Paddeltour Südkreta 2005

16.09.2005 bis 26.09.2005

Boote : "EXPLORER 1", "EXPLORER 2"

Teilnehmer: Christoph Ullmann, Josef Mayrhofer, Marco Mayrhofer, Erich Öllinger

Nach der letztjährigen Regenorgie in und um Dubrovnik wollten wir 2005 - zumindest von den Temperaturen her gesehen - wieder auf Nummer sicher gehen, also 700 km weiter südlich: Kreta Südküste, die Fortsetzung unserer Tour von 2003

Am 16 September gings los: Mit dem Zug nach Linz, per Bus zum Flughafen Linz, mit Fly-Niki nach Heraklion. Diese Mal mussten wir unser Gepäck - 3 Rucksäcke mit insgesamt 95 kg - als Sperrgepäck aufgeben, weil sich die zierliche Dame beim Check-in außerstande sah, die Rucksäcke aufs Förderband zu bekommen, es ging aber trotz Sperrgepäck-Deklaration ohne Mehrkosten ab.

Um 16:30 Uhr wurden wir am Flughafen Heraklion vom Taxi (aus Plakias) erwartet, das wir per E-Mail bestellt hatten. Statt 3x umsteigen per Bus kamen wir direkt per Taxi um 18 Uhr in Plakias an. Kosten fürs Taxi : 70 Euro, per Bus hätte die Fahrt zu viert um die 50 Euro gekostet.

Christoph und ich bauen unser Zelt am Campingplatz Apollonia auf, Vater und Sohn Mayrhofer bevorzugen die Hardcore-Camping Variante, sie schlafen im Freien.

Anschliessend gehen wir in den Ort, ein erstes Abendessen im Sifis-Souvlaki-House, wir bestellen gemeinsam Souvlaki, Tzatziki, griechischen Salat, jeder nimmt sich was er gerade mag, die Kreter haben mit dieser Art zu essen keine Probleme, vielmehr ist dieses "jeder kostet alles" mit anschließendem "alles auf eine Rechnung" auf Kreta bei den Einheimischen üblich.

Wir können das Sifis-Souvlaki House wirklich empfehlen, reichlich, schmackhaft, günstig und nachher Raki bis zum Abwinken. Ja, jetzt sind wir wirklich gelandet!!

 

Am nächsten Morgen müssen wir natürlich noch den Swimming Pool am Campingplatz besuchen, wir sind scheinbar die einzigen Gäste am Campingplatz, demzufolge sind wir natürlich auch die einzigen Gäste am Swimmingpool.

Ich zeige Christoph dass ich alle Schwimmstile perfekt beherrsche, beim Delphinschwimmen versuche ich als Draufgabe auch noch den Pool leerzutrinken.

Um 9:30 sind wir am Strand, bauen die Boote (EXPLORER 1 und EXPLORER 2) auf, in 20 Minuten sind wir damit fertig.

Zu diesem Zeitpunkt gibt es schon ganz ordentliche Wellen, die uns nachdenklich machen, vor Allem was das Einsteigen in die Boote und wegkommen vom Strand betrifft.

Als erstes startet Marco, wir helfen ihm beim Einsteigen, kein Problem. Josef startet im EXPLORER 1, mit Schwung besteigt er das Boot, eine Welle trifft das Boot leicht seitlich und Josef entschließt sich kurzfristig vor dem Paddeln doch noch ein Bad zu nehmen. Die Menschen am Strand sind dankbar für das Schauspiel, beim zweiten Einsteigversuch gibt es keine Probleme.

Beim Paddeln sind die ca. 1 m hohen Wellen kein Problem, es geht zügig ostwärts voran.

Unser erstes Ziel ist Moni Previli, eine Strecke von ca. 12 km liegt vor uns. Unterwegs halten wir mehrmals an einsamen Stränden um im angenehm warmen Meer zu baden.

Am Nachmittag erreichen wir den Strand von Moni Previli. Christoph und ich kennen diesen Strand schon von früher, trotzdem ist es immer wieder beeindruckend den Strand, den Fluss der hier ins Meer mündet und die Palmen am Flussufer zu sehen. Wir paddeln auf dem Fluss so weit es geht landeinwärts. Die Ufer des Flusses sind menschenleer, nicht so wie vor ca. 20 Jahren als hier eine Horde von Kurzzeit-Aussteigern hauste, die unter ihrer damaligen Freiheit vor allem verstanden sich gegenseitig zu beklauen und ihren ganzen Mist überall liegen zu lassen. Jetzt gibt es stattdessen jede Menge Schildkröten, die uns neugierig beobachten, und ehrlich gesagt sind mir die bei weitem lieber ...

Nach ca. 400 m ist es vorbei mit paddeln, einige große Felsbrocken im Fluss versperren den Weg.

Wir paddeln zurück an den Strand und verbringen in der Taverne am Strand einige Zeit damit, den Badegästen zuzusehen, wie sie versuchen barfuss auf den im Sand ausgelegten  Holzstegen zu gehen. Da die einzelnen Holzteile des Steges eher schmal sind ist das Gehen darauf offensichtlich sehr schmerzhaft, trotzdem gehen die meisten auf den Stegen und nicht im weichen Sand, Gottseidank, sonst hätten wir ja nichts zu schauen und zu lästern!

Am Abend paddeln wir noch ein Stück ostwärts, wir wollen nicht am Palmenstrand übernachten, da dies dort offiziell verboten ist. Wir glauben zwar, dass es um diese Jahreszeit kein Problem gewesen wäre, aber wir wollen uns nicht über dieses Verbot hinwegsetzen.

Am östlich gelegenen Strand gibt es zwei Tavernen und ein hässliches Betonskelett. Wie wir später erfahren, wurde dieser Rohbau vom Besitzer der Taverne, die näher am Strand liegt, seinem Tavernen-Konkurrenten vor die Nase gebaut. Da wir schon sehr hungrig sind, lassen wir uns in der Taverne am Strand nieder und bestellen wie üblich quer durch die Speisekarte. Der Wirt ist nicht unbedingt sonderlich motiviert, das Essen ist durchschnittlich, sollten wir wieder einmal hierherkommen, werden wir die andere Taverne bevorzugen, wo wir am nächsten Morgen frühstückten und wesentlich zuvorkommender behandelt wurden.

Nach dem Essen sitzen wir noch bei einer Flasche Rotwein am Strand, es ist einfach herrlich hier zu sitzen und über den vergangenen Tag und über die folgenden Paddeltage zu reden.

Josef hat sich bereits niedergelegt, und wir sind auch kurz davor schlafen zu gehen, als eine Gestalt auf uns zukommt. Wir vermuten schon, dass jemanden unser Zelt am Strand stört, beim Näherkommen entpuppt sich die Gestalt jedoch als ältere Dame. Und die Dame wiederum stellt sich als "wilde Hilde" vor, und unterhält uns die nächsten 2 Stunden mit allerlei Geschichten rund um Piraten, Ihren ehemaligen Ehemann Kapitän Michalis, Ihrem Sohn der die Musikgruppe "Mr. President" gegründet hat und über Ihre Erlebnisse seit 1978 auf Kreta. Ja, die rüstige 70 jährige Hilde ist seit 27 Jahren auf Kreta und weiß wirklich interessante Geschichten zu erzählen. Die Geschichten klingen teilweise utopisch, sie überrascht uns aber immer wieder mit detaillierten Ortskenntnissen und Kenntnissen über griechische Mythologie. Es wird wohl so wie bei allen ?Geschichten? sein, ein Teil Wahrheit und ein Teil Ausschmückung der im Laufe der Jahre hinzugekommen ist.

Schlussendlich warnt sie uns vor Mitgliedern der Russen-Mafia, die jetzt angeblich beginnen sich im Westen der Insel um Paleochora breitzumachen. Naja, es ist auf jeden Fall unterhaltsam ihr zuzuhören. Als Gute-Nacht Geschichte bekommen wir noch auf den Weg ja gut auf uns aufzupassen, da das Meer hier sehr heimtückisch ist und auch schon einigen Ihrer Freunde zum Verhängnis geworden ist, na gute Nacht.

Beim Frühstück treffen wir nochmals die wilde Hilde, sie will uns noch ein bemaltes Tuch verkaufen, wir laden sie stattdessen aber lieber zum Frühstück ein. Wir bekommen von ihr noch den Auftrag in Matala in der Kreta-Bar ihre Freundin Michaela zu grüßen, und ein baldiges Kommen zu avisieren.

Das Meer zeigt sich heute von seiner besten Seite, fast spiegelblanke See, einfach herrlich zum paddeln.

Unser heutiges Ziel ist Agios Pavlos, eine Strecke von ca. 15 km. Luftlinie ist kürzer, aber wir paddeln natürlich jede Bucht, jede Höhle an. In einem Seekajakforum hat schon einmal jemand unsere Durchschnittsgeschwindigkeit ausgerechnet, die liegt auch diesmal wahrscheinlich um die 2 oder 3 km/h. Nicht weil wir so extrem langsam paddeln, sondern weil wir unterwegs alles an der Küste erkunden, fast jeden einsamen Strand für eine Badepause nutzen, oder auch einmal zwischendurch von einem geeigneten Felsen ins Meer springen. Wir gehören nicht zu der Spezies der "Kilometer-Macher", der Weg ist das Ziel. Die Geschwindigkeit während des Paddelns selbst wird wohl so um die 6-7 km/h liegen, es ginge schon noch wesentlich schneller, wenn wir nur wollten ...

Es ist unbeschreiblich schön, an einem Tag wie diesem, wo man sich nicht auf Wind und Wellen konzentrieren muss, auf dem Meer dahinzugleiten, alles zu beobachten, zu riechen, zu spüren, sich einfach rundum wohlzufühlen.

Die EXPLORER Boote erweisen sich bei diesen Bedingungen als ideal, man sitzt bequem, hat jede Menge Platz und Bewegungsfreiheit.

Am Nachmittag treffen wir in Agios Pavlos ein. Am Sandstrand gibt es ein Lokal, der kleine Ort liegt etwas oberhalb des Strandes. Da nicht allzu viele Badegäste zu sehen sind, landen wir mitten am Sandstrand, und schlagen auch gleich hier unser Lager auf. Mir gefällt dieser Ort nicht besonders, irgendwie herrscht hier eine eigenartige Stimmung. Wir gehen abends in den Ort eine Kleinigkeit essen und sitzen anschließend noch in einer Taverne mit traumhaften Blick auf den Strand unter uns. Als wir in dieser Taverne unsere Getränke zahlen wollen, und ich zu diesem Zweck ins Lokal gehe, will mir die Wirtin genau das, was ich eigentlich bezahlen will, nochmals servieren. Ich versuche zu erklären, dass ich nur das bereits Konsumierte bezahlen will, die Wirtin will mich nicht verstehen. Ich gehe zu meinen Freunden zurück und erzähle Ihnen das Erlebte.

Christoph hält meine Erzählung für eine "Geschichte" und geht nun seinerseits um zu bezahlen. Nach 5 Minuten kehrt er frustriert zurück, man wollte von ihm ebenfalls kein Geld annehmen.

Wir gehen dann zu viert, und nach einigem hin und her dürfen wir dann doch bezahlen, hat uns etwa ein anonymer Paddel-Gönner eingeladen gehabt? Egal, wir wollen keinesfalls etwas schuldig bleiben.

Wir sind früh am Strand beim Zelt zurück, während ich bereits im Zelt schlafe, bekommen wir aber noch Besuch von einem Abgesandten der örtlichen Hotelerie. Er erklärt Christoph, dass eine Besprechung mit seinen Kollegen ergeben hat, dass wir hier nicht zelten dürfen. Christoph erklärt ihm, dass ich bereits schlafe, und wir ohnehin am nächsten Morgen zeitig wieder lospaddeln. Ganz recht ist dem Herrn das nicht, aber schließlich zieht er wieder von dannen. Wir hätten doch nicht mitten am Strand zelten sollen, aber die Nacht geht ohne irgendwelche Zwischenfälle vorüber. Freiwillig würde ich an diesen Ort aber dennoch nicht wiederkehren.

Unser nächstes Ziel ist Agia Galini. Auch heute herrschen ideale Bedingungen, nur leichter Seegang und dazu noch etwas Rückenwind.

Es gibt unterwegs bizarre Felsformationen, teilweise freistehend im Meer, zu bestaunen. Unser - in jungen Jahren beinahe Profi Wasserspringer - nutzt auch hier diverse Möglichkeiten von den Felsen zu springen. Wir erkunden vorher selbstverständlich, ob das Meer an diesen Stellen tief genug ist. Bedingt durch das immens klare Wasser ist die Tiefe schwer zu schätzen, vier Meter sollte die Tiefe schon sein. Als Christoph seine Sonnenbrille, die er uns vorher mit mäßigem Erfolg zugeworfen hat, herauftauchen muss, schätzt er die getauchte Tiefe allerdings eher auf 7 - 8 m.

Durch unseren überstürzten Aufbruch aus Agios Pavlos haben wir heute noch nicht einmal ein Frühstück zu uns genommen. Gegen Mittag erreichen wir einen Strand an dem es etwas oberhalb auch eine Taverne gibt. Wir beschließen hier etwas zu essen. Der Besitzer der Taverne ist zwar schon anwesend und extrem höflich (wir bekommen gleich einmal jeder zwei Glas Wasser serviert), die Taverne ist aber scheinbar noch geschlossen. Wir stillen unseren Durst und machen uns hungrig auf den weiteren Weg nach Agia Galini.

Direkt vor dem Hafen von Agia Galini gibt es sehr schöne befahrbare Höhlen. Die Licht-Reflexionen in den Höhlen sind atemberaubend. Wir verbringen noch einige Zeit in diesen Höhlen, und so wird es ca. 15 Uhr bis wir am Campingplatz von Agia Galini ankommen. Der Campingplatz liegt östlich des Ortes, ca. 150 m landeinwärts an einem Fluss. Man kann den Fluss bis zum Campingplatz hinaufpaddeln.

Wir lassen die Boote gut vertäut am Fluss, da Josef mittlerweile vor lauter Hunger nicht mehr spricht sondern eher knurrt. Wir behandeln ihn vorsichtig, ohne sein regelmäßiges Essen wirkt er eher gefährlich.

Das sollte sich aber rasch ändern, denn in dem Restaurant am Campingplatz gab es nicht nur reichliches, sondern auch ausgezeichnetes Essen, ich behaupte sogar noch nie auf Kreta so gut gespeist zu haben.

 
 

Der Campingplatz von Agia Galini ist überhaupt ein eigenes Kapitel wert: Wunderbar gelegen, die Inhaber überaus freundlich, das Restaurant spitzenmäßig, der Swimmingpool traumhaft, die Sanitäranlagen sauber und noch dazu jetzt gegen Ende September relativ wenige Camper. Ich bin nicht so der Freund von stationären Urlauben, aber hier würde ich es schon eine Woche aushalten.

Nachdem unser aller Josef (alias McGyver 2) mit gefülltem Bauch nun auch wieder seine Kommunikation mit uns von Knurren auf Sprechen umgestellt hatte, holen wir unsere Utensilien von den Booten, und weil es uns allen hier so gefällt, beschließen wir am nächsten Tag einen Ruhetag einzulegen.

Wir verbringen den Tag mit Baden, Wettschwimmen (50 m können ganz schön weit sein!), gutem Essen und einem nachmittäglichen Marathon Kartenspiel, das einen Teilnehmer zu dem denkwürdigen Spruch veranlasst: Ich versteh das nicht, ich spiele derartig gut, aber ich gewinne trotzdem nie ...

Am Abend erkunden wir den Ort Agia Galini. Zielsicher und mittlerweile offensichtlich mit einem feinen Gespür für empfehlenswerte Lokalitäten ausgestattet landen wir in der Snack-Bar "The Junction". Das Lokal ist urig, die Souvlaki und das übrige Essen ausgezeichnet, und der Wirt gesellig, in Summe uneingeschränkt empfehlenswert. Beim Rückweg auf den Campingplatz landen wir noch in der Bar "So far so good". Ich bin mir sicher, sollte dort jemand vorbeikommen und Grüße von den Paddlern aus Österreich (Christoph und die drei Anderen) ausrichten, dass man sich an uns erinnern wird!

Es wird etwas später an diesem Abend, und da am nächsten Morgen Wind aufgekommen ist und dementsprechend hohe Wellen vorhanden sind, beschließen wir unseren Aufenthalt am Campingplatz von Agia Galini um einen weiteren Tag zu verlängern.

Am darauffolgenden Tag sind die Wind und Wellenverhältnisse zwar eher noch etwas schlechter geworden, wir wollen aber unbedingt weiterpaddeln.

Wir starten ca. gegen 9:30, wie sich später herausstellen sollte, wäre es besser gewesen, um 7:30 loszupaddeln.

Vor uns liegt in östlicher Richtung die Ebene um Timbaki, die Küste verläuft anschließend in einem Bogen südwärts. Das heißt, wir sehen unsere gesamte Tagesstrecke bis Matala vor uns, und noch viel wichtiger, die Küste besteht auf dieser Etappe bis kurz vor Matala aus Sandstränden.

Obwohl also die Wellenhöhe nicht gerade zum Paddeln einlädt, fühlen wir uns durch die flachen Sandstrände relativ sicher. Wir kürzen auch nicht ab, sondern bleiben in einer Entfernung zwischen 50 und 100 m von der Küstenlinie.

Der Wind und die Wellenhöhe nehmen mit Tagesfortschritt kontinuierlich zu. Anfangs hatten wir Rückenwind, je weiter die Küste sich Richtung Süden dreht, kommt uns ab Mittag der Wind allerdings entgegen.

Auch nicht weiter schlimm, aber zunehmend anstrengend. Die ca. 2 m hohen Wellen machen uns auch keine Probleme, schlimm ist es nur wenn sich eine Welle direkt vor oder seitlich des Bootes bricht, im Laufe der Zeit haben wir nun doch schon einiges an Wasser im Boot, vor allem im Explorer 2, da es hier im Gegensatz zum EXPLORER 1 nicht möglich ist, vor derartigen Wellen leicht aufzukanten, um nicht den vollen Schwall zu erwischen.

Gegen 14 Uhr erreichen wir den kurzen felsigen Abschnitt der Küste vor Matala. Wir schätzen die Länge dieser felsigen Küste bis Matala auf ca. 1 km, das sollte trotz der mittlerweile sehr widrigen Umstände (der Wind hat weiter zugenommen) zu schaffen sein.

Durch den mittlerweile sehr starken Gegenwind geht es sehr langsam voran, schließlich kommen wir an einen Felsvorsprung, hinter dem wir Matala vermuten. Wir kämpfen uns um den Felsvorsprung herum - Fehlanzeige, außer einem weiteren Felsvorsprung ist nichts zu sehen. Da im EXPLORER 2 nun schon einige cm Wasser sind, beschließen wir aus Vorsicht umzukehren, und mit Rückenwind an den Komos Strand zurückzupaddeln. Das geht auch solange gut, bis uns eine mächtige Welle von hinten erwischt, uns zum Surfen bringt und uns dabei seitlich verdreht, und schließlich über uns zusammenbricht.

Wir können mit Mühe ein Kentern vermeiden, das Boot ist allerdings jetzt voll. Das Luftboot geht allerdings nicht unter, wir sitzen halt bis zum Nabel im Wasser. Die Steuervorrichtung funktioniert nicht mehr, wir paddeln und surfen weiter Richtung Komos Strand.

Nach ca. einer Viertelstunde sehen wir den Strand vor uns, jetzt kann bis aufs Anlanden nichts mehr passieren.

Marco erwischt beim Anlanden eine große Welle leicht seitlich, was einen eher unkontrollierten Landgang mit Kopf voraus bedeutet.

Wir sind jetzt alle froh am Strand zu sein, und unser Rollsäcke aus den Booten zu holen. Die Rollsäcke haben dicht gehalten, nur die nicht in Rollsäcke verpackten Utensilien und Kleidungsstücke sind nass. Aber egal, es ist zwar stürmisch aber bei geschätzten 28 Grad.

Bei Spaghetti in der Strandtaverne kommen wir überein, heute auf keinen Fall mehr weiterzupaddeln. Wir werden den Besitzer des Lokals fragen, ob er uns mit seinem Pickup nach Matala zum Campingplatz bringt.

Josef ist unterdessen auf die umliegenden Berge geklettert. Wir packen zu 3 die Boote in die Rucksäcke und werden dabei von 2 merkwürdigen Typen angefeuert, die sich ca. 100 m über uns auf einem Abhang befinden.

Klar, einer davon ist Josef, der andere Georgio, den hat Josef auf seiner Bergtour kennengelernt.

Georgio ist Aussteiger aus Deutschland, lebt seit mehr als 20 Jahren auf Kreta, wo er nun für einen Bewohner aus Matala in den Bergen ca. 100 Schafe hütet. Er wohnt das ganze Jahr über bei seinen Schafen in einer Hütte, in der er zum besseren Schutz noch ein Zelt aufgestellt hat. Er hat unsere Bewunderung und gleichzeitig unser vollständiges Unverständnis, wir könnten und wollten nicht so leben.

Der Wirt der Strandtaverne bringt uns mit seinem Pickup gegen 17:00 Uhr nach Matala. Wir wollen natürlich dafür bezahlen, was er aber vehement ablehnt.

Wir richten uns am Camping Matala ein und sind bald in den Schlafsäcken, der heutige Tag war anstrengend genug.

Am nächsten Tag hat sich die Wetterlage nicht gebessert, morgens ist der Wind zwar nicht so heftig, gegen 9:00 Uhr allerdings frischt der Wind wieder auf, und gegen 10:00 ist er bereits wieder stürmisch.

Wir paddeln unter Tags in der geschützten Bucht von Matala herum und werden dabei von der Besatzung des Bootes der Hellenic Coast Guard "angesprochen". Die Herren glauben, dass wir die Bucht verlassen wollen, und drohen uns in diesem Fall bei den vorherrschenden Windverhältnissen unsere Boote zu konfiszieren. Sie kontrollieren noch unsere Schwimmwesten und lassen sich dann doch überzeugen, dass wir heute die geschützte Bucht nicht verlassen werden.

Abends besuchen wir die Kreta-Bar, die uns von der wilden Hilde empfohlen wurde. Die Kreta Bar wird von Michaela, einer Linzerin, im Alleingang geführt. Hier gibt es gute Musik, gute Getränke, gute Stimmung und im Gegensatz zu den meisten anderen kretischen Tavernen auch gemütliche Sessel.

Wir können die Kreta-Bar uneingeschränkt empfehlen, ein Lokal zum Wohlfühlen. Nur Achtung: Auf dem Weg zur Toilette hängt mitten am Weg eine Glocke, und wer die zum läuten bringt wird gnadenlos zu einer Lokalrunde Raki verdonnert.

Sonntags gibt es hier einen zünftigen Frühschoppen, und wer´s mag kann dazu Leberkäse bestellen.

Als wir Michaela den Besuch der wilden Hilde avisieren, wird die ansonsten nicht leicht aus der Ruhe zu bringende Wirtin doch etwas bleich, sie setzt sich und holt sich dann einen Raki, das muss wohl erst verdaut werden.

Später besucht uns in der Kreta-Bar auch noch Georgio, in den meisten anderen Lokalen ist er nicht gerne gesehen. Die Kreter sind zwar zu Fremden sehr sehr höflich und zuvorkommend, allerdings meistens nur so lange wie es sich um Urlauber handelt, die irgendwann auch wieder mal verschwinden. Sobald die Fremden hier bleiben wollen, schlägt das relativ leicht um. Der gute Georgio arbeitet z.B. für seinen kretischen Chef für Kost und Logis, so wird er geduldet, mehr aber auch nicht.

In Matala liefern sich die mannigfach vorhandenen Restaurants einen Wettkampf mit Menu-Angeboten. Preise von ca. 4 bis 6 EURO. Wir sind skeptisch, probieren die Menus aber dann doch, die Portionen sind nicht von denen der normalen Speisekarte zu unterscheiden, sowohl in Qualität als auch in Quantität. Vorspeise, Hauptspeise + ein Getränk um dieses Geld, das ist wirklich preiswert.

Am nächsten Tag paddeln wir früh los, Wind und Wellen haben sich fast gelegt, das paddeln ist sehr entspannt und wir kommen gut voran. Vorbei am Red Beach geht es weiter an einer felsigen, kargen Küste. An der Südspitze (Lithino) gibt es dennoch wieder beachtliche Wellen, hier wollten wir bei stärkeren Wind nicht unterwegs sein. Wir erreichen noch vor Mittag Kali Limenes. Dem Ort vorgelagert gibt es riesige Öltanks, das macht diesen Küstenabschnitt nicht gerade attraktiv. Wir beschliessen daher entgegen unseres Plans, noch am selben Tag weiterzupaddeln, unser neues Tagesziel ist Lentas, gleichzeitig das Endziel unserer Paddeltour.

Da wir auf dieser etwas längeren Etappe unbedingt Lentas erreichen wollen, haben wir an diesem Tag weniger Zeit die Küste zu erkunden, im Nachhinein gesehen ein Fehler, das ist nicht unsere eigentliche Art des paddelns, Kilometer um jeden Preis zu machen.

Kurz vor dem eigentlichen Ort Lentas, gibt es einen Strand, wo es auch jetzt noch die ganze Saison über erlaubt ist am Strand zu campieren. Das hat sich entgegen anderen Orte seit der "Flower-Power" Zeit hier erhalten. Die Wirte der Strandtavernen akzeptieren die Camper, die wiederum verhalten sich zivilisiert und konsumieren in den Strandtavernen im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Unseres Wissens nach gibt es nur noch 2 Strände an der Südküste wo das so gehandhabt wird, eben in Lentas und in Sougia. Natürlich gibt es an der Südküste nach wie vor genug Möglichkeiten an einsamen Stränden zu übernachten, allerdings halt ohne Trinkwasser, Duschen etc.

Wir lassen unseren diesjährigen Paddelurlaub in Lentas ausklingen. Einmal am Tag gibt es einen Direktbus von Lentas nach Iraklion. Mit diesem Bus erreichen wir Iraklion, von wo uns Fly-Niki wieder nach Linz bringt.

Während der Heimreise schmieden wir bereits wieder Pläne fürs nächste Jahr: Zakynthos, Kefallonia oder doch die türkische Küste oder etwa eine Flussfahrt in Frankreich?

 

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