Testbericht HOBBY

Der erfahrene Schlauchboot-Tester Florian Evertz hat das HOBBY beim GRABNER Bootstesttag am 27. Juni 2008 ausgiebigst getestet und den nachfolgenden Bericht darüber verfasst:


HOBBY – von Grabner. Ein zweiter Test.

  • Zerlegbar soll es sein. Und robust.
  • Ordentlich verarbeitet.
  • Rauwassertauglich.
  • Schnell.
  • Sicher.
  • Einigermaßen bequem.
  • Geräumig.
  • Und: Erschwinglich.

 

Freitag, 27.Juni 2008.

Dunkle Gewitterwolken ziehen über den Donaualtarm.
Ein paar Regentropfen fallen.
Das ganze „Becken“ ist aufgewühlt.
Der Wind dürfte nah bei vier bis fünf Beaufort liegen.

Nach einem ersten Test im Frühjahr diesen Jahres habe ich mich ein zweites Mal bei Grabner angemeldet.
Das hatte mehrere Gründe, und daher erfolgt heute ein Bericht, der in einigen, wesentlichen Punkten von dem abweichen wird, was ich bereits geschrieben habe.


Fangen wir vorne an.
Beim ersten Grabner Bootstest, der übrigens jedes Jahr stattfindet, und zwar wetterunabhängig, am Altarm der Donau, präsentierte sich ein aufgeräumtes Motorboot von Grabner, 4,10 m lang, Innenbreite: 80 cm.
Motorisierbar bis 25 PS – vor Ort mit einer Maschine, Suzuki, Viertakt, 25 PS.
Das Gewicht von fünf Personen führte dazu, dass der Einlegeboden im Schiff durch den Widerstand des Wasserdrucks von unten nach oben gewölbt wurde, für mich stand fest: DER WIRD ES NICHT.
Nur der lieben Ordnung halber und weil ich nach Alternativen für das C4 von Bombard suchte, bat ich, ein zweites Mal anreisen „zu dürfen“.

 

Zielsetzung:

Kleinerer Motor (15 PS von Suzuki) und mehr Luft – im Boden, im linken und rechten Schlauch.
Freitag – Mittag war es soweit.
Wir erscheinen vor Ort, Herr Grabner, auf den vorangegangen E-mail-Kontakt angesprochen, weiß sofort, wer wir sind.
Der Hobby wird an Land gezogen.
Der Motorenwechsel geht leicht von der Hand.
Ich nehme mir das ganze Boot noch einmal vor und bestehe auf einem Drucktest.
Prompt: Linker Schlauch, rechter Schlauch, Boden: An allen drei Ecken: Zu wenig Luft. Mit einer Doppelhub pressen Ewald Grabner, der Junior, und ich 0.3 bar ins Boot und ich zische mit meinen Leuten (Lebensgefährtin, Senior) und 15 PS am Spiegel los.

 

Nun. Kürzen wir das Ganze ein bisschen ab.

Das Boot hat den Druck, gefühlt, einwandfrei gehalten.

Mit hartem Riefen- nebst Einlegeboden kommt das Schiff sofort ins Gleiten.
Nichts rührt sich mehr.
Der Spiegel sitzt, der Rumpf fegt nur so über die Wellen und ich beginne langsam zu glauben, im Frühjahr ein komplett anderes Boot gefahren zu haben.

Wir werden mutiger und ziehen unsere Bahnen, die zuletzt so eng werden, dass ich mit Vollgas um die eigene Achse wirble.

Die Wellen erreichen jetzt etwa die Höhe der Seitenschläuche mit 47 cm Durchmesser. Ich nehme Anlauf.
Wir erreichen die Höchstgeschwindigkeit und fliegen förmlich über die Wellen.
Und was passiert?
Nichts passiert.
Das Boot fühlt sich hart und weich zugleich an.

Der Boden bleibt, wo er soll, nämlich am Boden.

Trotzdem bleiben die erwarteten Schläge aus, weil das ganze „System“ gerade so wenig nachgibt, dass die Wirbelsäule nicht aus den Fugen gerät.
- Was, das gebe ich zu, nicht gerade für meine Begeisterung gilt, die sich förmlich überschlägt.
Wer dieses Forum findet und nach einem zerlegbaren Schlauchboot sucht, wird häufig lesen: „C4 von Bombard“. Dem stimme ich zu.
Trotzdem steht spätestens seit Freitag fest: Man kommt an der Überlegung, ein Hobby bei Grabner zu kaufen, kaum mehr vorbei.
Das C4 – aus PVC hergestellt (im Gegensatz zum Hobby - Grabner produziert fast ausschließlich Hypalon – Boote) – ist 10 cm länger und rund 300 € billiger. Es lässt sich zwar höher motorisieren und ist wahrscheinlich noch eine Spur steifer.
Dafür wiegt das C4 immerhin 98, das Hobby nur 63 kg (Boot 36,5; Boden 26,5 kg) und man wird, das garantiere ich, zu einer wesentlich höheren Motorisierung beim C4 greifen müssen, um dieselbe Performance eines Hobby – Schlauchbootes, ausgerüstet mit einem etwas kleineren Motor, zu erreichen.

Am Freitag wurde schließlich noch ein zweiter Wechsel der Maschine veranlasst (15 auf 25 PS).
Der Suzuki (25 PS) wiegt etwas mehr als 68 kg – mit rund 49 km/h, zu zweit im Boot sitzend, ist das natürlich eine höllisch gute Kombination.
– Stimmt der Druck im Boot, leidet auch die Stabilität des Bodens nicht – trotz größerer Maschine und Beladung mit fünf schweren Erwachsenen.

Zum Abschluß des Tages hat Ewald Grabner noch gefilmt und fotografiert – ich denke das Ergebnis seiner Mühe wird man demnächst möglicherweise bei „www.grabner-sports.at“ sehen können.
Nur soviel möchte ich vorab verraten:
- Nachdem ich Ribs, Festrumpfboote, früher sogar mal die Juca (Metzeler), C2 und C4 von Bombard, um nur einige zu nennen, gefahren habe, versuchten wir, das Hobby Freitag an seine Grenzen zu führen.
Aber an diesem Tag und den vorliegenden Bedingungen gab es für dieses Schiff keine. Gegen Abend frischte der Wind in Niederösterreich zwar auf und meine Motivation für ein paar „Extra – Manöver“ mit dem Boot, auch.
Und ich weiß natürlich nicht, ob Fa. Grabner nur einen Bruchteil dessen, was ich dort veranstaltet habe, ins Netz stellen wird, aber soviel steht fest:
Wir waren zum guten Schluss klatschnass und völlig fertig, was aber nicht für das Schlauchboot gilt.

Das spricht in der Summe der Faktoren erheblich für ein Schiff, welches man in einem Kleinwagen unterbekommt, das mit 15 schneller läuft wie andere mit 20 PS und das in Kombination von Riefen- und Einlegeboden mehr auf der Pfanne zu haben scheint, wie mancher Vertreter, der im Land der untergehenden Sonne produziert wird.
In Österreich, Freitag letzte Woche, ging sie hingegen definitiv auf.
Ich vertrete die Auffassung, dass das Boot, ausgerüstet mit einer 20 PS Maschine ideal wäre für jemanden, der ein zerlegbares, steifes Schiff sucht, aus Hypalon, nicht PVC. Jemanden, der keine Lust hat, „Stunden“ mit dem Aufbau zu verbringen bzw. zu trailern. Der sich sicher fühlen und nicht übermäßig viel Geld für Spritkosten oder eine große Maschine verbraten will.
Dieses Schlauchboot ist m. E. praktisch nicht aus der Ruhe zu bringen.

Ich könnte mir gut vorstellen, damit den Gardasee zu überqueren oder an der Küste entlang die Buchten zwischen Marseille und Cassis (Südfrankreich) zu „erobern“.
– mal sehen, wie’ s läuft.
Jedenfalls trifft nach meinem Dafürhalten jede einzelne der anfangs geschilderten Eigenschaften zu.

 

Herzliche Grüße und für Rückfragen wie immer gern.
Florian E.

 

=> Zum Kurzfilm