40 JAHRE GRABNER

INTERVIEW mit Firmengründer und Inhaber Wolfgang Grabner

Herr Grabner ihr Unternehmen feiert 2015 40-jähriges Bestandsjubiläum. Haben Sie sich bei der Betriebsgründung gedacht, dass es einmal so sein wird wie es heute ist?

Als ich 1975 als 1 Mannbetrieb begann, waren die Voraussetzungen völlig anders als heute. Wir erzeugten damals Ski- und Sportaccessoires, Tennisblenden, Surfprodukte und Schwimmwesten. Schwimmwesten sind auch heute noch ein Hauptprodukt, während andere Artikel schon längst nicht mehr erzeugt werden. Das ich einmal Besitzer einer Bootsfabrik werde, habe ich mir bei der Unternehmensgründung nicht gedacht. Ziel war es allerdings schon, dass das Unternehmen langfristig erfolgreich sein soll. Das hat sich erfüllt und freut mich sehr.


Rückblickend auf 40 Jahre Unternehmensgeschichte, was waren die wichtigsten Ereignisse oder Erfolge?

Das der Start gut gelungen ist und wir innerhalb von wenigen Jahren die Anzahl der Mitarbeiter von 1 auf 140 steigern konnten. Auch die Tatsache, dass wir in den 90er Jahren die sportlich erfolgreichste Schwimmwestenmarke der Welt waren ist zweifellos ein großer Erfolg. Ganz wesentliche Ereignisse waren der Kauf der Bootsfabrik im Jahr 1986 und die Übernahme von zwei  weiteren bisherigen Mitbewerbern. In Summe hat sich die Konzentration auf Qualitätsprodukte ausgezahlt. Als einziger Gummiboothersteller in Westeuropa sind wir dadurch bei einigen Premium  Produkten Weltmarktführer geworden.


Gab es auch Misserfolge oder Rückschläge in diesen 40 Jahren?

Misserfolge nicht direkt, aber bedeutende Umstrukturierungen. Z.B. als innerhalb weniger Jahre die Nachfrage an Skiaccessoires stark einbrach oder innerhalb kürzester Zeit der Surfmarkt einen totalen Zusammenbruch erlitt. Hohe Zahlungsausfälle von unseren Abnehmer waren die Folge. Gott sei Dank haben wir alle Ereignisse gemeistert und aus eigener Kraft gut überstanden.


Innerhalb von 40 Jahren sind viele Firmen gekommen und wieder gegangen. Worauf führen Sie den Erfolg der Firma Grabner zurück?

Goethe hat gesagt „wir können was wir lieben“. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, damit ist Ihre Frage beinahe beantwortet. Selbstverständlich kommen aber auch noch andere Tugenden hinzu. Z.B. glasklare Ziele zu haben, sich dem Kundennutzen zu verschreiben, Vorgenommenes verlässlich durchführen und natürlich eine positive Lebenseinstellung.


Was sind Ihrer Meinung nach Gründe für das Scheitern vieler Unternehmen?

Das wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Das Windsurfen war z.B. in den 80-iger Jahren ein Riesengeschäft. Innerhalb von 2 Jahren ist das Ganze dann zusammengestürzt und fast alle Anbieter sind in Konkurs gegangen. Bei der Skiindustrie hat sicher das milde werdende Wetter und das Warenüberangebot eine Rolle gespielt. In unserem Umfeld habe ich oft erlebt, dass manche Anbieter 1 + 1 nicht zusammenrechnen konnten. Und vom Draufzahlen kann man auf Dauer nicht existieren.


Was würden Sie mit Ihrer 40-jährigen Erfahrung anders machen als früher?

Gegenüber Großversprechern aller Arten wesentlich skeptischer sein. Das schützt vor Schaden.


2014 hat es wieder zahlreiche Firmenverkäufe, Zusammenschlüsse und Investoren  Übernahmen gegeben. Wäre das auch für Sie eine Option?

Ganz und gar nicht. Nur 1 % der Menschen sind Bootskäufer, daher ist die Bootsbranche klein strukturiert und wird von mittelständigen Unternehmen beherrscht. Damit ist man individueller, kann rasche Entscheidungen treffen ohne Klotz am Bein und Kosten für eine große Organisation. Ein bekannter Konzern wollte mir die Firma abkaufen. Nein danke, dafür lieben wir unsere Branche viel zu sehr.


Mit der Anschaffung eines neuen Bootsvulkanisationsautoklaven haben Sie vor Kurzem eine Großinvestition getätigt. Wenn man so etwas macht, muss man an den heimischen Produktionsstandort und an eine positive Zukunft glauben. Wieso sind Sie hier so zuversichtlich?

Einerseits weil ich überzeugt bin, dass die Menschen auch in Zukunft gerne Bootfahren und reisen. Wir konzentrieren uns auf diese Zielgruppe und bieten mit unseren Produkten den größten Nutzen. Anderseits weil auch in Zukunft höchste Qualität und Nachhaltigkeit gefragt sein wird. Mit dem Produktionsstandort in Österreich ist das gewährleistet.


Ihre Boote sind im Bereich „aufblasbar“ die teuersten am Markt. Trotzdem verzeichnen Sie jährliche Verkaufssteigerungen. Was ist das Geheimnis dafür?

Der Anteil an Billigbooten, ist in den letzten Jahrzehnten immer höher geworden. Deshalb haben auch frühere europäische Hersteller von Qualitätsprodukten die Produktion eingestellt und  importieren nun billige Plastikprodukte aus Fernost. Wir sind einziger Hersteller von heißvulkanisierten Gummibooten in Westeuropa und bieten damit zahlreiche Vorteile für die Kunden. So wie beim Auto gibt es auch bei Booten billig, mittel und Premium Kategorien. Wer das sicherste, beste und nachhaltigste haben möchte, entscheidet sich für Grabner.


Sind Sie selbst auch Bootsfahrer?

Ja selbstverständlich. Durch dieses Hobby bin ich auch zum Schwimmwesten Erzeuger und zu einer Bootsfabrik gekommen. Meine eigenen Bootsfahraktivitäten vermischen sich natürlich stark mit dem Beruf.  Ich habe den Vorteil, dass mir praktisch die ganze Palette von über 20 Modellen ständig zur Verfügung steht. Ich bin und bleibe aber auch weiterhin Genuss- und Hobbybootsfahrer, dass heißt bei mir zählen nicht Sekunden sondern die schönen Erlebnisse am Wasser und in der Natur. Durch unsere tollen Segelboote ist natürlich Segeln zu einer neuen Leidenschaft geworden.


Sie werden in 2 Jahre 70 Jahre alt. Wie soll es nach Ihrer „Pensionierung“ weiter gehen?

Im Laufe der Jahrzehnte ist bei uns ein Team von absolut verlässlichen Mitarbeitern herangewachsen. Alle haben große Erfahrung, stehen loyal zum Unternehmen und leben den „Firmengeist“. Damit ist auch ohne mich ein gutes Fundament gegeben. Meine beiden Söhne arbeiten schon einige Zeit in der Firma. Der Ältere ist für Messen, Bootstests und Veranstaltungen verantwortlich. Der Jüngere soll meine bisherigen Aufgaben übernehmen und weiterführen. Der erste Schritt des Generationswechsel ist daher bereits vollzogen. Ich bin zuversichtlich, dass es im Unternehmen auch nach meiner aktiven Zeit positiv weiter gehen wird.


Worauf möchten Sie an Ihrem Lebensabend zufrieden zurück blicken?

Das mein Lebenswerk reibungslos auf die nächste Generation übergegangen ist und sich das Unternehmen auch in Zukunft gut am Weltmarkt behauptet. Natürlich auch das mein persönliches Lebensmotto, Fleiß, Ausdauer, positiv Denken, nachhaltig handeln auch von der nächsten Generation gelebt wird. Wenn das gelingt, werde ich mit Freude und Genugtuung auf mein Lebenswerk zurückblicken.


Neben dem Bootfahren ist auch die Fliegerei Ihr Hobby. Auch da haben Sie ja Außergewöhnliches Zustande gebracht. Was war das genau?

Als ich vor 40 Jahren meine Lebensplanung gemacht habe, notierte ich 3 fliegerische Ziele:

  • Ich möchte mit dem Flugzeug rund um Europa fliegen und in jedem Staat gelandet sein.
  • Ich möchte die Donau von der Quelle bis zur Mündung ins Schwarze Meer überfliegen.
  • Ich möchte das Mittelmeer total umrunden. Also Europa, Afrika und Asien.

Es hat zwar über 30 Jahre gedauert bis ich diese Ziele abhaken konnte, aber ich habe sie erfolgreich erreicht. Mit meinem jüngeren Sohn bin ich rund um Europa geflogen, in 45 Staaten auf insgesamt 225 Flugplätzen gelandet, die Donau habe ich von Donaueschingen bis zum Mündungsdelta überflogen und als einzige Menschen haben wir auch das Mittelmeer umrundet. Das hat vor uns niemand geschafft, und wird aus politischen Gründen auch nach uns niemand mehr machen können. Daraus ist auch das Buch „Flugabenteuer zwischen Wüsten und arktischen Ozean“ entstanden.


Herr Grabner – danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg in Ihrem weiteren Leben.

Danke, das gleiche wünsche ich auch ihnen.