber in diesem Fall ist ohnehin der Weg das Ziel.
Nach 2 Stunden erreichen wir einen Strand an dem es sogar ein "Lokal" gibt. Da wir laut unserer Karte anschließend bis Sougia keine Möglichkeit mehr haben werden, etwas einzukaufen, legen wir hier eine Rast ein. Die Rast ist kurz, alle freuen sich schon wieder aufs paddeln, rasch sitzen wir wieder in den Booten und nehmen Kurs ostwärts.


 Wir erreichen die ersten Ausläufer des Lefka Ori, jenes gewaltigen Bergmassivs, dessen Gipfel einen großen Teil des Jahres schneebedeckt sind. Die Küste wird immer mehr zur Steilküste, das Meer immer klarer, in jeder Bucht scheint sich der Farbton des Meeres zu ändern: immer neue Türkis- und Blautöne versetzen uns immer wieder in Erstaunen. Wir sind in der Zwischenzeit natürlich völlig allein, manchmal kann man in der Steilküste einen Pfad erkennen, einmal sehen wir Wanderer. Es gibt immer wieder Höhlen entlang der Küste, die direkt vom Wasser aus erreichbar sind. Die meisten davon befahren wir auch, die Höhlen sind angenehme Rastplätze, windstill und vor der Sonne geschützt.
Unsere Stimmung ist euphorisch, wir sind uns einig, dass wir bereits jetzt das bisher Erlebte und Gesehene nicht im Traum gegen einen 14 tägigen Pauschalurlaub tauschen würden, selbst wenn wir ihn geschenkt bekämen. Am späteren Nachmittag erreichen wir den letzten Felsvorsprung vor Sougia. Nachdem wir den Felsvorsprung passiert haben, können wir Sougia sehen. Wie weit wird es bis zu diesem "Ort" jetzt noch sein? Schwer zu schätzen, unsere Annahmen liegen zwischen 1 und 3 Kilometer. Während der letzten Stunden haben wir auf Grund der gewaltigen Eindrücke eigentlich von der körperlichen Anstrengung nichts mitbekommen, jetzt da wir den Ort erkennen können, spüren wir den Gegenwind und unsere Armmuskeln. Wir brauchen noch über eine Stunde bis wir anlegen können, und in einer Taverne ein kühles Bier genießen können. Wir haben irgendwie während des ganzen Tages vergessen, dass wir in dem ca. 25 Grad warmen Meer jederzeit ein Bad hätten nehmen können. So einfach wäre es allerdings an der Steilküste ohnehin nicht gewesen, anlegen wäre nur 1x und dort nicht ganz einfach möglich gewesen.
 Wir holen das aber anschließend gründlich und ausgiebig nach, erstaunlich, dass das Wasser Ende September noch so warm ist.
Christoph und ich fahren dann mit den Booten noch einige hundert Meter weiter östlich, wo wir ohne Probleme unter einem großen Baum direkt am Strand unser Zelt aufschlagen können. Josef ist einstweilen zur Erkundung des Hinterlandes aufgebrochen, irgendwo hat er eine Kapelle gesehen, die er unbedingt fotografieren muss. Auch erstaunlich, so viel ich weiß bedeuten ihm Kirchen und Kapellen zu Hause nicht ganz so viel .....
Wir baden anschließend nochmals im klaren Meer, und verbringen den Abend auf unseren Booten sitzend, den klaren Sternenhimmel über uns, mit mehr oder weniger tiefsinnigen Gesprächen. Ist das Weltall jetzt endlich oder unendlich? Wir sind zu müde, um diese Frage noch an diesem Abend zu klären und legen uns schlafen und freuen uns alle auf den nächsten Paddel-Tag.

 


 
Sougia - Agia Roumeli

Gegen 7:30 weckt uns die Sonne. Wir kriechen aus dem Zelt, jeder blickt die Anderen fragend an, wie stehts mit dem Muskelkater? Nein, wir fühlen uns alle drei fit.
Beim Frühstück gibt´s R
egional-Fernsehen, nein, nicht die Flimmerkiste. Einer der offensichtlich die Nacht zum Tag gemacht hatte, versucht verzweifelt eine Flasche Bier zu öffnen, ohne Erfolg. Entschlossen sich dies nicht bieten zu lassen geht er schließlich in ein Lokal, lässt sich das Bier öffnen und geht dann wieder, eigentlich schwankt er mehr.
Der Himmel zeigt sich nach wie vor wolkenlos, es gibt jetzt überhaupt keinen Wind mehr, das Meer ist fast wellenlos. Bei diesen Bedingungen ist es ohne große Kraftanstrengung möglich ein beachtliches Tempo zu erreichen. Wir haben dennoch keine Eile, die optimalen Verhältnisse erlauben uns wenige Meter neben der Steilküste zu paddeln. Bei Wind und Wellen wäre dies gänzlich unmöglich, es gibt jetzt kilometerlang absolut keine Stelle an der man anlanden könnte.
Die einzigen Lebewesen die man jetzt am Festland noch sehen kann sind Ziegen. Erstaunlich wie die sich auf den Steilküsten bewegen können, ohne herunterzufallen. Später, als wir in Ufernähe etwas vorerst undefinierbares im Wasser treiben sehen,
und dieses natürlich sofort inspizieren müssen, lernen wir, dass eben doch manchmal eines dieser Lebewesen abstürzen kann.
Wir nutzen eine kleine Bucht um zwischendurch baden zu gehen, ob hier wohl schon jemals jemand gewesen ist? Egal, wir freuen uns am Augenblick dieses Robinson Gefühls.


Wir paddeln weiter und treffen auf ein stark motorisiertes Boot. Die Besatzung hat Freude daran etliche Male zu wenden und an uns vorbeizubrausen, sie winken, wir winken freundlich zurück. Man bemitleidet uns offensichtlich auf Grund unserer fehlenden Motorisierung, wir würden aber auf keinen Fall tauschen: Speed kills, zumindest jetzt und hier!
Wir erreichen früher als geplant Agia Roumeli. Von hier aus kann man die bekannte Samaria Schlucht durchwandern. Üblich ist es allerdings in die Schlucht vom Gebirge aus einzusteigen. Man kann sich bis zum Einstieg mit dem Bus bringen lassen, durchwandert die Schlucht bis Agia Roumeli und führt anschließend mit dem Schiff weiter. Wir befinden uns jetzt allerdings am anderen Ende der Schlucht, und da wir Zeit genug haben, beschließen wir von der Meerseite aus in die Schlucht einzusteigen. 
Wir begegnen Wanderern, die logischerweise fürs Wandern ausgerüstet sind und ernten erstaunte Blicke, da wir mit Sandalen unterwegs sind. Sicher nicht sehr vernünftig, aber wir haben halt kein anderes Schuhwerk mit. Trotz unserer unpassenden Ausrüstung gehen wir etliche Kilometer in diese imposante Schlucht, die sich immer mehr verengt. Gegen 17 Uhr kehren wir um, da wir nicht unbedingt mit unserer unpassenden Ausrüstung auch noch in der Dunkelheit zurückwandern wollen. Direkt am Ausgang der Schlucht befindet sich eine Sanitätsstation, die wir Gottseidank nicht benötigen. Wir warten noch bis zum Einbruch der Dunkelheit, schlagen dann unser Zelt direkt am Strand auf und gehen essen. Der Ort ist abends wie ausgestorben, hier spielt sich alles tagsüber ab.
Zurück beim Zelt setzen wir unsere am Vorabend begonnene Diskussion fort, um schließlich unendlich wie folgt zu definieren: Endlich dämmert uns die Erkenntnis, dass diese Art von Urlaub hier unendlich schön ist.

 

 

Agia Roumeli - Loutro

Am Morgen ist es in Agia Roumeli stark bewölkt, es ist allerdings komplett windstill. Irgendwie sieht das nach "Ruhe vor dem Sturm aus". Wir versuchen beim Frühstück Informationen über den weiteren Wetterverlauf zu bekommen. Unser Kellner ist sehr höflich aber auch sehr uverbindlich: How is the Weather forecast? Well, there will be rain today maybe, or maybe there will be sunshine.
What about the wind, will there be a storm? Maybe!
Aha, jetzt wissen wir mehr. Wir entschließen uns aufzubrechen und das Wetter eben so gut wie möglich zu beobachten und die Entwicklung abzuschätzen.
Es ist eigenartig ruhig am Meer, unheimlich, aber andererseits herrschen ideale Bedingungen. Nach einer halben Stunde, in der sich die Wetterbedingungen nicht verschlechtern, wird die Stimmung wieder lockerer, wir fühlen uns in der Zwischenzeit sehr sicher beim Paddeln.
Am unwegsamen Ufer entdecken wir Strommasten, wo werden die hinführen? Nach ca. 2 Stunden können wir in einer Bucht ein Haus erkennen, da fährt also die Stromleitung hin.
Beim Näherkommen entpuppt sich das Haus als Taverne. Vor der Taverne ankert eine imposante Yacht. Wir beschließen eine Mittagspause in der Taverne einzulegen, das Lokal ist gut gefüllt, wo kommen nur all die Leute her? Es fährt nur ein nicht ungefährlicher Wanderweg entlang der Südküste, sollte das eine Wandergruppe sein? Respekt!
Plötzlich kommt Bewegung in die Gruppe, der Kapitän der Yacht lässt sich auf sein Boot bringen und es folgen schließlich alle Leute aus dem Lokal. Aha, da kamen die Leute her.
Jetzt sind wir mit dem Besitzer alleine in dem Lokal. Wir wollen auch wieder aufbrechen, doch der Wirt bringt 3 Bier. Wer hat das bestellt? Niemand von uns auf jeden Fall. Wir fragen den Wirten, und der gibt uns zu verstehen, dass Paddeln ja anstrengend sein muss, und wir ruhig sitzen bleiben sollten, das wäre schon in Ordnung. Und zur Untermauerung seiner Feststellung bringt er noch 3 Raki in Wassergläsern, auch nicht bestellt.
Uns dämmert: Dem Wirt ist langweilig, der will uns hierbehalten. Wir wehren uns halbherzig, eigentlich ist es ohnehin sehr gemütlich hier. Wir gehen schwimmen. Wie wir zurückkommen und jetzt aber wirklich aufbrechen wollen, stehen bereits wieder 3 Bier und 3 Raki am Tisch, natürlich wieder nicht bestellt.
Der Wirt wird immer fröhlicher, wir auch, jetzt wird es gefährlich. Irgendwie schaffen wir es dann doch zu entkommen, indem wir entschlossen gleichzeitig aufstehen, uns bedanken, die weiteren 3 Bier, die der Wirt bereits in Händen hält ignorieren, und ohne uns umzublicken Richtung Boote marschieren.
Wir haben wie bei jeder Rast etwas Luft aus den Booten gelassen, damit der Druck nicht zu hoch wird, jetzt muss wieder nachgepumpt werden.
Bald ist um uns wieder nur mehr Wasser, Steilküste und Ruhe, nur das rhythmische Eintauchen der Paddel ist zu hören. Wir kommen gut voran und nach weiteren 2 Stunden erreichen wir eine kleine Anlegestelle. In der Bucht befindet sich eine Kapelle und ein kleines Haus. Alles offengesperrt, in der Kapelle befinden sich Bilder, Ikonen und ein kleiner Altar. Bei der Anlegestelle sind merkwürdige Schlieren an der Wasseroberfläche zu erkennen. Wir tippen zuerst auf Öl, beim Baden merken wir dann, dass diese Schlieren durch eine Quelle entstehen, die hier sehr kaltes Wasser ins Meer bringt. Es ist sehr erfrischend hier zu baden, wir vermuten dass das Quellwasser sicher 10 Grad kälter ist als das Meer.
Hinter dem nächsten Felsvorsprung vermuten wir bereits Loutro, das stellt sich allerdings als Irrtum heraus, jedoch gibt es einen sehr schönen schwarzen Kieselstrand, an dem etliche Menschen sonnenbaden. Auf einem Felsen oberhalb des Strandes gibt es ein Lokal, dass auf einer abenteuerlichen, in den Stein gehauenen Treppe erreichbar ist. Nach Norden zu öffnet sich eine Schlucht. Es ist zwar schon relativ spät, aber wir wollen dennoch noch ein Stück in die Schlucht wandern. Gesagt, getan, diese Schlucht ist nach wenigen hundert Metern bereits relativ eng, es riecht wunderbar nach Kräutern. Wir würden gern noch weiter die Schlucht erkunden, die Dämmerung treibt uns allerdings zurück zum Meer. 

Am Strand werden die GRABNER Explorer Boote von einigen deutschen Urlaubern bewundert. Wir kommen ins Gespräch und wir erfahren, dass sie zuhause gerne mit Feststoffbooten flusswandern. Man versorgt uns noch mit dem Tipp in Loutro eher den Ostteil des Ortes anzusteuern, da der Westteil sehr teuer sein soll. In einer halben Stunde haben wir Loutro erreicht. Wir befolgen den Rat und halten uns östlich. Beim Abendessen beschliessen wir auf Grund der sehr günstigen Zimmerpreise (Dreibettzimmer für 20 Euro) uns in dieser Nacht ein Zimmer mit Dusche zu gönnen. Es ist ein eher ungutes Gefühl die Boote allein am Strand zurückzulassen, unser Wirt versichert uns allerdings, dass nur das Meer für die Boote gefährlich werden könnte, falls wir sie nicht weit genug an den Strand herausgezogen hätten.
Wieso sollte das Meer für die Boote gefährlich werden, denken wir uns, fragen aber nicht weiter, wir haben die "maybe" Wetterprognosen noch im Ohr. Wie sich herausstellen sollte hatte unser jetziger Wirt allerdings genauere Wetterinformationen ....
Während des Abendessens treibt ein kurzes Erdbeben griechische Frauen aus Ihren Häusern, sie bekreuzigen sich fortwährend, die griechischen Männer bleiben cool, derartige Erdbeben dürften hier also nicht so selten sein. Wie wir später erfahren liegt das Epizentrum des Bebens nördlich von Kreta, das Beben hatte die Stärke 4
Wir treffen noch unsere deutschen Urlaubsbekannten, die sich für die GRABNER Explorer Boote interessiert haben, und in der Zwischenzeit nach Loutro gewandert sind. Ihr Kommentar: "Na eure Boote gehen ja ganz schön ab! Ihr seid ja schneller gewesen als wir das geglaubt haben!"

 

 

Loutro - Chora Sfakion

Merkwürdige Geräusche lassen uns am Morgen zeitig erwachen. Die Balkontür unseres Zimmers knarrt ständig, schließlich wird sie mit lautem Knall zugeschlagen. Wind ist aufgekommen, recht heftig aber noch kein Sturm. Unser Wirt schätzt den Wind beim Frühstück auf 6 Beaufort ein, Tendenz steigend.
Die Wasseroberfläche beunruhigt uns nicht weiter, es gibt zwar jetzt Wellen, allerdings kommen uns die noch nicht bedenklich vor. Wir sind allerdings in einer geschätzten Bucht, die Strecke nach Chora Sfakion schätzen wir auf ca. 2 - 3 Stunden ein. Da wir ohnehin keine andere Möglichkeit sehen aus Loutro wegzukommen, paddeln wir los.
Um aus der Bucht zu kommen, müssen wir ein Stück südlich fahren, wir haben zu diesem Zeitpunkt den Wind im Rücken. Es macht Spaß mit den Wellen zu spielen, durch den Rückenwind ist auch keine großartige Anstrengung notwendig, wir probieren aus was passiert, wenn wir die Wellen nicht schneiden, sondern seitlich kommen lassen. Kein Problem, wir fühlen uns sicher.
Der Felsvorsprung, der östlich die Bucht begrenzt liegt jetzt noch etwa 100 m vor uns, ab da müssen wir dann wieder Richtung Osten paddeln, mal sehen wie sich der Wind dann auswirkt. Bereits jetzt werden die Wellen immer höher, auf der Höhe des Felsvorsprungs erreichen die Wellen bereits eine Höhe, die uns nicht mehr ans Spielen mit den Wellen denken lässt, sondern nur mehr an ein möglichst vernünftiges paddeln.
Da wir die Wellen jetzt nicht mehr seitlich nehmen wollen, und uns der ablandige Wind bei strikter östlicher Paddelrichtung immer weiter aufs Meer treibt, entsteht vom Kurs her ein Kreuzen. Wir paddeln ein Stück in südöstlicher Richtung, also aufs Meer hinaus, dann wieder in nordöstlicher Richtung. So geht das einigermaßen, wobei die Strecken in nordöstlicher Richtung schon anstrengend sind, einmal auf Grund der Tatsache, dass wir gegen den Wind paddeln, zusätzlich gehen viele Paddelschläge auf Grund der Wellen ins Leere.
Der Wind wird immer heftiger, ein Blick auf unsere Karte zeigt uns, dass wir für den letzten Kilometer ungefähr eine Stunde gebraucht haben.
Jetzt ist das paddeln kein Gleiten mehr, eher kann man es schon mit Wellenreiten vergleichen. Solange wir allerdings beim Paddeln in nördlicher Richtung, also zum Festland noch relativ gut vorankommen, mache wir uns keine Sorgen.
Wir erreichen den letzten Felsvorsprung vor Chora Sfakion schon ziemlich abgekämpft, der Wind hat sich in der Zwischenzeit kontinuierlich gesteigert, das letzte Stück in nördlicher Richtung ist jetzt nicht mehr lustig. Wir haben manchmal bereits das Gefühl auf der Stelle zu paddeln, beobachtet man jedoch die Uferlinie, kann man ein zwar sehr langsames, aber immerhin noch ein Vorankommen feststellen.
Schlussendlich sind wir froh, als wir in Chora Sfakion anlegen können. Jetzt heißt es abwarten, wie sich der Wind entwickelt.
Innerhalb der nächsten Stunden wird der Wind zum Sturm, an paddeln ist nicht mehr zu denken. Unsere Bargeldvorräte neigen sich dem Ende zu, aber es soll ja in diesem Ort einen Bankomaten geben. Wir finden ihn auch sofort, allerdings funktioniert er nicht. Ein Techniker sei bereits angefordert, erklärt man uns. Ob der Techniker denn heute noch kommt, wollen wir wissen: Maybe ......
Wir warten einige Zeit, vom Techniker keine Spur, und bemerken dann noch, dass der Bankomat nur mit Visa Karten funktioniert, wenn er denn funktioniert. Visa Karte haben wir keine, also wollen wir jetzt schnellstmöglich weg von diesem unsymphatischen Ort. (Wir waren in der Zwischenzeit essen, das war Abfütterung zu überhöhten Preisen, zum ersten Mal haben wir jetzt auf Kreta Kontakt mit diesen unguten Kellnern, die einen am liebsten von der Strasse weg in ihr Lokal zerren wollten.)
Schnellstmöglich weg, so einfach ist das nicht. Der einzige Bus der an der Südküste Richtung Plakias fährt ist bereits am Vormittag gefahren. Taxi-Unternehmer gibt es zwar, aber der hat für heute offensichtlich schon genug verdient, er erklärt uns, dass wir morgen wiederkommen sollte, da hätte er eventuell Zeit.
Wir versuchen privat jemanden mit einem Pick-up (wegen des Umfangs unseres Gepäcks) zu finden, was uns schließich auch gelingt. Wir handeln den Preis aus, und ab geht´s Richtung Plakias. Eine interessante Fahrt in einem interessanten Gefährt.
Von Plakias wollen wir mit einem Ausflugsboot Richtung Moni Previli weiter. Nein, sagt uns der Kapitän, bei dem Wind und Seegang fahren keine Ausflugsboote mehr. Auf unsere Frage wie die Prognosen für den Wind in den nächsten Tagen sei, erklärt er uns, dass der Wind noch stärker wird, und diese Wetterphase 3 Tage dauert.
Eine online-Wetterkontrolle in einem Internetcafe liefert denselben Bericht. Wir beschließen uns ein Leihauto zu nehmen, und noch nach Matala und Lentas zu fahren.
Am letzten Tag in Matala flaut der Wind wieder etwas ab, und wir erkunden noch mit den Booten die umliegenden Buchten.
Noch ein Tipp für alle Kreta Reisenden die mit dem Flugzeug in Heraklion ankommen und abfliegen: Wir haben direkt im Flughafengelände für 3 Kaffee 9,60 Euro bezahlt. Hundert Meter vom Flughafengebäude entfernt gibt es einen Verkaufsstand wo wir für 3 Getränke und 3 große Sandwich gerade mal 6 Euro bezahlt haben ....

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Uns hat dieser Paddel-Urlaub infiziert, es ist eine Art von Urlaub, die absolut nicht mit 14 Tage Pauschalurlaub zu vergleichen ist. Man bestimmt sein Tempo selbst, kommt an Pl?tze wo 99% aller anderen Touristen niemals hinkommen, ist an Traumstränden völlig allein, bewegt sich an der frischen Luft, erlebt die Natur.
Für eine Kreta Paddeltour empfehlen wir 14 Tage, damit man diese 3-tägigen Windphasen abwarten kann.
Unsere nächste Paddeltour ist auf jeden Fall schon in Planung: Vielleicht Kefalonia, vielleicht die dalmatinische Küste ......