Kamchatka - Fliegenfischen am anderen Ende der Welt (Opala Fluss)

 

Text und Fotos: Mag. Stefan Guttmann & Mag. Clemens Ratschan
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Reiseziel: Kamchatka
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Boote: GRABNER Outside + Ranger

Rumms - schon wieder hängt ein Lachs an der Rute und kämpft wie ein Berserker. Welche Art wird es wohl diesmal sein? Nirgends in der Welt kann man mit der Fliege eine derartige Vielfalt an Fischen fangen wie hier in Kamchatka!

Vier Tage haben wir gebraucht, um ans andere Ende der Erde zu gelangen. Flug Wien Moskau, 9 Stunden Aufenthalt im Flughafen Sheremetevo, 9 Stunden Weiterflug nach Petropavlosk, der "Hauptstadt" von Kamchatka. Besorgen von Proviant und Überwinden der bürokratischen Hürden bei der Besorgung der Angellizenzen. Warten auf das umgebaute  Geländefahrzeug mit Panzerreifen, das uns aus dem letzten Vorposten der Zivilisation an den Oberlauf des Opala Flusses bringen soll. Autopanne. Weiterer Versuch - nach 8stündiger, absolut halsbrecherischer Fahrt über das Vulkangebirge, welche uns jetlag geplagten Abenteurern jeden einzelnen Knochen zu brechen droht, bringen uns die russischen Fahrer an den Fluss. Hier können wir uns - in einer heißen Quelle sitzend - mit frisch gefangenem Lachs, Kaviar und Vodka laben! Nun haben wir 2 Wochen Zeit, mit unseren Grabner-Schlauchbooten den Opala-Fluss zu befahren, zu fischen und Natur zu genießen, bis uns am Unterlauf am vereinbarten Ort hoffentlich der Mi - 2 Helikopter abholen wird?

Jetzt im August ist der gesamte Fluss gepflastert voll mit Buckellachsen. Zu Beginn haken wir sie bei jedem zweiten Wurf. Mit der Zeit lernen wir aber, selektiv auf die verschiedenen Arten zu fischen, und das Haken der massenhaft vorkommenden Buckellachse geschickt zu vermeiden. Mit Eifliegen kann man hier hinter wirklich jedem Lachs einen "Eierdieb" fangen, es handelt sich dabei um farbenprächtige Pazifische Saiblinge, in Amerika als Dolly Varden bekannt. Die bis zu einen Meter langen Hundslachse sind leider schon vor mehreren Wochen aufgestiegen, haben großteils bereits abgelaicht und werden - wie alle pazifischen Lachsarten - in Kürze sterben. Allerdings finden sich noch frisch aufgestiegene Rotlachse, welche nur mit kleinen, akkurat servierten Fliegen zum Biss zu bewegen sind und einen atemberaubenden Drill an der 9er Fliegenrute bieten. Die fischereiliche Hauptattraktion ist allerdings die Regenbogenforelle, welche das ganze Jahr im Süßwasser lebt. Zu einfach ist die Fischerei auch hier nicht, jede Forelle muss durch konsequentes Abfischen von Einständen erarbeitet werden - zur Belohnung: Die Regenbogner messen durchschnittlich 55 cm und sind makellos schön!

Im Frühsommer kann man in "unserem" Fluss auch Königslachse fangen, des Weiteren den wenig bekannten Kirschlachs sowie den Silberlachs. Außerdem tummeln sich in Kamchatkas Flüssen noch Ostasiatische Saiblinge, arktische Äschen und die sogenannten Steelhead - Forelle (ins Meer wandernde Variante der Regenbogenforelle). Diese Vielfalt von 12 Lachsartigen ist hier weltweit wohl einzigartig!

So lassen wir die Landschaft an uns vorüber treiben, fischen an aussichtsreichen Stellen mal hier, mal dort, und machen an den schönsten und fischreichsten Platzerln Lager. Ständige Begleiter sind die Grizzlybären: Fast jeden Tag können mehrere dieser beeindruckenden Tiere beim Fischen und beim Abweiden der Beeren in der Tundra beobachten werden.

Ständig wechselt der Fluss seinen Charakter. Im Oberlauf pendelt der Opala durch eine weite Tundrenlandschaft und vereinigt sich mit mehreren Nebenflüssen. Der Mittellauf ist geprägt durch den 2460 m hohen Opala Vulkan, der sich aufgrund des abwechslungsreichen Wetters leider nur kurz "aufs Haupt" sehen lässt. Hier fließt unser Fluss durch tiefe, bewaldete Canons, und lässt einen eher am Mekong oder Jangtse wähnen als hier im äußersten Osten Sibiriens. Zweimal gilt es, eine Serie von heimtückischen Stromschnellen bis Wildwasser - Kategorie III+ zu überwinden - wir sind froh, uns auf die einmalige Qualität unserer beiden Grabner-Boote (Modelle Outside & Ranger) verlassen zu können.

Im Unterlauf schließlich fließt der Opala - aufgezweigt in eine unüberschaubare Vielzahl von Nebenarmen - durch eine offene, durch einzelne Gebüschgruppen aufgelöste "Parklandschaft". Hier bewährt sich der geringe Tiefgang der beiden Schlauchboote sehr gut, wenn wir uns in dem unübersichtlichen Gewirr von Nebenarmen in immer kleinere, seichtere Gerinne verirren, um irgendwann wieder in den Hauptarm des Flusses zurück zu finden.

Ein Float Trip in Kamchatka bietet die Möglichkeit, unberührte Naturlandschaft und unglaublichen Fischreichtum hautnah zu erleben! Für Angler, welche das Abenteuer auf sich nehmen, gibt es hier eine Fischerei, wie sie in Alaska einmal gewesen sein muss, als Draufgabe eine einzigartige Landschaft und einmalige kulturelle Einblicke - die Zeit der Sowjetunion scheint hier stehen geblieben zu sein!

Es ist schwierig, sich in wenigen Wochen eine Meinung über die Gastfreundschaft und Kultur der lokalen Bevölkerung zu bilden. Man fliegt in ein Land am anderen Ende des Globus, verbringt dort 2 unheimlich intensive Wochen in absolut fantastischer Naturlandschaft und verlässt dieses Land mit vielen tollen Eindrücken. Was wir mit Bestimmtheit sagen können, ist, dass uns mit einer vorerst zurückhaltenden - mit Fortdauer der Reise - aber großen Gastfreundschaft begegnet wurde - man "linkte" uns nie, wir wurden immer fair und als Partner gesehen. Feststeht auch die Tatsache, dass dieses Land einen unglaublich Reichtum an Naturschätzen aufweist, den es sich lohnt als sensibler und respektvoller Tourist zu erforschen.

Mag. Stefan Guttmann   &  Mag. Clemens Ratschan