Chilko Lake, Tsy-los Provincial Park, B.C.

  • Text und Fotos: Wolfgang Winterhoff
  • Begleitung: Margitta Runkel,Susanne Weisner, Nicole Rabenschlag, Christa Fenninger
  • Reiseziel: Chilko Lake im Tsy-los Provincial Park in British Columbia/Kanada
  • Dauer: 6 Tage
  • Distanz: ca. 120 km
  • Boote: GRABNER Explorer I, Explorer II
  • Besonderes: Ein landschaftlicher Traum

Noch verschlafen kroch ich aus meinem Schlafsack. Ein Eichhörnchen hatte mich geweckt. Der Nager turnte im Dachgebälk unseres Blockhauses hin und her und veranstaltete dabei einen Höllenspektakel. Aus den Schlafkojen meiner Begleiter vernahm ich noch gleichmäßige Atemzüge. Beneidenswert, solch ein gesunder Schlaf. Es war spät gewesen am gestrigen Abend, als wir unser Blockhaus am Chilko River erreichten.
Die 14-stündige Fahrt von Vancouver hierher hatte uns doch angestrengt. Schnell war alles Gepäck aus unserem Mietfahrzeug entladen und ins Haus gebracht. Kurze Zeit später schlummerten wir bereits in unseren Schlafsäcken. Ich setzte Kaffeewasser auf, und kurze Zeit später trat ich mit einem Becher duftenden Kaffee vor die Blockhaustür. Kühle, frische Morgenluft schlug mir entgegen. Die Blätter der Bäume leuchteten goldgelb in der Morgensonne, und der azurblaue Himmel versprach einen herrlichen Tag.
Ja, zu dieser Jahreszeit - es war Mitte September - hatte der Indian Summer bereits Einzug gehalten, hier in den Cariboo Bergen, am Rande des Tsy-los Provincial Parks in British Columbia / Kanada.
Die herbstlichen Farben sind in jedem Jahr noch das i-Tüpfelchen in dieser auch sonst so herrlichen Landschaft.Meine Begleiter oder besser gesagt, meine Begleiterinnen Nicole, Susanne, Christa, Margitta und ich waren hierher gekommen, um für ein paar Tage mit unseren Kajaks auf dem Chilko Lake zu paddeln und die Faszination dieser in herbstliche Farben getauchte Landschaft zu erleben und zu genießen.
Der Chilko Lake, ein überwiegend von Flüssen und Bächen aus den Coast Mountains gespeister, vierundachtzig Kilometer langer, und an der breitesten Stelle etwa fünf Kilometer breiter See, bildet das Kernstück des Tsy-los Provincial Parks in British Columbia. Die Parkgrenze verläuft rund um den See und umfasst eine Fläche von 233240 Hektar.Der Name Tsy-los stammt übrigens von einer alten indianischen Legende über den Mount Tatlow, dem mit 3061 Metern höchsten Gipfel der Chilkotin Mountain Range.

 
Mittlerweile waren auch meine Begleiterinnen erwacht. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee trieb sie wohl aus den Schlafsäcken, und nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns daran, unsere Ausrüstung für die geplante Tour zusammenzustellen und zu verpacken. Unsere Kajaks, zwei Explorer II und ein Explorer I, aufblasbare, expeditionstaugliche Boote aus der Schlauchbootschmiede Grabner aus Haag in Österreich, hatten wir in speziellen Packsäcken verpackt, aus Deutschland mitgebracht.
Gegen Mittag brachen wir auf. Mit unserem Fahrzeug ging es zunächst über fünfzehn Kilometer Schotterpiste bis zum nördlichen Ufer des Chilko Lakes. Dort, wo der gleichnamige Fluß, der Chilko River, aus dem See abfließt, befindet sich am Fuße des Mount Tullin ein kleiner gemütlicher Campground mit nur einer kleinen Anzahl von Stellplätzen für Wohnmobile und Zelte. Nur wenige Outdoor-Freaks finden jährlich den Weg dorthin; ist doch die Anfahrt alles andere als einfach. Wir hatten geplant, hier für eine Nacht unsere Zelte aufzuschlagen, um dann tagsdarauf frühmorgens mit unseren Kajaks " in See zu stechen". Vorher musste ich aber meine Weggefährtinnen noch im Kajakfahren unterweisen. Bis auf Susanne, die ein wenig Erfahrung mitbrachte, waren alle anderen Anfänger. Schnell waren die Zelte aufgebaut. Anschließend kamen die Kajaks dran. Keine große Sache! Nach einer Stunde standen die beiden Zweier und der Einer fahrbereit am Ufer des Chilko Lakes.

Nach kurzer Unterweisung auf dem Trockenen ließen wir die Boote zu Wasser und los ging`s. Schnell hatten sich die Mädels mit ihren schwimmenden Untersatz vertraut gemacht und es machte ihnen offensichtlich riesig Spaß, wie sie mir strahlend verkündeten. Zeit für`s Abendbrot! Zurück am Ufer wurde erst mal ein anständiges Lagerfeuer entfacht, über dem nach kurzer Zeit ein Topf mit einer kräftigen Suppe brodelte. Nach dem Essen - ich überließ den Abwasch den Damen (!) - paddelte ich mit Christa noch einmal hinaus auf den See. Vielleicht war des Anglers Glück mir jetzt in der Abenddämmerung hold. Wir hielten uns in der Nähe des Ufers, während ich unter Fahrt immer mal wieder den Köder auswarf. Allerdings vergeblich. Die Fische waren wohl schon im Bett. Vor uns tauchte eine Landzunge auf, als uns zwei Kanus entgegenkamen, die allerdings weiter draußen auf dem Wasser waren. Die Personen in den Booten winkten uns zu, und wir winkten zurück. In diesem Moment paddelten wir um die Landzunge herum, und im nächsten Augenblick wussten wir, warum die Kanuleute uns zugewunken hatten. Am Ufer standen zwei ausgewachsene Grizzlies, von denen sich der eine direkt in voller Größe aufrichtete, als unser Kajak um die Landzunge bog. Wir sahen schleunigst zu, daß wir weiter weg vom Ufer kamen. Ausgerechnet jetzt hatte ich meine Kamera nicht dabei. Die lag in meinem Zelt auf dem Campground. Na ja, für gute Bilder wäre fast schon zu wenig Tageslicht gewesen.
Der Chilko Lake und der Chilko River sind Lachslaichgebiete, und jetzt im September kommen die Sockeys und Königslachse zu Tausenden hier an, um zu laichen und anschließend zu sterben. Für die Bären ist der Tisch zu dieser Jahreszeit dann reichlich gedeckt. In großer Zahl finden sie sich an den Ufern ein, um die sterbenden Lachse zu fangen und sich den Winterspeck anzufressen. So auch unsere beiden Grizzlies. Christa und ich konnten sie einige Zeit fasziniert beobachten, bis sie schließlich einen großen Lachs aus dem Wasser fischten und sich trollten. Ein tolles Erlebnis! Und das gleich am ersten Abend. Allerdings war uns diese Begegnung auch eine Warnung. Wer in der kanadischen Wildnis unterwegs ist, muss immer mit Bärenbegegnungen rechnen.
Zwar sind die schwarzen und braunen Gesellen eher harmlos und gehen dem homo sapiens aus dem Weg, aber gewisse Vorsichtsmaßnahmen sollten schon beachtet werden. So gehören Lebensmittel, Kosmetika, Toilettenartikel ( Bären fressen sehr gerne Seife und Zahncreme(!) ) nicht ins Zelt, sondern bärensicher in entsprechender Höhe zwischen zwei Bäume gehängt. Kommt es zu einer Begegnung, Ruhe bewahren und sich langsam zurückziehen. Unsere Bärenbegegnung sorgte bei den anderen im Lager für große Aufregung. An Schlaf war vorerst nicht zu denken.

Der Wind pfiff uns direkt ins Gesicht. Die Kajaks durchpflügten die sich kräuselnden Wellen des Chilko Lakes. Das Paddeln gegen den Wind hatte es in sich. Kräftezehrend, nicht allein wegen des Windes, nein, sondern weil es für unsere Arme ein noch ungewohnter Bewegungsablauf war. Ich "versprach" meinen Begleiterinnen einen ordentlichen Muskelkater.
 

Frühmorgens, noch in der Dämmerung, hatten wir unseren Lagerplatz abgebrochen, die Ausrüstung in den Kajaks verstaut und waren losgepaddelt. Nebelschwaden lagen über der glatten Oberfläche des Sees. Eine fast geheimnisvolle Stimmung umgab uns. Ab und zu schnellte der schuppige Körper eines Lachses aus dem Wasser um dann mit lautem, die morgendliche Stille durchdringenden Platschen ins nasse Element zurückzufallen. Fast lautlos glitten unsere Kajaks über die Wasseroberfläche. In gleichmäßigem Rhythmus zogen wir die Paddel durch das Wasser. Etwa zwei Stunden nach unserem Aufbruch kam eine leichte Brise auf, die aber sehr schnell zu einem kräftigen Wind auffrischte. Es wurde ein klarer Tag mit Sonnenschein und einer phantastischen Fernsicht. Vor uns am Horizont entlang zog sich die gewaltige Gebirgskette der Coast Mountains.

In großer Entfernung am rechten Seeufer konnten wir mit bloßem Auge bereits unser Tagesziel "Honeymoon Point" ausmachen. Aber dieses Ziel war noch so weit entfernt und wollte bei diesem Gegenwind einfach nicht näherkommen. Wir entschlossen uns zu einer kurzen Rast und steuerten eine kleine, windstille Bucht an.
Es tat gut, ein wenig die Beine zu vertreten, die Arme auszuschütteln und sich mit heißem Tee und einer kleinen Mahlzeit zu stärken. "Honeymoon Point"! Eine mit Buschwerk und Bäumen bewachsene, etwa fünfzehn Meter hohe Klippe, die wie eine Halbinsel in den Chilko Lake ragt. Ein idealer Lagerplatz mit einem unbeschreiblich schönen Ausblick auf den Chilko Lake und die den See umgebene Landschaft. Windgeschützt, zwischen den Bäumen, auf moos- und grasbewachsenem Untergrund, bietet die Klippe viel Platz für die Zelte. Irgendwer hat einmal einen einfachen Tisch, sowie Sitzmöglichkeiten um den mit Steinen eingefassten Feuerplatz geschaffen. Was wollten wir mehr. Nach fünf Stunden anstrengendem paddeln gegen den Wind hatten wir am frühen Nachmittag "Honeymoon Point" erreicht.

Einstimmig wurde beschlossen, hier für die nächsten Tage unser Basislager zu errichten. In kurzer Zeit hatten wir die Kajaks entladen, und Ausrüstung und Verpflegung über einen kurzen Pfad die Anhöhe hinauf zum Lagerplatz geschafft. Nachdem die Zelte standen machte ich mich daran, ein Versprechen einzulösen:
Nach diesem anstrengendem Paddeltag sollte es ein richtiges Schmankerl aus der Rucksackküche geben! Pfannkuchen, dick bestrichen mit Mouse au Chokolate erschien mir als das Richtige für Körper und Seele. Nach diesem sehr üppigen Mahl hatte ich bei meinen Damen ein Stein im Brett. Und nicht nur das. Ich wurde für die nächsten Tage zum alleinigen Koch ernannt. Na dann, prost Mahlzeit!

Glutrot leuchtete die mächtige Kulisse des Küstengebirges mit seinen schnee- und eisbedeckten Gipfeln in der Abendsonne. Es war absolut windstill, und der Chilko Lake lag wie ein gewaltiger Spiegel in der Landschaft, in dem sich diese beieindruckende Bergszenerie spiegelte. Wir saßen schweigend auf dem felsigen Rand der Klippe und sogen diese herrliche Abendstimmung in uns auf.

Im Jahre 1983 führte mich mein Weg während einer Reise durch Britisch Columbia zum ersten Mal zum Chilko Lake, und seitdem lässt mich diese Gegend nicht mehr los. Ich betrachte sie mittlerweile sozusagen als zweite Heimat. Bis auf ein oder zwei Ausnahmen war ich bis heute jedes Jahr wieder dort, habe den See befahren, die Wälder durchstreift, den Mount Tullin erwandert und von seinem Gipfel die atemberaubende Aussicht genossen. Ohne Einschränkungen kann ich sagen, daß der Chilko Lake zu meinem Lieblingsziel in British Columbia gehört, obwohl ich in all den Jahren auch sehr viele andere schöne Gegenden von Kanadas schönster Provinz gesehen habe.

Es war kühl geworden. Ein sternenklarer Himmel wölbte sich über uns. Wir hatten ein kräftiges Lagerfeuer entfacht, das uns wärmte. Zeit für Abenteuergeschichten. Bei einem heißen Kakao mit Rum musste ich Erlebnisse von früheren Unternehmungen rund um den Chilko Lake schildern. Bevor wir dann später in unsere Schlafsäcke krochen, besprachen wir noch den Plan für den folgenden Tag.Etwa zehn Kilometer südlich von unserem Basislager entfernt liegt in einer Landzunge, die weit in den Chilko Lake hereinragt, "The Big Lagoon", die große Lagune. Ich kannte diese Lagune von früheren Touren auf dem Chilko Lake. Hier sammelte ich 1983 meine ersten Outdoorerfahrungen. Ich ließ mich damals für eine Woche dort aussetzen. Noch Greenhorn und mit nur unzureichender Ausrüstung zeigte mir die Natur damals ganz schnell meine Grenzen auf. Während folgenden Kanadaaufenthalten zog es mich immer wieder an diesen Ort zurück. Mittlerweile habe ich dort schon oft mein Zelt aufgeschlagen und die landschaftlich reizvolle Gegend während Tageswanderungen erkundet. Mein Vorschlag, zu dieser Lagune zu paddeln und dort einen Tag zu verbringen, stieß bei meinen Begleiterinnen auf Zustimmung. Ideales Paddelwetter erwartete uns am nächsten Tag. Es war windstill und der Chilko Lake zeigte sich von seiner besten Seite. Türkisfarben glänzte er in der Sonne. Die Tagesrucksäcke mit Ersatzkleidung und Verpflegung wurden in den Kajaks verstaut und los ging´s.Die Kajaks glitten schnell über die glatte Wasseroberfläche. Es machte uns allen richtig Spaß, bei diesem Wetter zu paddeln. Das war doch etwas anderes als bei anstrengendem Gegenwind. Man konnte die herrliche Landschaft viel intensiver genießen. Über unseren Köpfen zog ein Weißkopfadler seine Kreise.Hier am Chilko Lake ist dieser edle Raubvogel recht zahlreich vertreten. Während unserer Tour konnten wir viele Jung- und Altvögel während des Beutezuges beobachten. Es ist ein imposantes Schauspiel, wenn sich solch ein majestätischer Vogel in das Wasser des Sees stürzt, mit einem großen Fisch in den Fängen sich schwerfällig wieder in die Lüfte erhebt, aufbaumt, um dann seine Beute zu verschlingen.

Ein breiter Gürtel von Mischwald umsäumt die große Lagune der zum Landesinneren hin von einem Schilfstreifen unterbrochen wird. Hier beginnt ein kleiner, kaum zu erkennender Pfad, der sich durch das hier sanft ansteigende bewaldete Gelände schlängelt und nach etwa dreißigminütigem Fußmarsch auf einem Hügel verliert. Von hier aus hat man einen grandiosen Ausblick auf die südliche Hälfte des Chilko Lakes und das Küstengebirge. Nur ein schmaler Durchlass, gerade eben so breit, daß wir mit unseren Kajaks hindurchschlüpfen konnten, erlaubte uns den Zugang zur großen Lagune.

Eine unglaubliche herbstliche Farbenpracht empfing uns im Inneren. Die Blätter der Laubbäume leuchteten in der Sonne von hellgelb bis dunkelrot. Dazwischen das dunkle Grün der Nadelbäume. Ein Farbenkontrast, der die Idylle dieser Landschaft unterstrich. Wir paddelten durch die Lagune hindurch und machten unsere Boote am Rande des Schilfstreifens fest, um uns dann auf die kurze Wanderung zu dem schon beschriebenen Hügel zu begeben. Wider Erwarten und völlig ungewöhnlich für diese Jahreszeit fielen hier im Wald die Mosquitos über uns her. Nicht in solchen Scharen, wie das im Sommer üblich ist, aber eben doch so viele, das es nervte. Spät am Nachmittag machten wir unser wieder auf den Rückweg zu unserem Basislager am "Honeymoon Point".

In der kommenden Nacht sollte uns ein Ereignis eiskalte Schauer über den Rücken jagen! Nach dem Abendessen saßen wir noch eine Weile am Lagerfeuer, bevor wir doch recht müde in unsere Schlafsäcke krochen. Kurz bevor ich ins Land der Träume hinübersegelte, begann in unmittelbarer Nähe unseres Lagers ein markerschütterndes Gebrüll. Ich war mir sofort sicher, dass dieses Gebrüll von Bären stammte. Nach ein paar Sekunden herrschte wieder Stille. Meine beiden Zeltmitbewohnerinnen verkrochen sich ganz tief in ihren Schlafsäcken und wagten keinen Mucks. Nur aus dem Nachbarzelt ertönte ein ängstliches "was war das?!" Meine Sinne waren auf das äußerste gespannt. Ich lauschte angestrengt nach draußen, aber es war nichts mehr zu hören.
Nach ein paar Minuten ging das Gebrüll wieder los. Intensiver und andauernder als beim ersten Mal. Äste krachten! Da draussen schien der Teufel los zu sein! Wir verhielten uns absolut still. Kurze Zeit später war der Spuk vorbei. Kaum dämmerte es am nächsten Morgen, suchte ich nach Spuren der nächtlichen Störenfriede.

Ich brauchte nicht lange zu suchen. Unterhalb unseres Lagerplatzes in einer kleinen Bucht, wo wir unsere Kajaks angebunden hatten, stieß ich direkt am Ufer auf Bärenspuren. Auf breiter Fläche waren im feinen, aufgewühlten Kies die Tatzenabdrücke von zwei Bären zu sehen. Offenbar hatten die beiden Petze sich um einen an Land gespülten, sterbenden Lachs gerauft. Fischreste, die ich verstreut am Ufer fand, bestätigten meine Theorie. Meinen Begleiterinnen - sie sahen an diesem Morgen übrigens etwas unausgeschlafen aus - zeigte ich später diese Spuren. Die Mädels waren aufgrund des nächtlichen Spektakels doch immer noch etwas beunruhigt.

Anglerglück! Vom Kajak aus hatte ich an der Spitze von "Honeymoon Point" eine prächtige Dolly Varden, eine Art Lachsforelle, aus dem Wasser gezogen. Eine willkommende Ergänzung zu unserer Rucksackküche. Ich filetierte den Fisch. Leicht gewürzt und in der Pfanne gebraten war er ein Leckerbissen, der das nächtliche Erlebnis schnell vergessen ließ.
Das Traumwetter blieb uns auch die nächsten Tage treu. Jeden Morgen nach dem Frühstück brachen wir mit unseren Kajaks zu Exkursionen über die meist spiegelglatte Wasserfläche des Chilko Lakes auf, um die landschaftlich traumhafte Gegend zu erkunden. Immer bot sich auf solch einer Tagestour die Gelegenheit, eine kurze Wanderung in höhere Lagen über dem Chilko Lake zu unternehmen und von oben die herrliche Aussicht auf die herbstliche Landschaft und den See zu genießen.
In Harmonie und Einklang mit der Natur leben, sie zu erleben, die Stille hören. Wenn auch nur für kurze Zeit.

Jedem von uns wurde in dieser kurzen Zeit, in der wir unterwegs waren, bewußt, was für ein wertvolles Geschenk diese herrliche Natur ist, in der wir uns bewegten. Uns wurde bewusst, wie klein und unwichtig der Mensch in dieser Natur doch ist. Uns wurde aber auch bewusst, wie empfindlich diese Natur ist, und das es unser wichtigstes Ziel sein muß, behutsam mit diesem Geschenk umzugehen, um es zu erhalten. Wie schon gesagt, das Traumwetter blieb uns treu.......bis zum Abend vor unserer Rückreise! Schlieren zogen am Himmel auf uns verhießen nichts Gutes. Wind kam auf, über den Gipfeln der Coast Mountains zogen dunkele Wolken auf und alles sah nach einer Wetterverschlechterung aus. In der Nacht legte der Wind dann richtig los. Die Wellen brachen sich an den Klippen unter unserem Lagerplatz. Ich machte mir in meinem Schlafsack Gedanken, wie wir bei dem Wind von hier wegkommen sollten. Ich hoffte, dass der Wind bis zum Morgen nachlassen würde..
Er tat es nicht! Während wir frühstückten, beratschlagten wir, was zu tun sei. Eine Möglichkeit die sich uns bot war, die Kajaks von der dem Wind ausgesetzten Seite der Bucht über die Anhöhe, wo wir unseren Lagerplatz hatten, zur windgeschützten Seite der Bucht zu tragen um von dort aus unsere Rückreise anzutreten. Wir verwarfen aber diesen Gedanken schnell. Er hätte uns zuviel Mühe und Zeit gekostet. Also packten wir unsere Ausrüstung zusammen, trugen sie in die Bucht hinunter, wo unsere Kajaks lagen.

Nachdem wir die Boote beladen hatten, schoben wir die sie mit vereinten Kräften in das vom Wind aufgewühlte Wasser, immer darauf achtend, dass die Kajakspitze in den Wind zeigte. Schließlich saßen meine Begleiterinnen in den Booten und paddelten los. Nur ich musste sehen, wie ich allein meinen mit Ausrüstung beladenen Explorer 1 ins Wasser bekam. Nur mit Mühe konnte ich unter dem starken Wind einsteigen und vom Ufer wegpaddeln.

Es war notwendig, zunächst einige Meter gegen den Wind und dann seitlich zum Wind um "Honeymoon Point" herumpaddeln, um in etwas ruhigeres Wasser zu gelangen.. Seitlich zum Wind paddeln bedeutete in diesem Fall, die große Gefahr einer Kenterung, aber hier zeigten unsere drei Explorer, was sie drauf hatten. Sicher lagen die Boote im Wasser, und meine Begleiterinnen, die ja Anfänger waren, hatten selbst bei dem stark herrschenden Wind wenig Mühe, die Kajaks "auf Kurs" zu halten.

Nach der Umrundung von "Honeymoon Point" schob uns dann starker Rückenwind schnell vorwärts. Trotzdem waren wir bestrebt, immer den Umweg durch windgeschützte Buchten in Kauf zu nehmen. Doch trotz dieser Umwege gelangten wir in "Rekordzeit" wieder zum Startpunkt unserer Tour zurück..

Wieder an Land auf dem Campground, dem Ausgangspunkt unserer Tour, stand meinen Begleiterinnen noch das Unbehagen ins Gesicht geschrieben. Die Rückfahrt bei dieser Windstärke hatte es doch in sich gehabt.

Aber einige Stunden später, zurück in unserem Blockhaus, bei einer, na ja, oder auch zwei Flaschen kanadischen Rotwein und über offenem Lagerfeuer gegrillten, saftigen Steaks, waren Angst und Unbehagen von der Rückfahrt auf dem aufgewühlten Chilko Lake schnell vergessen, und die Begeisterung über die erlebte Tour spiegelte sich in Erzählungen bis tief in die Nacht wider.

Erfahrungen mit den Grabner-Booten Explorer I und Explorer II.

Im Jahr 1997 suchte ich für meine auf Outdoor-Reisen in Kanada spezialisierte Reiseagentur geeignete Boote für derartige Unternehmungen.

Meine Überlegungen gingen in die Richtung Falt- oder Schlauchboote, die leicht zu verpacken und zu transportieren waren, und obendrein ein hohes Maß an Sicherheit boten. Nach intensivem Stöbern in der Fachliteratur und in Katalogen stieß ich auf ein neues Produkt der Firma Grabner in Österreich.
In dieser Bootsschmiede wurden 1996 die aufblasbaren Kajaks Explorer I und Explorer II entwickelt und diese Boote erschienen mir genau der Bootstyp zu sein, den ich suchte.

Nach der Anschaffung eines Explorer I vervollständigte ich 1998 meine Grabner-Kajak-Flotte mit zwei Explorer II. Meine Wahl erwies sich damals als die richtige Entscheidung, wie ich schnell feststellte. Mit den drei Explorern war ich seitdem mehrmals jährlich unterwegs. Einsätze, teilweise mit Expeditionscharakter in British Columbia, Kanada auf den Bowron Lakes, auf dem Turner Lake Chain im Tweedsmuir Provincial Park, und auf dem Chilko Lake im Tsylos Provincial Park, um nur einige zu nennen, steckten die Grabner-Boote locker weg, obwohl meine Begleiter und ich ihnen einiges abverlangten. Aber die Hauptsache war immer der Paddelspaß, den wir während der Touren mit diesen Booten erlebten. Nie hatten wir Probleme, unsere manchmal umfangreiche Ausrüstung und Verpflegung, die wie für eine acht - zehntägige Tour benötigten, in den Booten zu verstauen. Bei rauer See und schneller fließenden Gewässern fühlten wir uns in den Kajaks sicher aufgehoben und selbst Anfänger, die mich einmal auf einer Tour begleiteten, kamen mit den Booten bestens zurecht.

Grandios ist das geringe Packmaß der Boote. Nie gab es Diskussionen beim Einchecken für einen Flug über den Atlantik hinsichtlich Übergepäck.
Vier Personen, der Pilot, Ausrüstung und Verpflegung für eine Woche, sowie zwei Explorer II fanden in einer Beaver, einem einmotorigen Buschflugzeug, Platz, das uns 2001 in Kanada in den Tweedsmuir Provincial Park ausflog.

Ein ganz wesentliches Thema möchte ich aber hier nicht vergessen: Sicherheit!

Neben den Touren in Kanada kamen die Explorer I und Explorer II auch in Österreich auf dem Millstätter See und auf kleineren Seen in Deutschland zum Einsatz. Dort wurden die Boote auch von Kindern im Alter von 12-15 Jahren gepaddelt.

Aufgrund der sechs bzw. acht Luftkammern und der sehr hohen Kentersicherheit bieten die Kajaks Explorer I und Explorer II einen extrem hohen Sicherheitsstandard, der den Einsatz mit Kindern unbedenklich macht.

Weitere Vorzüge, die ich an meiner Explorerflotte schätzen gelernt habe:

  • Beste Materialien
  • Schnelles Aufblasen und damit schnelle Einsatzbereitschaft
  • Leichtes Paddeln, kursstabil durch Härte und Verwindungsfestigkeit
  • Selbst nach wochenlanger Lagerung im aufgeblasenen Zustand kein Luftverlust
  • Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten
  • Professionelles Zubehör


Meine Explorerflotte geht jetzt in das siebte Einsatzjahr. Alle drei Boote sind technisch und optisch trotz vieler Einsätze, allerdings auch Dank guter Pflege, in einem optimalen Zustand. An keinem der Kajaks entstand bei den Einsätzen bisher ein Schaden.

Fazit: Wer ein zuverlässiges und zweckmäßiges Schlauchboot nebst optimalem Zubehör mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten auf höchstem Qualitäts- und Sicherheitsniveau sucht, dem empfehle ich ein Boot aus der Grabner Schlauchbootschmiede.

 

Wolfgang Winterhoff