Unterwegs im Bereich der ionischen Inseln

Der Traum wurde vor genau einem Jahr geboren. Wir, Ellen und Max aus Salem am Bodensee, waren zum ersten Mal mit unserem Campingbus in Griechenland im Bereich der Ionischen Inseln Korfu, Lefkada, Kefalonia unterwegs.

Geradezu überwältigt waren wir damals von der unglaublich schönen Küstenlandschaft, den zahllosen weißen Sandstränden und den entlegenen Buchten. Durch die vorgelagerten Inseln erschien das Meer eher als Binnengewässer, glasklar, in allen möglichen Blautönen schimmernd.

Hier ein eigenes Boot dabei zu haben, mit dem man spontan all das erkunden und hautnah erleben könnte, was wir aus der Ferne betrachteten, mit dem man einsame Sandstrände anfahren und dort ganz allein die Stille und die Ruhe dieser traumhaften Landschaft genießen könnte...das war der Traum, der uns nicht mehr los ließ.

Ein ganzes Jahr hindurch recherchierten wir in alle Richtungen, um herauszufinden, welches Boot das richtige für uns wäre. So ziemlich am Anfang war auch schon klar, dass es kein festes Boot sein konnte, da wir es auf unseren Touren möglichst flexibel einsetzen wollten und vom Transportraum her auch auf eine kompakte Lösung angewiesen sind. Ein Faltboot erschien uns zu kompliziert vom Aufbau her. Nach vielen langen Winterabenden, an denen wir uns in einschlägigen Internet-Foren herumtrieben, landeten wir schließlich bei der Firma Grabner. Da wir in Sachen Haltbarkeit und persönliche Sicherheit keine Kompromisse mögen, stand auch recht bald fest: Nichts anderes als ein Grabner-Boot kommt für uns in Frage.

Die Grabner-Homepage war dann für etliche Wochen unsere allabendliche „Spielwiese“. Zwar sind wir vor vielen Jahren einmal mit einem gemieteten Kajak im Sommer die Ardeche hinunter gepaddelt ...aber das wars auch schon, ansonsten hatten wir von diesem Thema wirklich keine Ahnung. Umso mehr hat es uns fasziniert, wie es uns Schritt für Schritt gelang,  auf Grund unserer persönlichen Vorstellungen und den verfügbaren Informationen zu unserem Bootstyp vorzudringen. Und dabei waren wir eigentlich  schon „auf dem Wasser“ ... versetzten uns gedanklich in die verschiedensten Situationen, paddelten auf unserem heimischen Bodensee, auf Flüssen und natürlich ....

Hmmm... genau an diesem Punkt, nämlich dort, wo die Idee entstand, waren wir zwischenzeitlich schon arg verunsichert. Hatten wir doch im Zuge unserer Recherchen so manche sehr kritischen Äußerungen in den Internet-Foren gelesen, was das Paddeln mit Luftbooten auf dem Meer im Hinblick auf die Sicherheit anbelangt. Das alles nahmen wir sehr ernst.  Wer die Wind- und Wetterverhältnisse allein auf dem Bodensee einmal erlebt hat, weiß, wie schnell da „Schluss mit lustig“ sein kann...

Nichts desto Trotz... wir beide verzichteten 2010 gegenseitig auf jegliche Weihnachtsgeschenke und legten dafür unseren gemeinsamen Entschluss unter den Christbaum: Es wird ein Explorer II von Grabner ... und zwar noch im kommenden Frühjahr.

Ende Februar wurde das gute Stück (mit vor Aufregung zittrigen Händen) aus dem Karton befreit. Sobald das Wetter es einigermaßen zuließ begannen wir mit den ersten „Probefahrten“ auf dem Bodensee. Bis zu 20 km schafften wir bereits beim dritten Mal. Wir waren fasziniert, wie stabil das Boot war, hatten von der ersten Minute an ein absolut sicheres Gefühl.

Schnell schritt das Frühjahr voran. Die Fähre von Ancona nach Igoumenitsa hatten wir  bereits im Februar gebucht. Einiges an Zubehör für unseren Explorer leisteten wir uns noch. Wahrhaft „Gold wert“ ist die Steuereinrichtung. Wir sind überzeugt, dass sie so manchen „Ehekrach auf See“ von vorneherein ausschließt, da der „gewichtigere“ und somit hinten sitzende Partner den richtigen Kurs einfach „im Griff“ bzw. „in den Pedalen“ hat.

Was den Transport des Explorers anbelangt entschieden wir uns für die im Bild dargestellte Lösung. Die Befestigung auf dem etwas zweckentfremdeten Fahrradträger funktioniert hervorragend.

Durch die waagrechte Bohrung in der Heckverstärkung (für die Steueraufholleine) steckten wir ein Vorhängeschloss mit verlängertem Bügel. Dort hindurch wiederum ein stabiles Fahrradschloss, mit dem wir unser Boot dann am Fahrradträger zusätzlich sicherten.

Der erste Versuch auf dem Meer

Ja – und heute, am 02. Mai 2011 soll das, was vor einem Jahr als Traum geboren wurde, Realität werden. Wir haben auf der Insel Lefkada, auf dem Campingplatz „Desimi Beach“  ein traumhaftes Plätzchen gefunden, das uns für die ersten „Gehversuche“ auf dem Meer sehr geeignet erscheint. 

Vor uns liegt eine malerische Bucht, ca. 1 km breit und 2,5 km lang, an beiden Flanken Felsküste mit etlichen kleineren Höhlen und Grotten, in die man sogar ein bisschen hineinfahren kann. Vor der Bucht bildet die Inseln Meganisi den Horizont. Davor wiederum eine kleinere unbewohnte Insel. Wir starten mit unserem Explorer um ca. 11.00 Uhr Ortszeit bei ganz schwachem Wind und fast glatter Wasserfläche. Entsprechend kommen wir sehr gut voran und sind nach kaum einer halben Stunde am Ende der Südflanke der Bucht angelangt.

Waren wir auf die ersten paar hundert Meter noch buchstäblich nervös in Anbetrat etlicher interessierter Zuschauer vom Campingplatz, so überkam uns nun ein Gefühl, das man mit Worten nicht beschreiben kann. Das türkisblaue Wasser bietet ungehinderte Sicht bis in 10 m Tiefe oder mehr. Man hat buchstäblich den Eindruck, auf dem Wasser zu schweben. Leichtes, völlig entspanntes Paddeln lässt uns vorbeigleiten an bis zu 40 m hohen weißen Kalkfelsen mit faszinierenden Formationen. Üppige, frühjahrsgrüne mediterrane Vegetation... über uns kreisen diverse Seevögel im klarblauen Himmel... wir sind uns einig...mehr Paradies auf dieser Welt ist doch nicht möglich.

Mit all den gelesenen Warnungen im „Hinterstübchen“ trauen wir uns dennoch, die Landspitze zu umrunden und entgegen unserem bisherigen Kurs in nördliche Richtung der Küste entlang zu paddeln.
Inzwischen liegt die „Onassis-Insel“ Skorpios vor uns. Zu unserer Linken wiederum schroffe Felsküste und hin und wieder malerische Sandbuchten, menschenleer, vom Land aus nicht erreichbar. Wir können einerseits der Versuchung kaum widerstehen, hier irgendwo anzulanden, haben wir doch neben aller möglichen  Sicherheitsausrüstung noch ein Fläschchen griechischen Wein unter dem Vorderdeck verstaut... als Zusatzballast... wegen der weniger „gewichtigeren“ Partnerin (die ja vorne sitzt)...

Andererseits hat uns nun das „Fieber“ so richtig erfasst. Wir wollen weiter. Es macht einfach nur Spaß... eine Landzunge nach der anderen wird umrundet, voller Neugier, welche Eindrücke sich jeweils dahinter verbergen.

Der Wind hat – wie angekündigt – etwas aufgefrischt. Er beschleunigt unsere Fahrt in Richtung Norden. Wir haben ein GPS-Gerät mit dabei, was unseres Erachtens einfach toll ist. So können wir vor allem jederzeit sehen, mit welcher Geschwindigkeit wir in eine bestimmte Richtung treiben – ohne zu paddeln – oder wir sehen, wie schnell wir gegen Wind und Strömung vorankommen, was wir unterwegs immer wieder ausprobieren.

In einer kleinen einsamen Bucht machen wir Pause und stoßen an ... auf uns, unseren Explorer und darauf, wie schön das Leben sein kann. Wir lassen diese unglaubliche Atmosphäre noch ein wenig auf uns wirken, dann entscheiden wir uns, den Rückweg anzutreten, obwohl es schwer fällt. Der Wind bläst nun aber schon viel stärker, es bilden sich Wellen von ca. 30-40 cm. Wir müssen – zumindest bis an die Felsspitze, die die Einfahrt zu „unserer Bucht“ markiert, gegen Wind und Wellen fahren. Wir haben nicht das geringste Problem damit – im Gegenteil, es macht richtig Spaß, wenn der Bug unseres Explorers so richtig in die Wellentäler patscht – wir kommen gut voran und sind nach einer Stunde an der Einfahrt zur Bucht, dann geht „vor dem Wind“ ganz schnell Richtung Campingplatz.

Eine Fahrt zu der kleinen Insel Thilia

Nachdem es in der Nacht etwas geregnet hat und das Wetter heute morgen nicht ganz so toll ist, fahren wir erst mal in die Stadt Nidri zum Einkaufen. Aber bis zum Mittag hin scheint wieder die Sonne und wir machen uns fertig für den nächsten Ausflug aufs Meer. Schon beim Einsetzen des Explorers ist klar, dass wir heute noch mehr Wind als gestern haben. Und er bläst ziemlich exakt in die Bucht herein, aus der wir eigentlich hinaus möchten. Zum ersten Mal spüren wir, wie es ist, gegen relativ starken Wind zu fahren. Wir kommen aber doch gut voran und es macht Spaß.

Unser Ziel ist die kleine unbewohnte Insel Thilia, die von der größeren Insel Meganisi nur durch einen vielleicht 200 m breiten „Kanal“ getrennt ist. Unsere Idee ist, zum südlichen Ende dieser Insel zu paddeln, dann durch den Kanal um die Insel herum. In Anbetracht der Windverhältnisse probieren wir unterwegs immer wieder eine andere Richtung aus. Wir merken dabei, dass es nicht besonders angenehm ist, im rechten Winkel zur Wind- bzw. Wellenrichtung zu paddeln. Fast haben wir nach ca. 1,5 Stunden die Südspitze der kleinen Insel erreicht, da verlässt uns der Mut oder besser gesagt, es siegt die Vernunft und wir brechen unser Vorhaben ab. Wir lassen uns eine Weile treiben und gelangen so sehr schnell wieder in die Richtung aus der wir kommen. Nun lässt sehr plötzlich der Wind nach, das Meer wird ruhiger und da wir noch gar keine Lust haben, die heutige Tour zu beenden, machen wir einen weiteren Anlauf zu unserer „Inselumrundung“ Allerdings jetzt in anderer Richtung als zunächst geplant. Und alles läuft „wie geschmiert“ wir landen kurz auf Meganisi an, machen an einem kleinen Strand Pause und fahren dann um die Südspitze von Thilia herum, wobei wir ganz dicht an der Felsküste dranbleiben. Wiederum herrliche Eindrücke, unbeschreibliches Gefühl ... Urlaub vom Feinsten. Müde aber glücklich erreichen wir gegen 19.00 Uhr wieder den Campingplatz.

Ein erster „Härtetest“

Wetterbedingt haben wir einen Tag mit einer ausgedehnten Wanderung verbracht, was hier auf Lefkada auch immer ein ganz besonderes Erlebnis ist. Aber heute ist die nächste Explorer-Tour angesagt, obwohl sich das Wetter auch nicht gerade von seiner besten Seite zeigt. Weil wir auch heute mit stärkerem Wind rechnen, ist geplant, den selben Kurs zu nehmen wie bei der ersten Tour, allerdings dann weiter der Ostküste von Lefkada entlang über Nidri Richtung Nikiana. Dass es damit wohl eher nichts wird, merken wir bereits als wir unsere Campingbucht verlassen, denn nun pfeift es uns schon recht heftig um die Ohren. Unsere Käppis verstauen wir besser mal!  Wenn die Windböen so richtig loslegen, hat man schon Probleme, das Paddel einigermaßen kontrolliert zu führen. Dennoch sind wir erstaunt, dass wir laut GPS selbst dann noch mit ca. 3-4 km/h vorankommen. Zum Glück gibt es zwischen den wirklich starken Böen immer wieder „Verschnaufpausen“, die wir aber nicht zum Verschnaufen nutzen, sondern versuchen, wieder ein rechtes Stück voran zu kommen. Wir beschließen, bis zum Nordende der Halbinsel Geni zu fahren und dann in die Lagune von Vlicho einzubiegen, wo wir es etwas ruhiger erhoffen. Hatte uns der Wind bisher aus nördlicher Richtung hart ins Gesicht geblasen, kommt er uns jetzt, als wir endlich in die Lagune einfahren wollen, aus westlicher Richtung voll entgegen ...und wie! Bis zum Hafen von Nidri sind es ca. 2 km, die wir uns relativ hart erkämpfen müssen. Dann aber haben wir es geschafft. In der Lagune ist es wirklich etwas geschützt und ruhiger. Am ersten Abend  auf Lefkada hatten wir eine unheimlich nette Taverne mit dem Namen „Elena“ hier in der Nähe, direkt am Ufer entdeckt – damals auf dem Landweg. Wir sind uns schnell einig, dass dies das allerbeste Ziel des heutigen Tages wäre. Schon aus der Ferne erkennen wir die dunkelroten Markisen und das grüne Blätterdach unter dem die kleinen Tische stehen. Nicht mal ein Leuchtturm hätte uns die Navigation einfacher gemacht! Und als der Wirt uns schon von weitem entgegenwinkt wissen wir ...wir sind angekommen. Der Explorer wird aus dem Wasser gehoben und „neben den Tisch“ gestellt, wo sich schon bald danach ein Krüglein kühler Wein und herrlich duftende „Calamaretti“ mit zwei glücklichen  Seefahrern zusammen gesellen.

Zwei Stunden vergehen wie im Flug. Der Rückweg steht an. Wir sind gestärkt und guten Mutes... (ob der griechische Wein dazu beiträgt...?) Wie dem auch sei, die Lagune wird in nördlicher Richtung flott durchquert.

Nach knapp 45 Minuten sind wir wieder auf der Höhe von Nidri. In dieser Ecke scheint der Wind „zu Hause“ zu sein. Kurzer Kampf, bis wir den knappen Kilometer hinter uns haben, um wieder entlang der Ostseite der Halbinsel zurück zu unserer Bucht zu kommen. Dann aber kommt der harten Arbeit gerechter Lohn. Wind und Strömung treiben uns auf dem gewünschten Kurs mit fast 5 km/h voran.

Hey, das ist ein Gefühl... die tolle Felsküste, die kleinen Strände ziehen an uns vorbei... wir haben die Füße auf Deck gelegt und tun keinen Paddelschlag, Genuss pur... bis an die Einfahrt zur Campingbucht.

Die letzten  Sonnenstrahlen lassen wir uns noch an einer ganz traumhaften Stelle ins Gesicht scheinen. Ein ganz kleiner Sand/Kiesstreifen unterhalb einer gigantischen Felsgrotte. Gerade genug Platz für uns und den Explorer.

Einsamkeit Stille und tiefste innere Zufriedenheit... ist das wirklich kein Traum????

Die heutige Tour hat uns schon deutlich vor Augen geführt, dass unsere Vorsicht, was das paddeln auf dem Meer anbelangt gerechtfertigt ist. Vor allem ist es an den Felsküsten ja oftmals über lange Strecken hinweg nicht möglich, irgendwo anzulanden. Dennoch hatten wir auch heute keinen Moment das Gefühl, in einer brenzligen Situation zu sein. Dies liegt sicherlich ein Stück weit daran, dass dieses Revier, wo es „das offene Meer“ ja eigentlich nicht gibt, hervorragend geeignet ist. Zum anderen vermittelt uns der Explorer ein optimales Gefühl der Sicherheit. In keinem Moment war zu befürchten, dass das Boot umkippen könnte. Trotz der heftigen Böen in wechselnder Richtung konnten wir immer einen kontrollierten Kurs fahren. Wir sind nach diesem Tag überzeugt, ein Boot eingekauft zu haben, mit dem selbst Nicht-Profis, wie wir es sind, richtig was unternehmen können, sofern man den „gesunden Menschenverstand“ walten lässt und ein bissel „auf dem Teppich“ bleibt.

Ein Ausflug zur Insel Meganisi

Ein Blick aus dem Fenster unseres Campingbusses gleich nach dem Aufwachen signalisiert am nächsten Tag Bilderbuchwetter. Sonne, kein Wölkchen am Himmel, Wind gleich null. Das Meer glatt wie ein Spiegel. Ausgedehntes kräftiges Frühstück ist für uns im Allgemeinen unverzichtbar. Doch heute beschränken wir es auf „kräftig“ und dafür umso schneller. Und dann wird zum Aufbruch gerüstet.

Von den Delphinen, die man hier regelmäßig sehen könne haben unsere Campingnachbarn gestern abend erzählt. Wir glauben es ihnen. Schließlich kommen sie angeblich seit 20 Jahren hier her und zum anderen kommen sie aus München... und die Leute aus Bayern sagen bekanntlich stets nur die Wahrheit... (; -) Ja, und dann war noch von Seehunden die Rede, die sich in gewissen Höhlen an der Felsküste im Süden der Insel Meganisi tummeln sollen. Höhlen, in die man mit dem Boot hineinfahren könne. Es würde sich lohnen!

Dabei assoziieren See-HUNDE bei uns nicht unbedingt angenehme Urlaubserlebnisse, da wir auf unseren Wanderungen gerade hier in Griechenland mit den nicht immer sehr zutraulichen „LAND-Hunden“ schon unsere einschlägigen Erfahrungen gemacht haben. (Fast für sich schon ein Grund, aufs Kajakwandern umzusteigen)

Aber wir sind mal gespannt, fahren mit flottem Tempo die schon gewohnte Strecke aus unserer Bucht hinaus, wie immer, an die Spitze der südlichen Flanke. Dort, wo schroffe Felsklippen aus dem Meer ragen und wir wollen diese wie immer umrunden. Doch halt! Was war das? Gleich neben einem im Meer liegenden Felsbrocken haben wir beide etwas gesehen, das wie eine schwarze Flosse aussah, auftauchte und wieder verschwand. Hey...da!... wieder...und dann ein größeres „Teil“, aber nur ganz kurz. Wir pirschen uns langsam und vorsichtig mit unserem Explorer heran. Ein Delphin kann es hier nicht sein... aber wie sehen denn Seehunde noch mal aus???? Ob es wohl... da! Wieder! Jetzt direkt vor dem Felsen...hmmm???? Von dem runden schwarzen Ding, das wir jetzt sehen, ragt ein kleines schwarzes Röhrchen noch oben....Upps!!...wir lachen beide, dass wir fast aus dem Explorer fallen. Ja, klar, Schnorchler finden sich hier auch ein...und sind im schwarzen Neopren-Dress von Seehunden nicht immer leicht zu unterscheiden...

Wir nehmen nun Kurs direkt auf die südliche Spitze der Insel Skorpios.  Nach einer knappen Stunde sind wir auch schon dort, umrunden sie und fahren voller Stolz in eine Bucht ein, in der einige große Segeljachten ankern. Irgendwie scheinen wir hier so richtig Eindruck zu machen. Jedenfalls werden wir von den Jachten aus von allen Seiten fotografiert. Es wird gegenseitig zugewunken und mit dem Kapitän einer Jacht kommen wir im vorbeipaddeln in ein kurzes Gespräch. Ihm gefalle unser Boot, ruft er in gebrochenem Englisch herüber und wir glauben auch, zu verstehen, dass er uns gerade einen Tausch angeboten hat... was natürlich überhaupt nicht in Frage käme... 

Da es nun so herrlich Spaß macht und das Meer nach wie vor ganz friedlich ist, werden wir mutig. Wir beschließen nun, die Nordküste der Insel Meganisi anzusteuern. Dort gibt es zwei größere Städte, Spartochori und Vathi. Schon bei unserer Urlaubsplanung  haben wir den Hafen von Vathi als das Äußerste einkalkuliert, was wir erreichen könnten. Von Skorpios dorthin sind es ca. 5 km, die aber doch ziemlich weit weg von der Küste quer übers Meer führen. Wir kommen zügig voran, einfach herrlich.

Nach etwa 1,5 Stunden laufen wir im Hafen von Vathi ein, drehen eine Ehrenrunde, und bewundern das sehr schöne Städtchen aus einer Perspektive, die sich nun mal nicht jedem Pauschaltouristen bietet. Da ringsum recht hohe Kaimauern sind, entscheiden wir uns, den jetzt ersehnten Landgang bei einer Taverne zu machen, die vor der Hafeneinfahrt lag und recht verlockend aussah. Wir lassen den Explorer auf ein flaches Sandsträndchen auflaufen, das sich neben der Taverne erstreckt. Zehn Schritte sind es bis zum nächsten freien Tisch...und dann gibt es eine herrliche Moussaka und Weißwein dazu. Nach zwei Stunden „gefühltem Paradies“ verabschieden wir uns herzlich und machen uns auf den Heimweg. Nochmals 8 km liegen vor uns. Wir folgen zunächst der Nordküste von Meganisi, paddeln so nahe am Ufer wie möglich, und steuern dann direkt übers Meer Richtung Campingplatz. Wir beeilen uns jetzt, denn es ist schon kurz vor 19.00 Uhr und wir wollen so schnell wie möglich in Sichtweite unserer Campingnachbarn kommen, um zu vermeiden, dass sie sich Sorgen um uns machen. Wir erreichen den Campingplatz und sind einfach nur glücklich, über dieses wundervolle Erlebnis.

Eine ganz gemütliche Tour

Wir fahren heute wieder hinüber zur Insel Skorpios, folgen allerdings dem Westufer in nördliche Richtung. Wir passieren einige kleinere vorgelagerte Inseln. Einmal ist zwischen einem solchen Inselchen und der Insel Skorpios das Meer kaum mehr als einen Meter tief, aber glasklar. Wunderschön, vom Boot aus die „Unterwasserwelt“ zu beobachten. Wir lassen uns Zeit. Am Nordende von Skorpios paddeln wir in die Hafenbucht hinein. Außer einem Ausflugsboot begegnen wir niemand. Wir fahren ganz dicht an das Ufer heran. Hier hat früher bestimmt schon die berühmte Onassis-Jacht angelegt... und heute kommen wir mit unserem Explorer... aber wir legen natürlich nicht an (ist auch verboten!) und wir haben noch einiges vor. Statt dessen „geben wir Gas“, fahren östlich an der Insel Sparti vorbei, steuern dann wieder auf die Küste von Lefkada zu und folgen ihr in nördliche Richtung einige Kilometer bis nahe der Stadt Nikiana.  Nachdem wir nun gut vier Stunden unterwegs sind, wär’s mal wieder Zeit für eine Stärkung. Völlig unüblich für diese Gegend kommt aber keine Taverne in Sicht. So entschließen wir uns dann, nochmals den „Hafen Elena“ in der Lagune von Vlicho anzulaufen. Nach etwa sieben  Kilometern  strammer Fahrt hat der Tavernenwirt uns am Horizont auftauchen sehen und unseren Stammtisch schon mal gedeckt... einfach goldig...! Nach zwei gemütlichen Stunden Rast geht’s dann ganz gelassen Richtung „Heimat“.  Auch der heutige Tag war ein Urlaubserlebnis, das man nie wieder vergessen wird.

Zu den Höhlen von Meganisi

Ich hatte die Höhlen ja schon im Zusammenhang mit den Seehunden erwähnt. Und irgendwie hatten es diese Höhlen uns angetan. Der Gedanke, dorthin zu fahren, ließ uns nicht mehr los. Bei einer Wanderung einige Tage zuvor konnten wir diesen Küstenabschnitt der Insel Meganisi aus ca. 300 m Höhe übers Meer hinweg betrachten . Eine geradezu traumhafte Kulisse, die man mit Worten nur schwer beschreiben kann. Die Insel endet nach Süden hin in einem gerade mal 500 m breiten, aber mehrere Kilometer langen „Sporn“. Die ca. 100 m hohe Felsküste ragt auf der gesamten Länge fast senkrechte aus dem Meer.

Bei unserer Wanderung waren wir uns eigentlich einig, dass wir uns in diese Ecke nicht vorwagen würden, zumal es hier ab einem bestimmten Punkt keinerlei Anlandemöglichkeit mehr gibt. Immerhin beträgt die Entfernung der Höhlen von unserem Campingplatz aus laut Karte ca. 10 km.

Doch nach nunmehr zwei fast windstillen Tagen und der selben Wetterprognose für morgen, wird das Vorhaben besiegelt. Morgen oder nie! Wir wollen zu den Höhlen von Meganisi!

Ich glaube, wir haben es seit Jahren in keinem Urlaub geschafft, so früh aufzustehen wie heute. Nach einem kurzen Frühstück starten wir. Das Meer, glatt wie ein Spiegel. Ich habe mit dem GPS den Kurs als Route vorgegeben, und wir versuchen, dieser Linie so genau wie möglich zu folgen. Nach etwa 90 Minuten strammen Paddelns machen wir eine kleine Pause. Wir sind völlig alleine. Die Stille, die uns umgibt ist unbeschreiblich;  so etwas kennt man eigentlich nicht mehr in unserem Alltag. Es ist ein seltsames Gefühl, das sich hier einstellt: Mit so einem kleinen Boot allein auf dem Meer, aus dem die gigantische Felsküste aufragt, schroff und unzugänglich... wir fühlen uns hier einfach nur klein, winzig klein... lediglich unsere Paddelschläge durchbrechen die Stille. Wir gleiten im tief blauen Wasser dahin, fasziniert von der überwältigenden Kulisse, angetrieben von der Neugier, was hinter der nächsten Felszunge erscheint... Abenteuer pur!

Laut GPS müssten wir nun bald bei der ersten Höhle ankommen. Wir sind gut zwei Stunden unterwegs.

Die markierte Koordinate stimmt ziemlich genau. Wir erkennen die schwarze Silhouette des Höhleneingangs, ein „steinernes Tor“, etwa 10 m breit und 8 m hoch. Darauf paddeln wir zu. Es ist faszinierend, welche Geräusche der nur minimal bewegte Wasserspiegel im Inneren der Höhle erzeugt. Irgendwie unheimlich. Wir fahren nun mit dem Explorer durch den Höhleneingang hinein, ganz vorsichtig... und zugegebenermaßen auch etwas nervös. An der Höhlendecke haben sich prächtige Tropfsteine gebildet, von denen Wasser heruntertropft wie Regen. Unter uns ca. 10 m tiefes Meer, schwarzblau, klar, als ob man von oben in ein Aquarium blicken würde. Das herabtropfende Wasser erzeugt geradezu eine sanfte „Melodie“...

Fast von selbst hat sich unser Explorer im Kreis gedreht, und völlig fasziniert paddeln wir wieder ins Freie.

Voller Euphorie entscheiden wir uns, auch noch bis zur zweiten Höhle zu paddeln. Nach einer knappen halben Stunde sind wir auch schon da. Diese Höhle ist noch um etliches größer. Nachdem wir den Höhleneingang durchfahren haben öffnet sich vor uns eine Halle mit ca. 60 m Durchmesser. An der gegenüber liegenden Höhlenwand gibt es zu unserer Überraschung eine ganz kleine Kiesbank, die gerade mal ausreicht, um den Explorer drauf zu setzen, auszusteigen und ein paar Schritte hin und her zu gehen. Das tut gut! Aber zum längeren verweilen ist es uns fast zu kühl hier. Wir genießen gerade noch die traumhafte Kulisse, da schiebt sich plötzlich der Bug eines größeren Ausflugschiffes durch den Höhleneingang herein. Etliche Touristen stehen auf dem Deck und scheinen durch unsere Anwesenheit mehr fasziniert zu sein, als von der Schönheit der Höhle. Wir lassen das Blitzlichtgewitter über uns ergehen und dabei kommt mir schlagartig der Gedanke, was wohl mit uns auf der kleinen Kiesbank passiert, wenn dieser Kahn nun im Inneren der Höhle wendet und dann mit Vollgas wieder hinausfährt. Zum Glück verhindern ein paar Felsen, die bis dicht unter die Oberfläche reichen ein solches Manöver, was wir aber erst später bemerken. Jedenfalls fährt er wieder rückwärts hinaus. Wir sind erleichtert und suchen nun auch wieder den Weg zurück ans Tageslicht. Vor der Höhle hat sich inzwischen auch eine Segeljacht eingefunden. Die Besatzung macht irgendwelche Filmaufnahmen für „travel channel“ – kennen wir zwar nicht – aber wir „paddeln“ gerne eine Runde „Modell“, zumal sie bereit sind, mit unserer Kamera auch ein paar Bilder von uns zu machen.

Abenteuer machen aber einfach auch hungrig und durstig. Wir sind ja zwischenzeitlich auch schon etwas trainiert und so entschließen wir uns, von Meganisi weg, quer über die Meerenge zwischen Lefkada und Meganisi zur Poros-Bucht zu paddeln, eine Strecke von rund 7,5 km. Die Fahrt geht auch ganz flott voran, bis wir vor der Poros-Bucht angekommen sind. Dort kommt plötzlich Wind auf, der uns recht kräftig entgegen bläst. So werden die letzten 3 km bis zum Strand Mikros Gialos doch recht „sportlich“. Schon aus der Entfernung haben wir eine Taverne ausgemacht. Dort angekommen werden wir von der Chefin persönlich mit allen Köstlichkeiten versorgt, von denen wir die letzten zwei Stunden geträumt haben.

Wir dürfen uns nach dieser wunderbaren Stärkung allerdings nicht mehr viel Zeit lassen. Rund 10 km Rückweg zum Campingplatz gilt es noch zu  meistern und es ist schon gegen 16.00 Uhr. Wir kommen - wie erwartet - schnell aus der Bucht hinaus und müssen nun der Ostküste in entgegengesetzter Richtung folgen. Der Wind hat zwischenzeitlich auch deutlich nachgelassen, so sind wir ziemlich überrascht, dass die Wellen immer höher werden, je weiter wir um die Landzunge herum kommen. Etwa einen Kilometer müssen wir parallel zu den Wellen zurücklegen. Danach ändern wir den Kurs Richtung Campingplatz. Nun schieben uns die Wellen von hinten unserem Ziel entgegen. An Bord ist es ziemlich still geworden. Ich muss mich voll konzentrieren, um das Boot in der Richtung zu halten, wenn es hinten angehoben wird, um dann mit ziemlicher Geschwindigkeit nach vorne in das Wellental zu gleiten. Auch hier habe ich das Gefühl, dass mit der Steuereinrichtung wesentlich mehr auszurichten ist, als mit dem Paddel. Auch Ellen veranlasst dieser  “wilde Ritt“ zu respektvoller Schweigsamkeit.

Doch je näher wir dem Campingplatz kommen, desto sicherer fühlen wir uns und das Meer wird auch etwas ruhiger. Unendlich stolz und glücklich heben wir schließlich den Explorer aus dem Wasser. Diesen Tag werden wir bestimmt in unserem ganzen Leben nicht mehr vergessen.

Zu guter Letzt

Mit dem Ausflug zu den Höhlen sind unsere Paddeltouren auf Lefkada beendet. Wir setzen am nächsten Tag mit der Inlandsfähre nach Kefallonia über. Die Insel erkunden wir mit dem Auto und unternehmen auch eine ausgedehnte Wanderung.

Nur ein Mal machen wir den Explorer nahe der Stadt Sami nochmals flott. Jedoch kurz nach dem Start kommt ein so heftiger Wind auf, dass wir uns entscheiden, die Tour abzubrechen. Da wir von einem sehr ausgedehnten Sandstrand aus aufgebrochen sind und der Wind auflandig ist, haben wir keinerlei Problem. Wir werden recht schnell Richtung Ausgangspunkt getrieben. Allerdings nutzen wir diese Gelegenheit, um den Explorer (und uns...) auch bei diesen Bedingungen zu testen. Gegen den heftigen Wind kommen wir allerdings nur noch ganz langsam voran. Schwierig ist es vor allem, das Boot bei dieser Windstärke auf Kurs zu halten, da es  naturgemäß quer zum Wind gedreht wird. Nach einer knappen Stunde „Kampf“ treten wir endgültig den Rückzug an. Aber immerhin, wir kamen auch bei diesen Windverhältnissen immer noch einigermaßen klar, wenn auch im grenzwertigen Bereich.

Resümee

Wir sind absolut überzeugt, dass wir mit diesem super-tollen  Grabner-Boot die exakt richtige Wahl getroffen haben. Mit irgend einem billigen Spass-/Badeboot hätten wir die beschriebenen Touren niemals gemacht und auch nicht machen können. Obwohl wir – wie gesagt – Anfänger sind, hatten wir keinen Augenblick das Gefühl, der Lage nicht mehr Herr zu sein.

Dass das Paddeln auf dem Meer  ganz besondere Vorsicht  erfordert, war uns im Voraus klar. Sich „blauäugig“ auf irgend welche Abenteuer einzulassen kann schnell mal verheerende Folgen haben.

Wir sind aber auch überzeugt, dass man herrlich viel Spaß, vor allem aber auch tolle Naturerlebnisse genießen kann, wenn man mit gewisser Sorgfalt und gewissem Respekt an die Sache heran geht und sich auf relativ sichere Reviere beschränkt (... zum  „ganz weit
rausfahren“ gibt es ja schließlich noch  AIDA  u. Co...)


Jedenfalls - unser Traum ist  Wirklichkeit geworden!